${alt}

Mary Jayne Baker im Interview zu ihrem neuen Buch »Ein Fahrrad für zwei«

Wussten Sie, dass Mary Jayne Baker ein heimlicher Nerd ist und Science-Fiction liebt?

Mary Jayne Baker
© Sue Copeman, Missy Moo Photography
Eine kurze Biographie:
Ich wurde in einer Arbeiterfamilie im ländlichen West Yorkshire geboren, einer Gegend, die normalerweise Brontë Country genannt wird. Meine Mutter war jung und alleinerziehend, weshalb ich viel Zeit bei meinen Großeltern verbrachte (alle drei leben immer noch in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, knapp fünf Kilometer von meinem jetzigen Wohnort entfernt). Nach der Schule studierte ich Englische Literatur an der Durham University. Ich begann eine Karriere im Verlagswesen, zuerst als Redakteurin und Korrekturleserin und später als Grafikdesignerin. Ich habe für mehrere Verlage gearbeitet, darunter ein Bildungsverlag und ein Herausgeber von internationalen Reiseführern, und lebte in Städten wie Cambridge und London, bevor ich nach Yorkshire zurückkehrte. Zuletzt arbeitete ich als Grafikerin für einen Verlag von regionalen Büchern und Zeitschriften. Im Laufe der Jahre hatte ich viele Hobbys, zum Beispiel in einer Blaskapelle spielen – wie die Heldin von Ein Fahrrad für Zwei – (leider liegt die Zeit, in der ich Eufonium spielte, hinter mir!). Ich lese auch gern, gehe gern spazieren und ins Theater und engagiere mich in meinem Dorf in verschiedenen Komitees wie dem Gala-Komitee und dem Verwaltungskomitee für den Gemeindesaal. Ich lebe mit meinem Partner Mark, mit dem ich seit zwölf Jahren zusammen bin, und unseren drei Katzen zusammen.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Schriftstellerin zu werden?
Als Kind habe ich gern Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben, und wie viele junge Menschen träumte ich davon, eines Tages eine veröffentlichte Autorin zu werden. Ich habe zu verschiedenen Anlässen – erstmals als Studentin – versucht, einen Roman zu schreiben, aber nach ein paar tausend Wörtern immer das Vertrauen verloren und letztlich entschieden, doch nicht das Zeug zu einem Buch zu haben. Am Ende hörte ich von einer Veranstaltung namens NaNoWriMo, kurz für den National Novel-Writing Month, die mich im Herbst 2015 dazu anregte, meinen Debütroman zu schreiben. Ich wusste nicht, ob ich etwas schreiben könnte, das gut genug für eine Veröffentlichung wäre, doch ich wollte sagen können, dass ich mein Bestes gegeben hatte. Einmal angefangen, konnte ich nicht aufhören – seitdem habe ich sieben Manuskripte in Romanlänge fertiggestellt, von denen fünf veröffentlicht wurden! NaNoWriMo hat mir zu Beginn ein Online-Support-Netzwerk zur Verfügung gestellt und mir effiziente Schreibgewohnheiten beigebracht. Die Wichtigste davon war, eine bestimmte Wortzahl als Tagesziel zu haben. Aufstrebenden Autoren lege ich das häufig ans Herz.

Wo finden Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Mein Zuhause in Yorkshire ist ein sehr inspirierender Ort. Nicht nur in Bezug auf die kahle schöne Landschaft, die schon bessere Schriftsteller als mich inspiriert hat (insbesondere alle drei Brontë-Schwestern, die 6,4 Kilometer entfernt lebten), sondern auch in Bezug auf die Menschen. Wir haben einen bestimmten trockenen Humor, eine Offenheit und eine wunderbare Dickköpfigkeit, weshalb es Spaß macht, Yorkshire-Figuren zu schreiben. Mein erster Roman war eine zeitgenössische Liebesgeschichte, die in einem Londoner Zeitungsbüro spielte, aber der niederträchtige Redakteur war ein Yorkshirer, und es hat mir so viel Spaß gemacht, ihn zu schreiben, dass ich beschloss, meine Bücher zukünftig näher an der Heimat spielen zu lassen. Darüber bin ich sehr froh!

Ich schöpfe auch Inspiration aus dem Leben. Oft werde ich gefragt, ob Charaktere auf bestimmten Personen basieren, die ich kenne. Das ist nie der Fall, aber ich halte Charaktereigenschaften, Redewendungen und Dialogfetzen fest, wenn sie mich zum Lächeln bringen, und vermische sie alle, um etwas Neues zu erschaffen. Anekdoten aus meinem Leben oder von anderen, Geschichten in Zeitungen und Magazinen, belauschte Gespräche in der Kneipe ... Ich lasse nie etwas Gutes ungenutzt.

An welcher Geschichte schreiben Sie gerade?
Etwas, das ein bisschen anders ist! Meine letzten vier Bücher waren romantische Komödien, die ganz oder teilweise in Yorkshire spielten und aus der Sicht der Heldin in der ersten Person geschrieben waren. Daher wollte ich meine Fühler mit meinem neuen Buch etwas ausstrecken. Es spielt an der Küste im wunderschönen Somerset, dem Heimatort meiner besseren Hälfte. Ich habe dort viel Zeit verbracht und es ist aus der Sicht von vier Hauptcharakteren in der dritten Person geschrieben. Es enthält auch etwas härtere Themen, obwohl es immer noch sehr viel von einer Komödie hat. Mir hat es viel Spaß gemacht, aus meiner Komfortzone herauszutreten und mit meinem Stil zu experimentieren. Allerdings hat meine Agentin es noch nicht gelesen und daher bin ich mir nicht sicher, ob ich sagen sollte: »Behaltet dieses Buch im Auge« oder »Ich fang noch mal von vorn an« …

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Und warum?
Ich liebe Emily Brontë. Sturmhöhe hat eine dunkle, düstere Kraft, die ich faszinierend finde und die mich immer an Heimat erinnert. Ich bewundere auch Autoren, die wirklich gute Komödien schreiben können. Meine Favoriten sind Terry Pratchett, Joseph Heller, Douglas Adams und der wundervolle P. G. Wodehouse, die auf unterschiedliche Art und Weise einzigartige Stimmen, unvergessliche Charaktere und wirklich fabelhafte Einzeiler kreiert haben. Das sind die Autoren, die ich lese, wenn ich mich aufheitern will. In meinem Genre der Frauenliteratur bewundere ich Jill Mansell und Milly Johnson, die Humor und Emotion sehr gut vermischen können.

