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Michael Crichton

SPECIAL zu Michael Crichton

Showdown in der Karibik

Buchempfehlung von Carsten Hansen

Michael Crichton war immer schon für eine Überraschung gut. Und anders kann man es auch nicht nennen, wenn wir nun eine historische Piratengeschichte von ihm erzählt bekommen! Mit diesem Genre hatte man den Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmproduzent, der mit der Fernsehserie „Emergency Room“ und dem von Steven Spielberg verfilmten Bestseller „Jurassic Park“ Weltruhm erlangte, bislang nicht in Verbindung gebracht. Doch in „Gold – Pirate Latitudes“ beweist Crichton eindrucksvoll, dass die Welt der Piraten ein geradezu ideales Terrain für ihn ist. In diesem posthum veröffentlichten Roman stellt er sein ganzes erzählerisches Talent unter Beweis.

Port Royal – Stadt der Halsabschneider
Im Mittelpunkt des Karibik-Abenteuers steht Kapitän Charles Hunter. 1665 ist Jamaika die einzige britische Kolonie in einem von der spanischen Krone beherrschten Gebiet. Die Sitten, die in Port Royal herrschen, haben mit denen der feinen Gesellschaft in London wenig zu tun. In den schlammigen Straßen reihen sich Tavernen, Schnapsläden, Spielhöllen und Freudenhäuser aneinander, es riecht nach Abfall und Pferdemist, und die Bewohner sind stets darauf aus, ein gutes Geschäft zu machen. Wenn sie dafür ihrem Nebenmann die Gurgel durchschneiden müssen, stört sie das auch nicht weiter.

Ein ungeheurer Plan
Das gilt auch für den Kapitän Hunter, dieser verwegenen Freibeuter, dessen Name Schrecken und Faszination auslöst. Wo immer er ein spanisches Schiff versenken kann, tut er das mit Hingabe – und das nicht ohne Grund: Gold ist seine Motivation, und die spanischen Flottenverbände, die gut gefüllt mit den Schätzen der Kolonien den Weg nach Hause antreten, versprechen eine lohnende Beute. Diesmal allerdings wagt er einen Raubzug, der unmöglich gelingen kann: Mit Billigung, ja sogar im Auftrag des Gouverneurs seiner Majestät Charles II. heckt er den ungeheuren Plan aus, eine spanische Galeone – randvoll mit Gold beladen – inmitten eines scheinbar uneinnehmbaren Hafens zu kapern.

Die Schrecken der Meere
Was nun folgt, ist eine atemlos erzählte Geschichte, die der Leser nicht mehr aus der Hand legen möchte. Über 350 Seiten jagt ein Abenteuer das nächste: Hunter und seine Crew gelangen trotz heftiger Gegenwehr in die Hände ihres spanischen Gegenspielers Cazalla, dem ebenfalls der Ruf vorauseilt, der „Schrecken der Meere“ zu sein. Wie es ihnen gelingt, aus dieser ausweglosen Situation zu entkommen und Cazalla ihrerseits anzugreifen, wird hier in einem einzigen Spannungsbogen erzählt.
Crichton lässt seine Piraten geradezu lustvoll von einem Desaster ins nächste segeln. Denn nicht nur die Spanier wollen den Freibeutern an die Gurgel, auch das Meer ist heimtückisch: Riesenkraken und Stürme lassen die Männer nicht aus ihren Klauen. Und dann lauert auch noch Verrat in der eigenen Mannschaft …

Verfilmung in Vorbereitung
In Spannung und Dramaturgie steht „Gold – Pirate Latitudes“ „Jurassic Park“ in nichts nach. Auch dort jagte ein Höhepunkt den nächsten, und Crichton bietet diesmal alles auf, was das goldene Zeitalter der Piraterie hergibt. Er erzählt nicht nur spannend, sondern lässt quasi nebenbei ein Stück Historie lebendig werden: Welche Gefechte haben sich Spanier und Engländer gegen Ende des 17. Jahrhunderts in der Karibik geliefert? Was ist der Unterschied zwischen Piraten und Freibeutern? Wie segelt sich eine Schaluppe, und welche Geschütze hat sie an Bord? Crichton lässt eine ganze Epoche wiederauferstehen. Kein Wunder also, dass auch dieses Buch bereits verfilmt wird – natürlich von Steven Spielberg.

Carsten Hansen
Literaturtest
Berlin, November 2009