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Michael Robotham

Michael Robotham, Autor der Thriller mit Joe O'Loughlin und Vincent Ruiz - Goldmann

Der Insider

Ein beklemmend aktueller Polit-Thriller vom Meister der psychologischen Spannung


(c) Stefan Erhard / Literaturtest

DER INSIDER von Michael Robotham ist ein intelligenter und atemberaubend spannender Polit-Thriller. Die große Stärke von Michael Robotham liegt in der differenzierten Beschreibung der Charaktere und dem raffinierten Plot. Der brillante, lebendige Stil zieht den Leser unmittelbar in das Geschehen hinein.

Ein Fall für Vincent Ruiz

In London verschwindet ein angesehener Banker spurlos. Elisabeth North, seine hochschwangere Frau, wird zunächst von der Polizei nicht ernst genommen, als sie erklärt, dass sie und ihr Mann eine vorbildliche Ehe geführt hätten. Ihr Vater ist Gründer einer international agierenden Privatbank und ihr Bruder jetzt dort Vorsitzender. Elisabeth setzt alles daran, ihren Mann zu finden.

Ebenfalls in London wird Vincent Ruiz, ein pensionierter Polizist, von der jugendlichen Trickbetrügerin Holly ausgeraubt. Er spürt ihre Adresse auf und findet in der Wohnung ihren bestialisch ermordeten Freund. Holly ist dem Mörder gerade so entkommen. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen Drogenmord handelt, doch Ruiz hat einen anderen Verdacht. Er versucht der misstrauischen und verängstigten Holly seinen Schutz anzubieten und gerät in das Fadenkreuz der US-Terrorbekämpfung und der Hintermänner terroristischer Anschläge.

Fragwürdige Bankgeschäfte und der internationale Terrorismus

Michael Robotham
© Stefan Erhard/Literaturtest

Der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete amerikanische Journalist Luca Terracini berichtet seit dem Einmarsch der Amerikaner und dem Sturz Saddam Husseins aus Bagdad. Bei einer Reihe spektakulärer und äußerst brutaler Banküberfälle werden im Irak jeweils hunderte von Millionen US-Dollar gestohlen. Luca vermutet Insiderjobs, doch bei seiner Recherche nach den möglichen Drahtziehern stellt er zu viele Fragen. Ihm wird das Visum entzogen, und er wird ausgewiesen. Seine Freundin Daniela, die als Buchprüferin aus den USA geschickt wurde, um eine Inventur der unübersichtlichen Staatsfinanzen im Irak durchzuführen, stößt bei ihrer Prüfung auf verschwundene Hilfsgelder in Milliardenhöhe. Nach einem Terroranschlag auf ihr Büro soll sie das Land ebenfalls verlassen. Luca beschließt, der Spur des geraubten und verschwundenen Geldes zu folgen. Die führt nach London, wo die Fäden zusammenlaufen.

Michael Robothams gut recherchierter Roman stellt unbequeme Fragen: Wie weit darf die staatliche Gewalt gehen, um eine Demokratie zu schützen, die aufgrund eben dieser Schutzmaßnahmen längst keine mehr ist, da die Bürgerrechte empfindlich beschnitten werden? Woher kommen die immensen Geldsummen für die Finanzierung des globalen Terrorismus – und sorgt das westliche System der Terrorbekämpfung nicht selbst dafür, dass es immer neue „Rekruten“ für den internationalen Terrorismus gibt?



Todeswunsch

Du glaubst, du kennst mich. Tust du nicht. Ich blute für dich.
Michael Robotham über seinen Thriller "Todeswunsch":

Die Story von "Todeswunsch":