Welches Buch haben Sie kürzlich gelesen?
Ich habe gerade ein Buch namens Lily Alone zu Ende gelesen, ein emotionales Familiendrama von einer talentierten Schriftstellerfreundin, Vivien Brown, das ein bisschen auf die Tränendrüse gedrückt hat. Ich wechsele gern zwischen Belletristik und Sachbuch. Meine nächste Lektüre ist daher ein Buch namens Shakespeare the Player von John Southworth.

Wie lautet Ihre Lebensphilosophie?
»Wenn du etwas sein kannst, sei nett« ist meiner Ansicht nach eine sehr gute Lebenseinstellung.

Was tun Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben?
Über das Schreiben nachdenken. Oft dann, wenn ich über etwas anderes nachdenken sollte …

Ich lese auch gern, gehe spazieren, sehe Filme, gehe ins Theater (besonders Shakespeare) und verbringe Zeit mit Freunden in der Kneipe.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wussten …
1. Ich bin ein großer Fan von klassischen Filmen und habe eine Katze, die ich nach Harpo Marx benannt habe.
2. Ich bin ein heimlicher Nerd und liebe Science Fiction!
3. Als Kind lebte ich ein Jahr lang in einem Wohnwagen auf einem Gipfel in Haworth Moor.
4. Meinen ersten Buchvertrag habe ich mit einem Abendessen mit Fish and Chips und Prosecco gefeiert.
5. Als Kind waren Die Chroniken von Narnia von C. S. Lewis meine Lieblingsbücher.


Über das aktuelle Buch

Wie würden Sie Ihren Roman in einem Satz beschreiben?
Eine erbauliche, fröhliche Geschichte über Liebe, Familie und Gemeinschaftsgeist.

Was hat Sie zu dem Roman inspiriert?
Obwohl ich keine begeisterte Anhängerin des professionellen Radsports bin, wurde ich wie alle in meiner Gegend von einem unglaublichen Gemeinschaftsgefühl und Lokalstolz erfüllt, als der Grand Départ 2014 durch unseren Landkreis zog. Auch wenn ich damals keine Schriftstellerin war, wurde wohl ein Grundstein gelegt. Ein paar Jahre später kam mir die Idee, ein »Yorkshire-Buch« zu schreiben, das alles umfasste, was ich an meiner Heimat liebe: die Landschaft, die Mentalität und die Menschen. Als gute Kulisse erschien mir das Vorfeld des Grand Départ von Yorkshire, denn damals waren diese Charakteristiken für die ganze Welt sichtbar. Ich habe es geliebt, darüber zu schreiben!

Welcher ist Ihr Lieblingscharakter in dem Roman und warum?
Deano! Seit ich seine erste Szene schrieb, nahm seine Figur Fahrt auf. Mit seiner Intensität, seinem Humor und seiner Impulsivität wuchs er mir ans Herz und ich mochte seine Beziehung zu Lana. Am Ende des Buches war ich ein bisschen verliebt in ihn. Das ist wohl der Grund, warum ich mich beim Schreiben des zweiten Buches mit diesen Charakteren dazu entschied, Deanos Bruder zum Helden zu machen. Er sollte einige der gleichen Eigenschaften haben.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Auf jeden Fall Phil Donatis Beerdigung. Ich schrieb die Szene an einem Tag, als die nationalen Nachrichten ziemlich deprimierend waren und ich daher etwas niedergeschlagen war. Phils letzte Nachricht an seine Kinder schrieb ich in Tränen aufgelöst.

Welcher Art von Leserschaft wird Ihr Buch Ihrer Ansicht nach gefallen?
Ich denke, Menschen, die meinen Sinn für Humor teilen und schnelle Szenen mögen, die von geistreichen Dialogen sowie schillernden Charakteren und Herzen getragen werden. Und die sich nicht an etwas heißeren Szenen und unanständigen Wörtern stoßen ...

Gibt es andere Bücher, die Sie mit Ihrer Arbeit vergleichen würden?
Besonders gern lese ich Bücher von Jill Mansell und Milly Johnson, die mir meiner Meinung nach insofern ähneln, als ihre Bücher sehr charakterorientiert und von humorvollen Dialogen geprägt sind.

Ein Gruß an Ihre LeserInnen:
Ich bin sehr aufgeregt und stolz, dass Ein Fahrrad für Zwei ins Deutsche übersetzt wird – das erste meiner Bücher, das in einer fremdsprachigen Ausgabe erscheint. Ich hoffe, dass es in die Hände vieler neuer Leser gelangt und sie sich genauso in die Charaktere und die kleine Yorkshire-Gemeinde verlieben wie ich. Danke fürs Lesen!

Ein Fahrrad für zwei

ca. € 9,99 [D] inkl. MwSt. | ca. € 10,30 [A] | ca. CHF 14,50* (* empf. VK-Preis)
Bestellen Sie mit einem Klick:
Weiter im Katalog: Zur Buchinfo
Weitere Ausgaben: eBook (epub)

GENRE