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SPECIAL zu Mona Vara

Gespräch mit Mona Vara

Vampire, Hexen, Geister ... - Woher kommt Ihre Liebe zum Übersinnlichen?
Mona Vara: Durch meine Kindheit hindurch haben mich fantastische Wesen wie Märchenfeen, Wichtelmännchen, Elfen, das Christkind und der Osterhase begleitet. Für mich war damals die ganze Welt magisch und voll Zauber. Manchmal, leider nur sehr, sehr viel seltener, ist sie das heute noch. Vielleicht kennen Sie das auch? Es gibt so gewisse Stunden, oft nur Minuten, oder Ereignisse, die ihre eigene, wunderbare Magie besitzen.
Später habe ich immer noch gern Geschichten über übersinnliche Geschöpfe gelesen und mir selbst ausgedacht, wobei für mich auch Science Fiction in diese Sparte fällt. Schließlich dringen die Helden dabei in unbekannte Welten - also gewissermaßen Märchenwelten – vor. Mein erster Roman war dann auch eine sehr umfangreiche Science Fiction-Geschichte mit teils paranormalen Geschöpfen.

Welche Figur ist Ihnen während der Arbeit an Ihren Romanen am meisten ans Herz gewachsen und warum?
Mona Vara: Es sind immer diejenigen Figuren, an denen ich gerade schreibe - es ist spannend, sie wachsen zu sehen. Wie meine Charaktere genau werden, kann ich fast nie im vorhinein festlegen, sie entwickeln sich, so wie man einen guten Freund erst nach und nach wirklich kennenlernt. Manchmal fällt es mir nicht leicht, sie loszulassen. So konnte ich mich bei den Hexentöchtern nur sehr schwer von Charlie trennen, die ja noch über das Ende der Erzählung hinaus wachsen muss. Aber ein Roman hört ja nie mit dem mehr oder weniger glücklichen Ende auf. In ihrer Welt leben die Figuren ja noch darüber hinaus weiter.

Woraus schöpfen Sie die Inspiration für Ihre romantischen Settings?
Mona Vara: Sehr oft ist es ein eigenes Erlebnis, das ich weiterspinne, ein Gespräch, ein Gemälde, das die Fantasie anregt, ein Schicksal, von dem man hört, eine schöne Erinnerung. Für Romantik brauche ich eigentlich nicht viel Inspiration, die kommt ganz von selbst. Aber ich schreibe seit jeher auch recht gern andere, eher unromantische Sachen.

Was ist für Sie der schönste Aspekt an Ihrer Arbeit?
Mona Vara: Mich ganz meiner Fantasie hingeben zu können. Beim Schreiben werden Orte und Figuren für mich real, als würde in meinem Kopf ein Film ablaufen, und ich bin mitten drin. So geht es mir auch beim Lesen, nur genieße ich dabei eben passiv. Beim Schreiben halte ich die Fäden in der Hand, beim Lesen steige ich in die Fantasie anderer ein. Was auch sehr schön ist.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten einen Tag lang in die Rolle eines übersinnlichen Wesens schlüpfen: Was wäre Ihre Wahl?
Mona Vara: Vielleicht eine Hexe? (Allerdings nicht gerade zur Zeit der Hexenverfolgungen.) Ein Tag wäre aber zu wenig, da könnte ich gerade nur hineinschnuppern und wäre traurig, wenn er wieder vorüber ist. Abgesehen davon ist es sicher eine große Herausforderung, von einem Moment auf den anderen über magische Fähigkeiten zu verfügen - vermutlich würde an diesem einen Tag wie beim „Zauberlehrling“ so einiges schief laufen ... Interessant wäre es auch, als körperloses Wesen durch Raum und Zeit zu reisen.

Wie lange brauchen Sie normalerweise, bis ein Buch druckfertig ist?
Mona Vara: Das ist sehr unterschiedlich, von drei Monaten bis zu einem dreiviertel Jahr. Es hängt auch davon ab, wie viel Zeit ich bis zur Veröffentlichung habe und wie viel Schreibzeit mir überhaupt zur Verfügung steht – das ändert sich beruflich bedingt ja oft.
Das Schreiben und Erfinden allein geht relativ rasch, ich überarbeite dann aber sehr oft, recherchiere auch viel und freue mich immer, wenn ich interessante Quellen und Bücher ausgrabe.
Meistens arbeite ich auch parallel an mehreren Ideen: An einem Buch konzentriert, während ich schon zu anderen Romanen Notizen mache. Ich fange, wenn ich ein Buch ernsthaft beginne, nie bei Null an, sondern kann schon auf vielen Szenen, Ideen und Informationen aufbauen.