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SPECIAL zu Mai Jia

Mai Jia – einer der erfolgreichsten Schriftsteller Chinas

Mai Jia ist unbestritten einer der erfolgreichsten Schriftsteller im heutigen China: Er ist der meistverdienende Autor des Landes, seine Bücher sind allesamt Millionenbestseller, alle Romane sind oder werden verfilmt. Er hat fast jede wichtige Auszeichnung bekommen, inklusive der höchsten, dem Mao Dun Award, und gilt als der Wegbereiter der chinesischen Spionageliteratur – indem er Spionage, Kryptographie, Spannung, Drama, historische Themen und Metafiktion kombiniert, hat ein er hier einzigartiges Genre geschaffen.

Trotz seiner Popularität und der damit einhergehenden medialen Aufmerksamkeit weiß man über den Menschen Mai Jia jedoch nur wenig.

Mai Jia wurde 1964 in eine Familie von „Klassenfeinden“ hineingeboren: Sein Vater war Rechtsabweichler, sein Großvater mütterlicherseits Landbesitzer, der Großvater väterlicherseits Christ. Mai hatte eine recht einsame Kindheit, er schrieb viel Tagebuch. 36 Bände davon hatte er beendet, bevor er auch nur anfing, sich an das Verfassen von Romanen zu machen. Doch zunächst führte eine Zufallsbegegnung dazu, dass er von der Ingenieursakademie der Armee rekrutiert wurde. Was er nicht wusste: Zweck dieser Ausbildung war es, Nachrichtenoffiziere auszubilden. Mai Jia wurde zwar nicht Spion, arbeitete aber u.a. für eine top-secret-Einheit, wo er eine Gruppe hochintelligenter Menschen kennen lernte, die entweder freiwillig oder gezwungen im Verborgenen arbeiteten. Sie bilden die Grundlage für viele Charaktere, die Mai Jia später erschaffen sollte: heimliche Helden, die einen gefährlichen Krieg des Geistes führen, dessen Schlachtfeld in einem abstrakten und metaphysischen Raum jenseits der menschlichen Imagination liegt.

Nach eigenem Bekunden feuerte Mai Jia „nicht mehr als sechs Runden Munition“ während seines gesamten Soldatenlebens – von seinen letztlich 17 Jahren im Militärdienst verbrachte er die meiste Zeit mit Schreiben und dem Sammeln literarischer Auszeichnungen. Trotzdem dauerte es weitere zehn Jahre, bis der erste Roman, Jie mi (dt: Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong), fertig war. 2002 veröffentlicht, erzählt er die Geschichte eines mathematischen Genies, das zu Chinas größtem Kryptographen aufsteigt, dann aber von der unfassbaren dunklen Welt der Kryptographie in den Wahnsinn getrieben wird. Der Protagonist, Rong Jinzhen, ist eine typische Mai-Jia-Figur: überdurchschnittlich intelligent, aber gleichzeitig höchst sensibel und psychisch labil.

Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong wurde ein Erfolg. Es war der vielleicht erste literarische Thriller Chinas, der die Spannung und die Plotwendungen des Kriminalromans mit der Figurencharakterisierung und den Erzähltechniken anspruchsvollerer Literatur verband. Das Buch verkaufte sich mehr als einhunderttausend Mal und gewann mehrere literarische Preise. Mai Jia war nun in jeglicher Hinsicht ein erfolgreicher Autor.

Das Beste kommt zum Schluss, sagt man, aber niemand hatte damit gerechnet, dass sich der Erfolg von Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong noch steigern ließ. 2003 publizierte Mai Jia seinen zweiten Roman, Ansuan („Im Dunkeln“), und malte darin die Welt der Spionage, die er schon in seinem Debüt zu erkunden begonnen hatte, weiter aus. Mittels fünf untereinander verbundener Erzählungen, die sich über einen Zeitraum von 30 Jahren spannen, entstand ein Epos über Radioüberwachung, Kryptographie und geheime Missionen, in denen Wahrsager, Revolutionäre und Mathematikgenies um ihr Überleben kämpfen. Auch dieser Roman wurde unmittelbar zum Bestseller, und man bat Mai Jia, das Buch als 30-teilige TV-Serie zu adaptieren. Bei ihrer Ausstrahlung 2005 wurde die Serie zu einer nationalen Sensation. Mai Jia allerdings fand sich im Abspann nur als „Co-Autor“ wieder, neben Yang Jian, dem Produzenten der Serie. Dass die Serie auf Mai Jias Buch beruhte, wurde nicht einmal erwähnt. 2006 zog Mai Jia wegen „kreativer Differenzen“ und „absichtlicher Täuschung“ vor Gericht. Der Fall kam in den Fokus der nationalen Medien, was dem Verkauf des Buches weiter half.

Zwei Jahre später wurde Mai Jia mit dem Mao Dun Award, dem höchsten Literaturpreis Chinas, ausgezeichnet. Da Ansuan ein Bestseller und die Basis für eine populäre TV-Serie war, hatte man Mai Jia bisher als „kommerziellen“ Autor angesehen. Die Zuerkennung des Preises wurde daher heftig diskutiert und katapultierte das Buch an die Spitze der Bestsellerlisten.

Zu dem Zeitpunkt hatte Mai Jia bereits seinen dritten Roman veröffentlicht. Fengsheng („Die Botschaft“) trug Mai Jia eine Auszeichnung als Schriftsteller des Jahres beim Chinese Media Literary Award ein und wurde 2009 verfilmt und zwei Jahre später als Fernsehserie weitererzählt.

Fengyu („Windgespräch“), seine jüngste – und wahrscheinlich letzte – Spionagegeschichte, schrieb Mai Jia dann zuerst als Drehbuch und adaptierte dann erst den Fernsehstoff als Roman in drei Büchern. Diese brachten ihm den traumhaften Vorschuss von 7,5 Mio. RMB (mehr als 1 Mio. US-Dollar) ein, den höchsten Vorschuss, der jemals einem Autor in China gezahlt wurde.

Man nennt Mai Jia auch den „Dan Brown Chinas“ vor dem Hintergrund, dass er ein großer Bestseller-Autor ist, dessen Romane voller Codes und Rätsel stecken. Aber das Werk der beiden Autoren könnte nicht unterschiedlicher sein, weder in Bezug auf Themen, Ausführung oder Anspruch. Mai Jias literarische Vorbilder sind eher Borges und Nabokov als Agatha Christie. Seine Thriller mögen patriotisch und politisch korrekt erscheinen, spielen sich jedoch in großen Teilen in einer Grauzone der moralischen Ambiguität ab und feiern lieber die Kraft des individuellen Willens als dass sie die Parteilinie preisen. Trotz seiner Popularität und Berühmtheit führt Mai Jia ein einfaches Leben in einem Vorort von Hangzhou, wo er oft Telefon und Internet abstellt, um in Ruhe schreiben zu können.

Wie seine Romane ist auch der Autor ein Rätsel, ein lebender Widerspruch.

Text (gekürzt) mit Dank zur Verfügung gestellt von The Grayhawk Agency, Taipei, Taiwan.

Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong Blick ins Buch

Jia Mai

Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong

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