Der Psychologe Joe O'Loughlin ist sich nicht sicher, ob er sich ausgerechnet Sienna Hegarty als beste Freundin für seine Tochter Charlie wünscht. Denn die frühreife Sienna ist nicht immer ein guter Umgang. Doch als sie eines Abends blutüberströmt bei den O'Loughlins auftaucht, nimmt Joe sich ihrer an. Denn im Haus der Hegartys ist etwas Schreckliches passiert: Siennas Vater liegt tot in ihrem Zimmer – jemand hat ihm die Halsschlagader durchtrennt. Sienna kann sich an nichts erinnern. Auf ihrer Kleidung klebt das Blut des Toten, und das Mädchen hat außerdem ein starkes Motiv für die Tat, wie Joe mit Hilfe seines Freundes, dem Ex-Polizisten Vincent Ruiz, herausfindet. Sienna wird des Mordes an ihrem Vater angeklagt, aber Joe ist von ihrer Unschuld überzeugt. Und er soll eine Wahrheit zu Tage fördern, die schwerer wiegt als alles, was er für möglich gehalten hätte …

Dein Wille geschehe

Rezension von Bianca Reineke

Michael Robothams phänomenaler Roman „Dein Wille geschehe“
Zart und schmeichelnd, aufbauend und liebevoll, so können dahin gehauchte Worte sein. Sätze voller Liebe und Hingabe, Stolz und Vertrauen haben die Macht, uns zu bestärken, richten uns auf und versichern uns, du bist geliebt, du bist geschätzt und du wirst gebraucht.
Wer einmal in den Fluss der Wörter aus Zuneigung eingetaucht ist, der weiß, wie belebend und wichtig guter Zuspruch sein kann.
Doch die Macht der Worte kann auch vernichtend sein. Messerscharf und schmerzhaft schneiden kalte und harte Reden uns ins Herz, lassen unsere Seele erstarren und lähmen die Freude am Leben. Langsam aber stetig tropft das hämische Gift in unsere Ohren und unseren Verstand und tötet unser Gemüt.

Die Macht der Worte
Der Australier Michael Robotham, Jahrgang 1960, der mit seinen Romanen „Adrenalin“ und „Amnesie“ bereits Furore gemacht und seine stetig wachsende Fangemeinde um Schlaf, Nerven und Fingernägel gebracht hat, serviert mit seinem neuesten Meisterwerk „Dein Wille geschehe“ eine alles übertreffende Vorstellung der Manipulation durch Worte.
Die Macht, Menschenseelen zu brechen, indem nur geredet und nicht gehandelt wird, ist stärker als jede Art der körperlichen Folter und ungeheuer perfide, weil der Täter keine sichtbaren Spuren hinterlässt.
Eine phantastische Grundlage für einen hoch spannenden Roman, der seinem Leser keine ruhige Minute gönnt und für durchwachte Nächte sorgen wird.

„Dein Wille geschehe“, eine Zeile eigentlich voller Glaube, Hingabe und Liebe aus dem Vaterunser, die den Beter näher an Gott bringen soll, verrät schon im Titel, was Robotham uns zumuten wird: hilflos, wehrlos, gebrochen und vernichtet sind die Menschen, die nur noch diesen einen Satz zu ihrem Peiniger murmeln können, bevor sie in den Tod gehen.

Joe O'Loughlin ist zurück
Robothams melancholischer und sympathischer Held aus seinen bereits erschienenen Romanen, der Psychiater Joe O'Loughlin, wird zu Beginn der Buches aus seiner beschaulichen Existenz heraus gerissen und gerät in die Hände eines eiskalten und intelligenten Mörders, der sich perfekt auf grausame Verführung versteht und Menschen in den Tod treibt.

Joe, der seit einigen Jahren unter Parkinson leidet und sich mit seiner Familie aus dem hektischen London auf das Land im ruhigeren Somerset zurückgezogen hat, kämpft mühsam gegen den körperlichen Verfall an und kann nur schwer verkraften, dass sein Leben sich entschleunigt. Ehefrau Julianne macht derweil Karriere und jettet durch Europa, während der von Eifersucht geplagte Joe Teilzeit arbeitet, und desinteressierten Studenten im idyllischen Bath die komplexen Vorgänge der menschlichen Psyche näher bringen will.
So fristet Joe ein geruhsames Leben als Hausmann und Vater seiner beiden geliebten Töchter und muss sich langsam eingestehen, dass ihn dieses Leben anödet, und er gegenüber seiner geliebten Frau immer misstrauischer wird.
Als sich die Polizei von Bristol Hilfe suchend an einen Kollegen der Universität wendet, der keine Zeit hat, und stattdessen Joe in den Streifenwagen setzt, beginnt ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel zwischen zwei ebenbürtigen Persönlichkeiten, die zahlreiche Opfer am Schlachtfeld zurücklassen.

