John Grisham, Das Bekenntnis

Nachwort von John Grisham zu seinem Roman »Das Bekenntnis« (Heyne)

Vor vielen Jahren saß ich zwei Legislaturperioden lang im Parlament des Bundesstaates Mississippi. Das öffentliche Amt machte mir keinen besonderen Spaß, und man müsste das Capitol in Jackson auf Fingerabdrücke untersuchen, um zu beweisen, dass ich dort war. Ich habe keinen Eindruck hinterlassen, im Gegenteil, ich hatte es sogar sehr eilig, wieder wegzukommen. Zu diesem Amt gehörten lange Zeiten der Untätigkeit, und um uns diese Stunden zu vertreiben, versammelten wir uns um verschiedene Kaffeemaschinen und Wasserspender und lauschten den langen, schillernden und oft lustigen Geschichten unserer Mitabgeordneten, die alle erfahrene Politiker aus dem Bundesstaat waren und sich daher darauf verstanden, Märchen zu erzählen. Die Wahrheit war wohl eher zweitranging.

Irgendwann während meiner Mini-Karriere dort hörte ich die Geschichte von zwei prominenten Männern, die in den 1930er-Jahren in einer Kleinstadt in Mississippi lebten. Der eine tötete den anderen ohne erkennbaren Grund und lieferte nie den geringsten Hinweis auf sein Motiv. Als er zum Tod durch den Strang verurteilt worden war, bot ihm der Gouverneur an, das Todesurteil in eine lebenslange Freiheitsstrafe umzuwandeln, wenn er sein Motiv nannte. Er weigerte sich und wurde am nächsten Tag auf dem Rasen vor dem Gerichtsgebäude hingerichtet, während der Gouverneur, der noch nie Zeuge einer Hinrichtung gewesen war, in der ersten Reihe saß und zusah.

Diese Geschichte habe ich also gestohlen. Ich halte sie für wahr, kann mich aber nicht erinnern, wer sie erzählt hat und wo und wann sie sich zugetragen hat. Es ist durchaus möglich, dass sie von Anfang an frei erfunden war, und nachdem ich sie selbst noch gründlich ausgeschmückt habe, habe ich keine Skrupel, sie als Roman zu veröffentlichen.

John Grisham, 2019

Das Bekenntnis

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