Hoffmann: Mehr als nur eine Katze. Ein Trost- und Erinnerungsalbum

Kristin Hoffmann: Mehr als nur eine Katze

Von der Wildkatze zum geliebten Stubentiger

Bereits vor Tausenden von Jahren hat die Wildkatze unsere Erde besiedelt und im Laufe einer langen Evolution ist aus ihr geworden, was sie heute ist: das beliebteste Haustier der Deutschen. Mehr als 13 Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten, aber in ihrem Wesen steckt immer noch etwas von einer Wildkatze. Die Freundschaft zwischen Mensch und Katze ist um einiges älter, als man lange angenommen hat; sie entstand nicht erst im alten Ägypten.
In der Jungsteinzeit vor über 9.500 Jahren hat die Katze die Vorteile der Nähe des Menschen für sich entdeckt. Durch die Getreidespeicher angelockt, übernahm sie die Rolle des Mäusejägers und Schädlingsvertilgers. Kein anderes Haustier beherrschte die Technik des Lauerns, des schnellen Zugriffs und des Tötens so perfekt wie die Katze. Sie hat im Verhältnis zu ihrem Körper die größten Augen aller Raubtiere, verfügt außerdem über mehr als 20 Muskeln im Ohr, sodass sie sogar kleinste Geräuschquellen wahrnimmt und auch im Dunkeln ein perfekter Jäger ist. Außerdem kann sie sechsmal besser riechen als der Mensch, hat ein grandioses Tastvermögen und ist mit ihren »antennenartigen« Schnurrhaaren in der Lage, Beutetiere über feine Luftwirbel perfekt auszumachen.

Durch Gen-Untersuchungen hat man herausgefunden, dass die Urmutter aller Katzen eine Falbkatze war. Sie folgte dem Menschen von Siedlung zu Siedlung oder auf dem Seeweg überall hin. 2004 entdeckten französische Forscher auf Zypern ein etwa 9.500 Jahre altes Grab, in dem ein Mann und eine Katze mit dem Körper in Richtung Westen ausgerichtet bestattet worden waren. Daraus schloss man, dass Menschen und Katzen schon in grauer Vorzeit eine enge Beziehung pflegten.
Auch im alten Ägypten gelang es den Katzen, Plagen von lästigen Nagern einzudämmen. Die Pharaonen wussten sehr wohl, dass sie ihren Wohlstand nicht ohne die Unterstützung der kleinen Raubtiere erreicht hätten. Ohne die Hilfe der Katzen wäre Ägypten wahrscheinlich nie die Kornkammer Nordafrikas geworden. Deshalb wurden Katzen vergöttert, sogar als heilig angesehen, und erfuhren eine regelrechte kultische Verehrung. Die Ägypter huldigten dem »Wundertier«, und aus dieser Dankbarkeit wurde später Liebe.
Starb eine Katze, legten die Bewohner des Hauses Trauerkleidung an, und wer eine Katze verletzte, wurde mit dem Tod bestraft. Die Katze wurde wie ein König mumifiziert, aber leider oftmals auch der Katzengöttin Bastet geopfert.

Zur damaligen Zeit gab es Händler, die teure Katzenmumien verkauften, wobei die Nachfrage das Angebot wohl weit überstiegen hat, denn Wissenschaftler haben bei späteren Ausgrabungen festgestellt, dass nicht jede Mumie wirklich eine Katze enthielt, sondern oftmals auch Hölzer oder sogar Knochen anderer Tiere.
Unzählige Katzendarstellungen sind ebenfalls aus dieser Zeit erhalten, zum Beispiel wurden im Jahr 2018 bei archäologischen Ausgrabungen in Ägypten dutzende Katzenmumien sowie 100 vergoldete Holzkatzen und eine Bronzestatue der Katzengöttin Bastet gefunden. Die Sarkophage sind rund 5.000 Jahre alt und beweisen erneut die Verehrung für die Samtpfoten.
Um 500 vor Christus gelangten die ersten Katzen dann über Griechenland nach Europa. Wahrscheinlich wurden sie trotz des »Exportverbotes« aus Ägypten – die Pharaonen hatten den Export von Katzen in fremde Länder unter Todesstrafe gestellt – eingeschmuggelt.
400 Jahre später verdrängten sie auch in Italien die bisher für die Schädlingsbekämpfung domestizierten Frettchen im alten Rom, nicht zuletzt, weil sie sich durch ihren Hang zur Reinlichkeit besser als Haustiere eigneten.
Somit entdeckten also auch die Römer ihre Liebe zur Katze. Die Beziehung von Katze und Mensch wurde immer enger und emotionaler, da die Katze spätestens jetzt »zahm« geworden war.
Über Jahrhunderte hielt sich die Freundschaft zwischen Mensch und Katze, bis mit der Christianisierung deren tiefer Fall begann.
Mönche verbreiteten, dass Katzen der Inbegriff heidnischen Irrglaubens seien. Verstärkt wurde dieses negative Image zusätzlich durch die Tatsache, dass Katzen weder Eier, für Menschen genießbare Milch noch Wolle produzieren.
Da Katzen darüberhinaus als Verbündete der Hexen galten, wurde mit der Zeit der Hexen- auch die Katzenverfolgung eingeläutet. Diese regelrechten Hetzjagden wurden von dem damals herrschenden Patriarchat unterstützt, das die oft innige Beziehung zwischen Frauen und Katzen fürchtete und unterbinden wollte.
Im 18. Jahrhundert waren diese Verfolgungen zwar endlich überstanden, doch Misstrauen und Vorurteile wie die Aussage, dass eine schwarze Katze, die von links nach rechts die Straße überquert, Unglück bringt, blieben noch lange bestehen.

Max O’Rell brachte diesen Aberglauben auf den Punkt:

»Ob eine schwarze Katze Unglück bringt oder nicht,
hängt davon ab, ob man ein Mensch ist oder eine Maus.«

Es war ein weiter und beschwerlicher Weg für die Katze, bis sie es dorthin geschafft hatte, wo sie heute sein darf: in unseren Häusern und Gärten, vor allen Dingen aber in unseren Herzen.
Kristin Hoffmann

Mehr als nur eine Katze

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