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Luke Haines »Bad Vibes. Britpop und der ganze Scheiß«

Ein bitterböses Popmusik-Memoir mit tiefschwarzem britischen Humor

Luke Haines im Interview zu »Bad Vibes«

Warum hat Pop-Musik eine so große Bedeutung?
Luke Haines: Pop-Musik – wie Kunst auch – hat gar keine große Bedeutung. Aber sie füllt die Zeit auf sehr angenehme Weise aus.

Sie werden wahlweise als Pionier, Pate oder der vergessene Mann des Britpop angekündigt. Was davon ist wahr – und wie bezeichnen Sie sich selbst?
Luke Haines: Keine, ich bin nur ein freigeistiger Gitarrenzupfer.

Im Original lautet der Untertitel Ihrer Erinnerungen Britpop und mein Anteil an seinem Niedergang (Britpop and my part in its downfall). Ist der Britpop tot? Wenn er ins Museum kommt, welches Etikett geben Sie ihm?
Luke Haines: Ich glaube nicht, dass man sich an Britpop noch lang erinnern wird, zumindest nicht mit positiven Gefühlen. Wenn man sich doch erinnert, hat man immer dieses alte Bild von Blair und Gallagher auf Schmusekurs vor der Wahl 1997 vor Augen (und der Plattenboss von Oasis steht im Hintergrund und schaut mit Wohlgefallen zu). Ich bin froh, dass dieser Moment der demonstrativen Spießigkeit und Selbstgefälligkeit für immer auf Film gebannt wurde, und ich kann nur hoffen, dass auch mein Buch ein kleines Stück dazu beiträgt, den Mythos des Britpop zu zerstören.

Britpop war ein Phänomen der 90er Jahre. Wie haben Sie diese Ära, als es für The Auteurs zum Durchbruch kam, erlebt?
Luke Haines: Als The Auteurs 1992 den ersten Vertrag bekamen, gab es noch keinen Britpop. (Obwohl einige Journalisten behaupteten, den Ausdruck Britpop hätte es schon in den frühen sechziger Jahren gegeben, als Bezeichnung für milchgesichtige UK -Rocker. The Auteurs waren lose verwandt mit Suede; keiner von uns wollte damals wie irgendeine der gängigen amerikanischen Gruppen klingen. Die Musikpresse erkannte das und versuchte, eine „Szene“ zu schaffen. Beim Magazin Select haben sie erstmals von Britpop gesprochen, als sie Anfang 1993 Suede, Auteurs, Saint Ettienne und Denim auf das Cover nahmen. Das sogenannte Britpop-Album von Blur, Modern Life is Rubbish wurde nach den ersten Alben der Auteurs von Suede veröffentlicht. Was immer Suede und The Auteurs anfingen, wurde schnell verwässert. Aber genau das erklärt natürlich, warum das Britpop-Phänomen soviel Anklang bei den Massen fand (zumindest in England).

Und woran sind Sie damals gescheitert? Lag es an Ihrer Musik, der Musik der Konkurrenz – oder daran, dass Sie als Folge eines Mauersturzes ein Jahr im Rollstuhl saßen?
Luke Haines: The Auteurs sind nur kommerziell gescheitert, nahezu alles, was wir aufgenommen haben, kann künstlerisch als Erfolg verbucht werden. Die Tatsache, dass The Auteurs, Suede, Sainte Ettienne und Denim alle als Avantgarde des sogenannten Britpop galten, könnte auch dahingehend interpretiert werden, dass diese Gruppen den Weg für den kommerziellen Erfolg der nachfolgenden Bands geebnet haben. Ich hätte eine Provision bekommen sollen.

Dass die Musikindustrie ein Schlangennest ist, ahnen wir seit John Nivens Buch »Kill Your Friends«. Wenn man einen Plattenvertrag in der Tasche hat, hat man dann als Künstler eigentlich noch Einfluss auf das, was da passiert mit seiner Person und seiner Musik?
Luke Haines: Künstler sollten immer tun (können), was sie wollen. Es gibt kein wasserdichtes Rezept, wie man Hits produziert. Es ist Rock and Roll und nicht Rock-Wissenschaft.

Im Herbst 2009 ist mit »21st Century Man« Ihr neuestes Album erschienen. Wenn Britpop tot ist, was ist das für eine Musik, die Sie seitdem machen?
Luke Haines: Luke-Haines-Musik.

Wenn Sie Ihre Musikkarriere jetzt noch einmal starten würden, was würden Sie heute anders machen?
Luke Haines: Ich würde gar nichts anders machen. Ich bin zufrieden mit allen Platten, die ich aufgenommen habe. Wenn du im Alter von zwanzig von einer großen Plattenfirma unter Vertrag genommen wirst, mutierst du zwangsläufig zum Arschloch. Du erhältst unglaublich viel Geld und unglaublich viele Drogen – und bist umgeben von Leuten, die zu nichts, was von dir kommt, Nein sagen. Es ist das Vorrecht eines jeden Pop-Stars, ein Arschloch zu sein. Das ist auch richtig so.

STIMMEN ZUM BUCH

„Eine packende Lektüre, dazu noch unglaublich witzig.“ David Peace

„Urkomisch und bitterböse zugleich. Haines geht in seiner Rolle als alternder Seebär des Britpop vollends auf.“ John Niven

„Selten wurde das absurde Leben eines Rockmusikers besser in Worte gefasst. Ein klasse Buch!“ Independent on Sunday

„Herrlich ehrlich und selbstironisch. Ein Riesenspaß!“ Uncut

Bad Vibes Blick ins Buch

Luke Haines

Bad Vibes

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