Per Handy in den Tod gesteuert
Vor den entsetzten Augen der Öffentlichkeit und trotz Joes geschultem Zuspruch, springt eine nackte Frau mit einem Handy am Ohr von der Clifton Suspension Bridge, einem architektonischen Meisterwerk der Hafenstadt und beliebtem Suizidort. Joe bleibt erschüttert zurück, und klammert sich hartnäckig an die These, dass die Frau zum Sprung gezwungen wurde. Was zunächst wie der verzweifelte Versuch eines Mannes aussieht, der seine Gesundheit und berufliche Existenz zu verlieren droht, entpuppt sich bei näherer Untersuchung als Tatsache. Schon bald bekommt Joe Unterstützung von der burschikosen und rauen Polizeiermittlerin Veronica Cray. Auch seinen guten Freund Vincent Ruiz, einen pensionierten Kriminalbeamten aus London, spannt Joe in die fieberhafte Suche nach dem Seelenflüsterer ein, der der Frau den Sprung von der Brücke über das Handy befohlen hat.
Als die Geschäftspartnerin des ersten Opfers ebenfalls tot aufgefunden wird, auch in ihrer Hand ein Handy, wird klar, dass der perfide Täter noch lange nicht fertig ist. Eine atemlose Jagd beginnt.

Worte als Werkzeuge der Folter
Joe vernachlässigt seine Familie und stürzt sich mit Leib und Seele in die Ermittlungen, versucht er doch sein Versagen bei der Rettung des ersten Opfers wieder gut zu machen. Doch dadurch verliert er den Kontakt zu seiner Frau – bekommt die Konsequenzen seines Handelns schließlich schmerzhaft zu spüren.
Schnell kristallisiert sich ein Täterprofil heraus, da die Fähigkeit, Menschen derart unter Druck zu setzen, dass sie ohne körperliche Gewalt Dinge tun, zu denen sie normalerweise gar nicht fähig sind, auf das Militär und den verbotenen Einsatz von Folter hinzuweisen scheint.
Im Umfeld der beiden Frauen offenbart sich den Ermittlern schon bald eine menschliche Tragödie von ungeheuren Ausmaßen, die eine ohnehin schon labile Seele zum eiskalten Mordwerkzeug gemacht hat. Der Mann, der die Frauen und Joes psychische Unversehrtheit auf dem Gewissen hat, hat alle Skrupel, jegliche Hemmungen und menschliches Mitgefühl auf immer verloren und die perverse Kunst der bestialischen Folter durch Worte und Werkzeuge perfektioniert.

Ein Anruf genügt und der Tod kommt näher
Der Leser wird Zeuge der grausamen Dialoge, die der Täter mit seinen Opfern führt, und erschreckt voller Horror und Todesangst vor der Macht des gesprochenen Wortes. Wie schnell eine menschliche Seele für immer zerbricht, wird hier so gekonnt vorgeführt, dass eisige Schauer den Rücken herunter laufen und der Blick zum Telefon zum schieren Entsetzen wird.
Als Joe den Beweis für die Untreue seiner Frau in den Händen zu halten glaubt, ein schwer gestörter Ex-Soldat ins Visier der Ermittler gerät und eine gute Freundin der beiden Ermordeten ins Spiel kommt, überschlagen sich die Ereignisse und die tödliche Spirale dreht sich immer schneller.
Plötzlich steht Joe selbst im Mittelpunkt und muss sich voller Angst und Panik fragen, wie stark und fest seine eigene geschulte Seele ist. Denn jemand aus seiner nahen Umgebung gerät in die Fänge des Killers …

