Special zu Maximilian Dorner »Mein Schutzengel ist ein Anfänger«

Interview mit Maximilian Dorner

Mein Schutzengel ist ein Anfänger“ ist eine Geschichte „vom Trösten und Getröstetwerden“. Trösten ist häufig viel schwerer, als man meinen möchte. Denn wie kann man einem Schwerkranken Trost spenden? Wie kann man Rat geben, ohne zu belehren?

Man muss die Angst, etwas falsch zu machen, bekämpfen. Die meisten Tröster denken oft „entweder – oder“: Entweder vollständiger Trost oder Schweigen. Aber gerade ein Schwerkranker weiß, dass es nichts Vollkommenes gibt. Das gilt auch für den Trost. Denn den meisten Trost bezieht der Getröstete allein schon daraus, dass der Tröster es immerhin versucht hat. Da macht es dann nicht so viel, wenn ein Satz daneben geht. Keine Scham also beim Trösten – Man muss sich das selbst immer wieder vorsagen.

Und ist es nicht genauso schwer, Trost anzunehmen? Getröstet zu werden?

Getröstet werden fällt genauso schwer, wie Hilfe anzunehmen. Auch das muss man lernen. Es setzt voraus, dass man sich öffnet. Und es setzt voraus, dass man das eigene Leid zulässt, es anschaut. Das ist der erste Schritt. Sich selbst mit offenen Augen anzusehen. Dabei sieht man selbst eigentlich gerne weg und wird durch die Tröster erst darauf gestoßen. Deshalb reagieren viele so unwillig auf Trost.

Max begleitet sein Schutzengel durch alle Lebenslagen. Glauben Sie an Schutzengel?

Hätte man mich vor dem Schreiben dieses Buches danach gefragt, hätte ich wahrscheinlich laut und vernehmlich „Nein“ gesagt. Jetzt aber kann ich mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Ob er „nur“ eine Figur ist oder „in Wirklichkeit“ existiert, interessiert mich eigentlich nicht mehr, denn ich spüre seine Anwesenheit.

Sie nennen Max‘ Schutzengel einen Anfänger – aber wie sähe eigentlich ein Leben mit einem Profi-Schutzengel aus?

Mein Schutzengel ist ein Anfänger zu Beginn des Buches, aber kein Amateur. Er hat eine gute Ausbildung bekommen, ist voller Elan und möchte seine Sache möglichst gut machen. Und ist zunächst ein wenig enttäuscht, nur einen Schriftsteller zu bekommen und keinen spektakulären Fall. Aber nach und nach erkennt er die Schwierigkeiten mit mir und wächst daran ...

Nicht nur Max geht es schlecht im Buch. Was ist eigentlich so schwer am Glücklichsein?

Das Glücklichsein ist deswegen so schwer geworden, weil es einem wie eine Wurst immer vor der Nase baumelt. Es gibt viel zu viele Glücksversprechen, jeden Monat kann man sich an einem Kiosk wieder neue kaufen, oder die ganze Flut von Ratgebern. Dabei geht es ja letztlich doch immer darum, in sich hinein zu hören. Ich habe mich – um nicht gleich mit dem ganz Großen zu beginnen – in dem Buch deshalb zunächst danach gefragt, was mein Leid lindert, was mich tröstet ... Das scheint mir ein guter Einstieg in die Suche nach Glück zu sein, ein menschlicher, machbarer.