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Literatur zum Mitnehmen: Ein Interview mit den Autoren

Wie die Idee für "Neulich bei Starbucks" entstand und wen die Autoren am liebsten im Coffeeshop treffen würden

Es hört sich lustig und ein bisschen verrückt an: Ein Coffeeshop, in dem alle berühmten Stars der Literatur – Schriftsteller und Protagonisten – zufällig aufeinandertreffen. Sie kommen miteinander ins Gespräch und reden mit dem Barista, als wären sie ganz gewöhnliche Gäste. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Jill Poskanzer: Gegen Ende meiner Collegezeit saß ich im Englischunterricht, wir unterhielten uns mit einem Professor über Schriftsteller, und dabei kam irgendwie die Frage auf, was sich John Keats heutzutage wohl bei Starbucks bestellen würde. Da fiel mir ein, dass ein Blog, in dem es darum ginge, was berühmte Autoren bei Starbucks bestellen würden, eine tolle Idee wäre. Ich raste sofort nach Hause und legte dazu eine Website an. Wenig später fragte ich Nora und Wilson, ob sie nicht Lust hätten, ein paar Ideen einzubringen, und von da an ging es mit dem Blog richtig los.

Das Buch zu lesen ist wie in einem Who´s Who der Weltliteratur zu blättern. Wie habt ihr entschieden, wer in eurem Buch in Erscheinung treten sollte?

Nora Katz: Der Blog fing mit witzigen Szenen an, die uns zu bestimmten Autoren in den Sinn kamen, und so entstanden im Großen und Ganzen auch die lustigen Einfälle fürs Buch. Wir wollten aus der westlichen Literatur einen breiten Querschnitt abbilden mit besonderem Augenmerk auf unseren witzigsten Szenen und unseren Lieblingsautoren und –figuren.

Habt ihr euch oft getroffen, um an dem Buch zu schreiben? Und falls ja – war das in einem Coffeeshop?

Wilson Josephson: Wir haben uns gelegentlich getroffen, um gegenseitig Witze zu testen, aber ein Großteil des Buches wurde in der Diaspora geschrieben (sozusagen). Jeder schrieb aus seiner Ecke des Landes von zu Hause aus in dasselbe Dokument bei Google Docs, so dass wir gleichzeitig mitverfolgen konnten, wenn jemand eine bestimmte Figur beschrieb und etwas überarbeitete. Viele Episoden wurden nur von einem von uns verfasst, eine Handvoll entstand in enger Zusammenarbeit. Wir trafen uns nur bei Starbucks, um etwas Besonderes zu feiern – zum Beispiel als unser Blog 100.000 Abonnenten erreicht hatte!

Wo ist euer Lieblings-Coffeeshop und welche besondere Atmosphäre herrscht dort?

Jill Poskanzer: Mein Lieblings-Coffeeshop ist in Northfield, Minnesota, wo ich seinerzeit den größten Teil meiner Abschlussarbeit geschrieben habe. Er heißt Hideaway und hat lauter unterschiedlich große Tische, so dass man sich aussuchen kann, ob man in der Fensterecke sitzen oder sich weiter hinten im Raum mit all seinen Sachen ausbreiten möchte. Außerdem gibt es richtig originelle Kaffee-Getränke.

Nora Katz: Ich bin eine Teetrinkerin aus Irland, das liefert die perfekte Kombination. Ich liebe Wall & Keogh in Portobello – du musst dort einmal den Matcha-Kuchen mit einer Tasse Tee probieren. Man hat die Wahl zwischen mehr als 150 Sorten loser Tees. Aber wenn wir über Coffeeshops in unserer Hochschulstadt Northfield reden, ist mir Goodbye Blue Monday besonders ans Herz gewachsen.

Wilson Josephson: Bei mir gibt es einen Laden, der Brick Oven Bakery heißt. Dort riecht es immer nach frisch gebackenem Brot und was das Beste ist: Man kann sich so viel Kaffee nachschenken, wie man will.