Blick in gebrochene Seelen
Michael Robotham hat mit „Dein Wille geschehe“ ein Buch vorgelegt, das zu Recht bereits auf die Shortlist zahlreicher Preise gekommen ist.
Im weiten Feld der Spannungsliteratur leuchtet dieser Roman wie ein Leuchtturm in dunkler Nacht. Der tiefe Einblick in die Seelen der Protagonisten ist gekonnt gezeichnet. Voller Schrecken taucht der Leser immer weiter in das gestörte Leben des Täters ein, und muss bitter erfahren, wie simpel und nachvollziehbar das Vernichten des eigenen Ichs ist. Wie unendlich wenig Wissen ist nötig, um uns zu verunsichern und wie schnell sind wir bereit, alles zu geben, andere zu verletzen und gar uns selbst zu zerstören, wenn es um das Liebste geht, was wir im Leben haben!

Erschreckend ist auch die Parallele im Leben von Täter und Jäger: Genau wie die Seele des Mörders schon lange gebrochen ist, wurde auch Joe O´Louglins Leben im Moment seiner Diagnose zerschmettert.
Verraten und im Stich gelassen von den einfachsten Körperfunktionen und zutiefst verunsichert durch die Einschränkung seines Daseins, ist auch die Existenz des Psychologen zerrüttet.
Nichts gibt mehr Halt; und wenn auf den Körper kein Verlass mehr ist, so schlussfolgert Joe, ist auch auf den Verstand nicht mehr zu bauen. So lässt er sich langsam, aber sicher, immer tiefer in die kaputte Seele des Mörders ziehen, und steht schließlich vor dem drohenden Nichts …

Wie weit wirst du gehen?
In einem unglaublich rasanten Showdown präsentiert Robotham die Lösung des Knotens aus Hass, Liebe, Verletzung und Wahnsinn – und lässt doch viele Fragen offen.

Am Ende steht die bittere Erkenntnis, dass keiner von uns weiß, wie weit er oder sie gehen würde, um das zu schützen, was uns am Herzen liegt. Wenn Worte die Seele brechen, dann ist der Weg in die Gewalt erschreckend kurz und naheliegend.

Ein Buch wie ein Donnerschlag in dunkler Nacht, man erzittert und wartet angstvoll auf den Blitz und den Fortgang des Gewitters. Das Ende wird kommen, doch wann, das bleibt offen…

Bianca Reineke
Cuxhaven, März 2009

Adrinalin

Rezension von Bianca Reineke

Rezension von Bianca Reineke

Wenn das Blut in den Ohren rauscht, die Nerven zum Zerreißen gespannt sind und jede einzelne Pore des Körpers auf Habachtstellung ist, dann wird das Hormon Adrenalin durch die Adern gepumpt und man wächst über sich hinaus. Dann vollbringen ganz normale Menschen plötzlich ganz außergewöhnliche Dinge. Unter enormem Stress und akuter Belastung werden uns überraschenderweise Fähigkeiten geschenkt, von denen wir zuvor nicht einmal zu träumen gewagt hätten.

In Michael Robothams Aufsehen erregendem Debütroman "Adrenalin" ist es der erfolgreiche Mittvierziger Joe O´Loughlin, der aus seinem normalen und beinahe langweiligen Leben als Psychotherapeut und glücklicher Familienvater herausgerissen und zum unschuldig gehetzten Mordverdächtigen wird, bis er unter Hochdruck die Opferrolle aufgibt, an Stärke gewinnt und schließlich selber zum Jäger wird.

Der australische Journalist Michael Robotham hat sich seine schriftstellerischen Sporen bisher als Ghostwriter beim Verfassen von Biographien verdient. Das ehemalige Spice Girl Gery Halliwell und die 70er Jahre Popkönigin Lulu gehören zu denjenigen Promis, die ihr Leben dank Robotham erfolgreich zwischen zwei Buchdeckeln vermarktet haben. Doch Robotham, der mit Frau und drei Töchtern in Sydney lebt, wollte schon seit seinem 12. Lebensjahr Romane schreiben und hat schließlich nach langer Recherche mit "Adrenalin" einen phantastischen Start hingelegt.

