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Manfred Lütz »Irre - Wir behandeln die Falschen«

SPECIAL zu Manfred Lütz »Irre - Wir behandeln die Falschen«

Fragen an Dr. Manfred Lütz zur Entstehung seines Buches

Irre - Wir behandeln die Falschen Blick ins Buch

Herr Dr. Lütz, wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem neuen Buch „Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen. Eine heitere Seelenkunde“?
Wenn ich über Tag mit meinen Patienten zu tun habe, so sind die zwar alle psychisch krank, aber das sind in der Regel freundliche, sensible, liebenswürdige Menschen, die zumeist nur vorübergehend ein Problem haben. Sehe ich dann abends Nachrichten, dann ist da die Rede von Kriegshetzern, Wirtschaftskriminellen, eitlen Egomanen, die auf Teufel komm raus die Welt beunruhigen – und niemand behandelt die. Denn das geht auch gar nicht, weil die alle als normal gelten. Und da ist es kein Wunder, dass sich mir immer mehr die These aufdrängte, dass unser Problem in Wirklichkeit gar nicht die Verrückten sind, sondern ganz im Gegenteil: Unser Problem sind die Normalen.

Sie sagen das augenzwinkernd, aber mit ernstem Hintergrund. Das Buch ist eine scharfzüngige Gesellschaftsanalyse nicht ohne satirische Zuspitzungen. Woher dieser Hang zur Satire?
Weil die Wirklichkeit in Manchem realsatirische Züge hat und weil ich der Auffassung bin, dass ein kluger Scherz mehr Einsicht vermitteln kann als eine bierernste Festrede voller unerhörter Selbstverständlichkeiten. Eckart von Hirschhausen, der dankenswerterweise das Vorwort geschrieben hat, ist ein Musterbeispiel dafür, dass Satire unterhaltsam und informativ zugleich sein kann. Ich glaube ganz ernsthaft, dass die Diktatur der Normalität all der wahnsinnig und blödsinnig Normalen einschneidende gesellschaftliche Folgen haben kann.

Ihre Krankengeschichten sind oft nicht nur unterhaltsam, sondern auch witzig. Darf man humorvoll über psychische Erkrankungen reden?
Aus meiner Sicht ist es eine Diskriminierung psychisch Kranker, ihren Witz und ihre Originalität mit sauertöpfischem Mitleidspathos zuzukleistern. Gewiss, psychische Krankheit ist auch ein Leid, aber nie nur das. Humor ist die Fähigkeit, sich selbst und andere mit einem gewissen Abstand zu sehen und sich und andere nicht übertrieben ernst zu nehmen. Das hat einen Mann wie den bekannten Psychiater Viktor Frankl sogar das KZ überleben lassen.

Populär geschriebene Bücher werden aber oft von der Fachwissenschaft als zu oberflächlich belächelt...
Deswegen habe ich das Buch vorher von führenden deutschen Experten lesen lassen. Professor Wolfgang Maier aus Bonn ist einer der in Deutschland anerkanntesten psychiatrischen Wissenschaftler, Professor Windgassen aus Remscheid ist Herausgeber eines der bekanntesten psychiatrischen Lehrbücher, Professor Klaus Dörner ist mit seinem Bestseller „Irren ist menschlich“ sozialpsychiatrisches Urgestein, Professor Christian Reimer ist Psychoanalytiker, Professor Martin Hautzinger Verhaltenstherapeut und beide sind Herausgeber von entsprechenden Lehrbüchern. Das Buch wurde aber auch von einem Betroffenenvertreter und einer Angehörigenvertreterin vorher gelesen, damit diese ursprüngliche Perspektive dem Buch nicht fehlt. Das war zwar aufwändig, doch es wäre Volksverdummung, zwar populär, aber unrichtig zu schreiben. Die Herausforderung dieses Buches war es ja gerade, den heutigen Stand der Wissenschaft allgemeinverständlich rüberzubringen.

Sie sind selbst Psychiater und arbeiten in der Psychowelt. War das für Sie nicht schwierig, die Übersetzung vom „Fachchinesischen“ ins Allgemeinverständliche?
Meine Frau ist Journalistin und vertritt die merkwürdige Auffassung, man könne alles Wichtige auch verständlich sagen. Das ist natürlich für uns Ärzte eine Zumutung, da unser Beruf seine Autorität seit Jahrhunderten durch sprachliche Unverständlichkeit aufrechterhält. Doch als folgsamer Ehemann habe ich getan, was meine Frau sagt – und damit habe ich nicht nur als Schriftsteller die besten Erfahrungen gemacht. Außerdem habe ich das Buch von einem Metzger lesen lassen. Metzger sind geerdete Leute und dass der es gut fand, hat mich sehr beruhigt.

Für wen ist das Buch geschrieben?
Für Leute, die Psychiatrie gar nicht interessiert, die sich aber einfach mal mit Substanz unterhalten wollen. Natürlich auch für die 30 Prozent Deutschen, die in ihrem Leben irgendwann mal eine psychische Störung haben – und für die restlichen 70 Prozent, die alle irgendwelche Angehörige haben, die psychisch erkrankt sind. Ich kenne mit anderen Worten kaum jemanden, für den das Buch nicht höchst geeignet ist.

Ein Interview mit der Pressestelle des Gütersloher Verlagshauses

Irre! - Wir behandeln die Falschen Blick ins Buch

Manfred Lütz

Irre! - Wir behandeln die Falschen

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