Wenn ihr den Wunsch frei hättet, jemanden aus eurem Buch in einem Coffeeshop zu treffen, für wen würdet ihr euch entscheiden?

Jill Poskanzer: Obwohl es so viele literarische Figuren gibt, mit denen ich mich gern unterhielte, würde ich unbedingt J.K. Rowling treffen wollen. Seit der Kindheit ist sie meine Heldin, weil sie mit ihrer Fantasie eine ganze Welt erschaffen und die Landschaft der modernen Literatur verändert hat.

Nora Katz: Jo March, Walt Whitman und Allen Ginsberg. Ich würde ihnen einfach dabei zusehen, wie sie miteinander über Liebe, Religion und den Sinn des Lebens sprechen.

Wilson Josephson: Walt Whitman!

Was würdet ihr bei der Begegnung sagen und was würdet ihr euch beiden bestellen?

Jill Poskanzer: Bei meinem Treffen mit J.K. Rowling würde sie die Rechnung übernehmen. Ich würde ihr für alles danken und ihr dann wahrscheinlich tausend Fragen stellen. Ich würde von ihr wissen wollen, wie man quasi aus dem Nichts heraus Schauplätze entwirft und die Handlung einer Serie gleich von Anfang an am geschicktesten entwickelt. Wenn ich wirklich die Gelegenheit hätte, meine Lieblingsautorin zu treffen, wollte ich möglichst viel von ihr lernen.

Nora Katz: Ich würde eine Tasse Irish-Breakfast-Tee mit Zucker, Jo schwarzen Kaffee, Whitman ein kühles Mixgetränk und Ginsberg Chai trinken.

Wilson Josephson: Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob Whitman etwas mit Koffein bestellen würde. Er kommt mir vor wie jemand, der auf keinen Fall in die natürlichen chemischen Prozesse unseres Gehirns eingreifen würde. Abgesehen davon geht auf diesen Mann ein berüchtigter Cranberry-Kuchen zurück, dessen Rezept es wert wäre, entdeckt zu werden. Wir würden jeder ein Stück essen (köstlich!), und ich würde ihn darum bitten, all seine Schriftstellerkollegen zum Leben zu erwecken, die in Vergessenheit geraten sind. Dann würde ich ihn kitzeln, denn ich wüsste gern, ob er wie ein Bär oder wie ein Seetaucher lacht.

Gibt es etwas, das ihr noch nie in einem Coffeeshop bekommen habt, aber gern einmal probieren würdet?

Wilson Josephson: Ich gehöre erst seit kurzem zu den Kaffeetrinkern! Ich habe erst ein Jahr, nachdem „Literatur zum Mitnehmen“ herauskam, damit angefangen. Das heißt: Alles ist neu für mich! Ich habe Kaffee mit Honig, Ahornsirup und Eis probiert… aber ich habe auch etwas von „Butterkaffee“ läuten hören und bin… verhalten neugierig.

Jill Poskanzer: Ich sollte wirklich endlich einmal die Kaffeeröstung des Tages probieren, aber ich habe eine Schwäche für Kaffee, der nicht nach Kaffee schmeckt, und damit würde ich mich aus meiner überzuckerten Komfortzone hinausbewegen.

Nora Katz: Ich versuche erst seit kurzem, mich unter die leidgeprüften Akademiker mit Koffeinsucht einzureihen, und das bisher nicht sonderlich erfolgreich – es hat sich herausgestellt, dass ich Kaffee hasse. Ich wäre wahnsinnig gern an einem Ort, wo man mit dem Wunsch nach einem starken Espresso offene Türen einrennt.

Jill Poskanzer: Ihr solltet einfach alle Getränke mit originellen Geschmacksrichtungen einmal ausprobieren. Alle enthalten Koffein, keines schmeckt nach Kaffee.


© Elke Kreil, Goldmann Verlag

Literatur zum Mitnehmen! Blick ins Buch

Jill Poskanzer, Nora Katz, Wilson Josephson

Literatur zum Mitnehmen!

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