Der Thriller um den Psychotherapeuten Joe O´Loughlin eroberte auf Anhieb die Bestsellerlisten und wird von Kritikern und Lesern gleichermaßen gelobt. Robotham arbeitet derweil an seinem zweiten Buch und hat dem Ghostwriter-Dasein abgeschworen. Und in der Tat: Dieser Mann ist ein Krimiautor der Spitzenklasse. Bei der Lektüre von "Adrenalin" kann man kaum glauben, dass es sich bei diesem ausgefeilten Meisterwerk um einen Erstlingsroman handelt.

Normalität und Idylle
Dabei fängt alles ganz harmlos an. Joe, der 42jährige Arzt und Psychotherapeut lebt ein beschauliches und harmonisches Leben in London. Seine elegante und erfolgreiche Praxis in der Nähe des Regent´s Park läuft gut, er engagiert sich im sozialen Bereich und lebt mit Frau und Tochter glücklich in einem großen Haus nicht weit vom schicken Primrose Hill entfernt. Julianne, seine schöne und kluge Ehefrau, liebt ihn auch nach mehr als zehn Ehejahren, und Joe ist ihr treu ergeben, konnte er es doch von Anfang an nicht fassen, dass die atemberaubende Julianne Gefallen an ihm, dem zerstreuten und zerzausten Gelehrten fand. Tochter Charlie ist aufgeweckt und liebevoll, Joes Leben also fast perfekt.

Doch nach Auflistung der schönen Seiten des Helden, der im ersten Kapitel ganz heroisch einen krebskranken Teenager vor dem Suizid rettet, beleuchtet Robotham die Schattenseiten der vermeintlichen Familienidylle. Joe und Julianne versuchen seit Jahren erfolglos, ein zweites Kind zu bekommen. Nach einer traumatischen Fehlgeburt besteht Julianne auf Sex nach Stundenplan, damit die ersehnte Familienergänzung auch Wirklichkeit wird. Joe, der mit einem Kind mehr als zufrieden ist, fügt sich nur unwillig in diese Art der Liebe nach Uhrzeit und unterdrückt seinen Frust.

Eine glückliche Familie
Doch die Risse in der Fassade der vermeintlich glücklichen Familie sind viel größer, als es den Anschein hat, und der Autor folgt genüsslich den feinen Verästelungen, die sich wie ein Spinnennetz über die vorgegaukelte Idylle legen.

Joes bester Freund und sein totales Gegenstück, der Hirnchirurg Dr. Jock Owens, hat ihm erst kürzlich eine erschütternde Diagnose unterbreitet, die Joes Leben und das seiner Familie entscheidend verändern wird. Joe hat Parkinson und die Schübe der Krankheit, die ihn heimsucht, werden immer stärker und lassen sich bald nicht mehr verheimlichen. Die körperlichen Symptome wie unkontrollierbares Zittern der Gliedmaßen, plötzliches Erstarren der Gesichtszüge zu einer verzerrten Maske der Unbeweglichkeit, werden ergänzt durch Joes lähmende Unsicherheit und panische Angst, vor der Krankheit. Jock, ein Muskelmann und Womanizer, zweimal geschieden und unglücklich in Julianne verliebt, hat seinem Freund offen und fast schon rücksichtslos ehrlich die Diagnose gestellt und ihm als Arzt und Ebenbürtiger die nackten Fakten auf den Tisch gelegt. Leben mit Parkinson kann lange und erfüllt sein, aber auch voller Veränderungen, Schmerzen und Einschränkungen. Die Medizin kann den Verfall nur verlangsamen, aber nicht aufhalten.

Der ruhige und besonnene Joe wird durch diese Diagnose völlig aus der Bahn geworfen. Beim Verlassen von Jocks Praxis sucht und findet er Trost, allerdings nicht bei seiner Frau. Joe betrügt in dieser Nacht Julianne und auch sich selbst. Danach wird nichts mehr so sein, wie es war.

