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SPECIAL zu Nora Ephron »Der Hals lügt nie«

© Elena Seibert

"Gelegentlich lese ich ein Buch übers Alter, der Verfasser schreibt meistens, wie großartig es sei, alt zu sein. Es sei großartig, weise und abgeklärt und an einem Punkt angelangt zu sein, wo man versteht, was im Leben wirklich wichtig ist. Ich kann Leute, die so etwas behaupten, nicht ausstehen. Was denken sie sich dabei? Haben sie keine Hälse?" (Nora Ephron)

Älterwerden ist ein Trendthema, zahlreiche Bücher werden dazu verfasst. Neben ihren anregenden Überlegungen zur Hormontherapie und dem Seniorensport weisen die Verfasser meist auch auf die Notwendigkeit hin, positiv und optimistisch diesen neuen Lebensabschnitt zu beginnen - ohne Zwänge wie Kindererziehung, Monatsblutung oder Arbeitsalltag. Leider aber sind die meisten Verfasser dieser Bücher geschätzte fünfzigeinhalb Jahre alt - und das ist wohl kaum der richtige Zeitpunkt, um über das "Altsein" zu reden. Höchste Zeit also, eine Frau zu Wort kommen zu lassen, die weiß, worüber sie spricht: Nora Ephron.

Das Stehkragen-Stelldichein
Nora Ephron ist eine der erfolgreichsten Frauen in der Filmindustrie. Ihrer Arbeit als Drehbuchautorin, Regisseurin und/oder Produzentin haben wir so hinreißende Filme zu verdanken wie "Harry und Sally", "Schlaflos in Seattle", "E-Mail für dich", "Silkwood" und "Sodbrennen", der, verfilmt mit Meryl Streep und Jack Nicholson, ihre Scheidung vom Watergate-Journalist Carl Bernstein verarbeitet (natürlich rein fiktiv). Doch darum geht es in diesem Buch nur ganz am Rande.

Denn Nora Ephron ist außerdem Jahrgang 1941. Eines Tages bemerkte sie, dass sie und ihre Freundinnen immer öfter bei ihren gemeinsamen Treffen in Rollkragenpullovern auftreten, oder in Jacketts mit chinesischen Stehkrägelchen oder mit charmanten Schals um den Hals. Das überzeugte sie, in "Der Hals lügt nie" ihre Erfahrungen aus dem Universum einer "Frau in den angeblich besten Jahren" zu versammeln. Entwaffnend offen, sehr persönlich und anschaulich und äußerst humorvoll gibt sie Auskunft über ihr Leben und geht in kurzen Kapiteln handlich verpackt, leichte und auch sehr ernste Themen an: "Nichts an mir ist besser als es mit fünfzig, vierzig oder dreißig war, aber ich habe definitiv den besten Haarschnitt, den ich jemals hatte, meine neue Wohnung gefällt mir, und ich bedenke, wie man so sagt, meine Alternativen."

Farbe gegen Altersgrau
Nora Ephron ist eitel genug, aber nicht zu eitel, um uns teilhaben zu lassen an dem erhöhten Kosten- und Zeitaufwand, den allein die Instandhaltung benötig: "Ich versuche schon seit Wochen, über Instandhaltung zu schreiben, aber es ist nicht leicht, und zwar aus einem einfachen Grund: Instandhaltung nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass ich kaum dazu komme, mich an den Computer zu setzen. Sie wissen sicher, was ich meine. Instandhaltung bedeutet ab einem gewissen Alter ständige Reparaturen. Sie müssen sie vornehmen, damit Sie sich nicht hinter einem Stapel Dosen verstecken müssen, wenn Sie im Supermarkt einem Mann begegnen, der Sie schon einmal abgewiesen hat. Das ist jetzt allerdings nicht so wörtlich gemeint."

Denn eins ist ohne Zweifel klar, wer sich als älterer Mensch wohl fühlt, muss jünger sein: "Haartönungen haben alles geändert, aber das wird nie gewürdigt. Sie sind die mächtigste Waffe, die ältere Frauen gegen die Jugendkultur haben, und weil die Uhr dadurch angehalten werden kann (zumindest im Hinblick auf die Haarfarbe)."

Sie berichtet vom Ende der Bikinifigur: "Oh, wie ich es heute bedauere, dass ich mit sechsundzwanzig ein ganzes Jahr lang keinen Bikini getragen habe. Wenn eine junge Frau das hier liest, sollte sie sich sofort einen Bikini anziehen und ihn nicht mehr ablegen, bis sie vierunddreißig ist."

Kein Thema wird ausgespart: Freundschaften und Kinder; Sex und Partnerschaft; gewesene Lieben und peinliche Verirrungen, die Freude am Essen und Kochen so wenig wie Lesebrillen und das angenehme Wohlgefühl, einen Ort gefunden zu haben, an dem man leben mag. Bei allem Humor werden auch die ernsthaften Themen wie Krankheit und der Tod von Freunden angesprochen. Das Alter gibt viel Grund zum Nachdenken …

Kann man Altsein lernen?
"Edith Piaf hat das berühmte Chanson gesungen ‚Non, je ne regrette rien'. Es ist ein gutes Lied. Ich weiß, was sie damit sagen wollte, weil auch ich behaupten könnte, nichts zu bedauern. Letztendlich erwiesen sich alle meine Fehler als etwas, das ich überlebte, das sich in lustige Anekdoten verwandelte oder aus dem ich sogar Geld machte. Aber in Wahrheit je regrette beaucoup. Es gibt alle möglichen Bücher für ältere Frauen. Soweit ich es beurteilen kann, sind sie alle optimistisch. Ich finde diese Bücher völlig nutzlos, genauso wie ich alle Bücher, die ich über die Menopause gelesen habe, nutzlos finde. Warum schreiben Leute Bücher, in denen behauptet wird, es sei besser alt zu sein als jung? Es ist nicht besser. Selbst wenn Sie noch klar bei Verstand sind, vergessen Sie doch ständig den Namen der Person, die sie vorgestern getroffen haben …"

Während Dutzende von Sachbüchern und Ratgebern mit erhobenem Zeigefinger von der Wichtigkeit sprechen, das Altsein jung zu lernen, und der Anti-Aging-Markt spezielle Mittelchen für Menschen über fünfzig anpreist, macht Nora Ephron ganz en passant Mut zu einem völlig anderen Lebensrezept, das die New York Times "Heilsalbe für so manche Wunde" nannte. Denn eins ist sicher: Es ist vielleicht nicht schön, alt zu sein, aber schrecklich amüsant.

Der Hals lügt nie Blick ins Buch

Nora Ephron

Der Hals lügt nie

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