Immer akribischer beleuchtet Robotham jetzt das Leben seines Helden und enthüllt noch weitere Schwachstellen in dessen familiärer Vergangenheit. Joe, einziger Sohn eines dominanten Übervaters, den er nur spöttisch "Gottes Leibarzt im Wartestand" nennt, hat sich noch nie akzeptiert und anerkannt gefühlt. O´Loughlin Senior ist ein renommierter und wissenschaftlich hoch angesehener Mediziner, der nur verächtlich lächelnd auf die schwache Karriere seines Sohnes als Psychotherapeut herunterblickt. Doch es ist ebenfalls die Familie, die Joe überhaupt zur Psychologie getrieben hat. Die von allen verstoßene Tante Gracie litt unter Agoraphobie, drohte zu vereinsamen und starb elend. Nur Joe kümmerte sich liebevoll um sie und beschloss schon als Kind, einen Beruf zu ergreifen, in dem Menschen wie Gracie geholfen werden kann.

Joes Welt ist zerbrechlich, daran lässt der Autor schnell keinen Zweifel mehr. Die vermeintlich perfekte und heile Welt zerspringt in Stücke, zersplittert in winzige Einzelteile, die Joe verzweifelt zu fassen versucht, doch er bekommt nur raue und rissige Kanten zu fassen, rasiermesserscharfe Bruchstücke seines alten Lebens, die ihm ins Herz schneiden und unendlich verletzen.

Eine unbekannte Leiche
Der harmlose Alltag wird rasch zu einer tödlichen Achterbahnfahrt, zu einem wirbelnden Strudel aus Angst, Tod und Panik, der Joe und alle die ihm nahe stehen in ein schwarzes Nichts zu ziehen droht. Dreh- und Angelpunkt der Thrillerhandlung ist ein Patient, ein mysteriöser junger Mann, der mit Joes Hilfe seine schlimmen Träume und beängstigenden Phantasien in den Griff bekommen will. Bobby Moran ist Anfang 20, grobschlächtig und ungebildet. Sein Privatleben ist auch nach vielen Sitzungen immer noch undurchsichtig, und in seiner Vergangenheit scheint ein dunkles Geheimnis zu liegen, dem Joe aber nicht auf die Spur kommen kann. Bobby Moran, der von Jock an Joe überwiesen wurde, schildert seinem Therapeuten brutale und erschreckend detaillierte Gewaltphantasien und gesteht, erst kürzlich eine Frau attackiert zu haben. Welche Hilfe er sich von Joe erhofft, bleibt unklar, und es gelingt dem Psychologen nie ganz, zu seinem Patienten durchzudringen. Als Joe durch Zufall in eine Mordermittlung hineingezogen wird, gewinnt Bobbies Patientenakte an Bedeutung, doch sowohl Joe als auch der Leser begreifen schnell, dass hier rein gar nichts einfach nur zufällig passiert. Alles, was geschieht, ist Teil eines perfekten und tödlichen Plans.

Joe, der durch seine jahrelange Berufserfahrung im sozialen Bereich mit der ehemaligen Prostituierten Elisa befreundet ist und gemeinsam mit ihr ehrenamtlich für die Sicherheit von Prostituierten in London arbeitet, begegnet bei einem dieser Treffen Detective Vincent Ruiz, einem alternden desillusionierten und aufsässigen Polizisten. Dieser muss den Mord an einer nicht identifizierten Leiche klären und bittet bei den Damen vom horizontalen Gewerbe um Hilfe. Doch es ist Joe, der nach Betrachtung der Leiche ein Profil ihrer Lebensgeschichte erstellen kann, und so zu der Identifizierung der grausam verstümmelten Frau beiträgt. Doch erst als Joe den Namen der Toten erfährt, realisiert er entsetzt, dass er die Ermordete gekannt hat. Und mehr als das: Joe und die Tote haben eine gemeinsame Vergangenheit. Doch der geschockte Joe verschweigt Detective Ruiz diese Verbindung, weil er sie fälschlicherweise nicht für wichtig hält und beginnt damit seine hoffnungslose Verstrickung in die Mordermittlung.

Die Tote ist die Krankenschwester Catherine McBride, Joes ehemalige Kollegin und außerdem eine seiner Ex-Patientinnen. Sie war psychisch krank und neigte zur Selbstverstümmelung. Joe konnte ihr helfen, wenn auch auf unorthodoxe Art und ohne Rücksicht auf seine ethische Verpflichtung. Catherines Zustand verbesserte sich rasch, und ihre Dankbarkeit gegenüber Joe schlug in falsch verstandene Verliebtheit um. Als er ihre Annäherungen abwies, zeigte sie ihn wegen sexueller Belästigung an. Obwohl diese Beschuldigung sehr rasch wieder zurückgezogen wurde, hinterließ sie einen schwarzen Fleck auf Joes weißer Weste.

Als Ruiz diese Verbindung aufdeckt, wird er verständlicherweise misstrauisch und beginnt, Joe zu verdächtigen. Joe, der nichts davon ahnt, entdeckt derweil, dass Bobby Morans explizite und grausame Gewaltphantasien den tödlichen Verwundungen Catherines erschreckend ähneln, und ihn beschleicht ein ungeheurer Verdacht. In den folgenden Sitzungen wird Bobby immer unberechenbarer, seine Monologe ufern zu hasserfüllten Tiraden aus, und Joe sieht sich in seinen Vermutungen, dass Bobby der Mörder ist, bestätigt. Doch der Psychologe hat nicht die geringste Ahnung von dem grausamen Spiel, zu dessen unfreiwilligem Hauptakteur er geworden ist. Als er Detective Ruiz seinen Verdacht unterbreiten will, gerät er immer mehr in das Visier der Polizei. Joe muss erkennen, dass er mehr als nur verdächtigt wird: Er wird bereits als Schuldiger gesucht. Joe ist ein Gejagter geworden, und es ist nicht nur die Polizei, die seinen Kopf will. Wer immer Catherines Mörder ist, er hat sein perfides Spiel perfekt geplant, ein tödliches Netz um Joe gesponnen und beginnt nun damit, die Fäden festzuziehen.

Der Plan, den Verdacht allein auf Joe zu lenken, scheint aufzugehen, denn dieser hat keine Chance, ein Alibi für die vermutete Mordnacht aus der Tasche zu zaubern. Joes Alibi würde nämlich seine Frau zutiefst verletzen und seine Ehe zerstören. Und selbst als er dies riskiert und seine Ehe aufs Spiel setzt, reißt es ihn nur immer tiefer in den Abgrund.

Die Wende
Mit dem Rücken an der Wand, ohne die Unterstützung und Liebe seiner Frau, ganz unten und geschwächt durch schwere Schübe der Parkinsonschen Krankheit, bäumt Joe sich auf und beginnt, sich zu wehren. Als Ruiz ihn verhaften lassen will, entschließt sich Joe, zu fliehen, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Täter zu finden.

Als er dabei Hilfe bei alten Freunden sucht, muss er entsetzt feststellen, dass ihn dort nur Tod und Verrat erwarten, denn Bobby Morans Vergangenheit ist eng mit Joes eigener Geschichte verknüpft: Es sind Joes frühere berufliche Entscheidungen, die er gemeinsam mit Kollegen getroffen hat, die das Leben des jungen Bobbys entscheidend verändert haben und ihn zu einem hasserfüllten Erwachsenen werden ließen. Als Joe die Zusammenhänge durchschaut, ist es beinahe zu spät, und es beginnt ein erbarmungsloses Rennen gegen die Zeit und gegen Bobbys tödlichen und durchdachten Plan, Joes Leben zu ruinieren. Und nicht nur Joe ist in Gefahr, denn Bobby betreibt seinen Rachefeldzug nicht allein.

Joe hetzt durch ganz Großbritannien, atemlos und einsam, verzweifelt bemüht, seine Unschuld zu beweisen und in den Geschehnissen der Vergangenheit nach Bobbys Schuld zu suchen. Dabei wächst der gesetzte Intellektuelle inmitten des Schreckens und der Angst weit über sich hinaus. Joes Intelligenz, seine psychologischen Kenntnisse und nicht zuletzt die nackte und ungeschönte Todesangst gleichen seine körperliche Schwäche und das Handicap der schweren Krankheit aus. Während seiner aufwühlenden Hetzjagd muss er schmerzhaft erkennen, dass manche Freunde keine sind, aber auch, dass Liebe, Verständnis und hilfreiche Unterstützung gelegentlich von gänzlich unerwarteter Seite kommen. Als Joe schließlich unter Hochdruck, Angst und totaler Einsamkeit einen verzweifelten, aber hochintelligenten Plan entwickelt, der Bobbys tödlichen Feldzug beenden und ihn als wahren Täter offenbaren soll, überschlagen sich die Ereignisse. Doch wer wird schneller sein? Und vor allen Dingen: Wem wird die Polizei eher Glauben schenken?

Ein fulminanter, atemberaubender Showdown mit brutaler Erpressung, Gewalt, Geiselnahme und einer tickenden Bombe scheinen dem nervösen Nägelkauen des Lesers ein erlösendes Ende zu setzen. Doch nicht jedes Ende mit Schrecken ist ein Schlusspunkt, denn: Bobby Moran ist nicht allein...

Ein Psychothriller der Extraklasse
Michael Robotham hat mit "Adrenalin" einen hoch spannenden und außergewöhnlichen Thriller verfasst, der sich durch seine Authentizität und großartigen Dialoge auszeichnet. Die psychologischen Details sind perfekt recherchiert, und das gesamte Buch ist ein psychologisches Meisterwerk. Langsam, Schicht um Schicht entwickelt sich hier eine Geschichte, die von den tragischen Folgen menschlichen Versagens und einer unmenschlichen Bürokratie berichtet, von falsch verstandener Liebe, tiefem Hass und liebloser Vernachlässigung. Daraus entwickeln sich fast zwangsläufig gestörte Persönlichkeiten, deren jahrelang schwelende Hassgefühle schließlich in ebenso intelligente wie brutale Rachepläne münden. Um die vermeintlich Schuldigen zu treffen und zu vernichten, wird auch das Leben von Unschuldigen skrupellos geopfert. Die Täter wissen nur zu gut, dass der Verlust eines geliebten Menschen, der Zusammenbruch vertrauter sozialer Beziehungen, ein Leben ebenso zerstören kann wie eine schleichende, tödliche Krankheit, gegen die es keine Therapie gibt.

Robothams Schilderungen sind plausibel, die beschriebenen Personen phantastisch lebensnah und erschreckend echt. Als Leser entwickelt man schnell die unterschiedlichsten Gefühle für die Protagonisten: Mitleid, Zuneigung, Abscheu. Und doch ist man so manches Mal tief erschüttert, wenn eine plötzliche Wendung der Geschichte einhergeht mit einer unerwarteten Veränderung der Charaktere, die man schon zu kennen glaubte.

Ein dramaturgischer Geniestreich ist die Schwäche des Protagonisten. Die schwere Krankheit, die Joe ertragen muss, macht alles noch eine Spur dramatischer und tragischer. Während der panischen Suche nach Beweisen seiner Unschuld wird der Held auch noch von unkontrollierbaren Parkinson-Schüben behindert und regelrecht gelähmt. Wieviel grausamer kann ein Unschuldiger gejagt werden? Überhaupt hat Robotham mit Joe O´Loughlin, dem normalen und beinahe langweiligen Psychotherapeuten, einen erfrischenden Antihelden geschaffen, der in der Krimiliteratur sicher seinesgleichen sucht. Es ist die Normalität, hinter deren Fassade bereits der Albtraum lauert, die die Einzigartigkeit des Buches ausmacht.

Das Grauen nährt sich aus den Fehlern der Vergangenheit. Es war nur eine Winzigkeit im beruflichen Leben derer, die es gut meinten, und doch die Reichweite ihrer Handlungen nicht erkennen konnten. Nur am Rande streifte damals eine unermessliche Tragödie Joes Alltag und den seiner Kollegen. Und doch erwuchs daraus eine Lawine aus Hass und falschen Schuldzuweisungen, die das Leben vieler Menschen zerstören sollte. Wie genau kennen wir die Fehler unserer Vergangenheit?

Bianca Reineke
Oxford, Februar 2005

Adrenalin Blick ins Buch

Michael Robotham

Adrenalin

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