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Christian Busemann - »Papa To Go. Intensivkurs für Väter«

»Papa To Go. Intensivkurs für Väter« - Interview mit Autor Christian Busemann

„Ernenne dein Kind heimlich zu deinem Lehrmeister“

Fünf Fragen an Christian Busemann, den Autor von „Papa to go. Intensivkurs für Väter“

Christian Busemann
© Matias Boem

Herr Busemann, Sie sind Vater einer zweiten Tochter geworden. Was hat sich durch den Familienzuwachs für Sie als Mann am stärksten verändert?
Dass ich jetzt samstags zwei Milchbrötchen statt einem kaufen muss und dass selbst die schnittigste Karre mit zwei Kindersitzen ziemlich dämlich aussieht. Außerdem habe ich die Hoffnung aufgegeben, auch nur eine der Damen für einen männlich dominierten Sport zu erwärmen – ich verkümmere auf unbequemen Bänken in Reithallen oder bei „A-Chorus-Line“-ähnlichen Tanzgruppen. Momente der Langeweile sind vernichtet und es regiert die Vollinanspruchnahme. Frei von Ironie: Empfehlenswert!

Welche Vorteile sehen Sie in ihrer vierköpfigen zu der dreiköpfigen Familie?
Es gibt ja seit geraumer Zeit diesen wahrscheinlich bis zum endgültigen Weltuntergang anhaltenden Selbstversorger-Trend: eigener Brunnen, eigenes Essen, eigener Bunker, usw. Als vierköpfige Familie ist man im Segment „Unterhaltung“ auf Niemanden mehr angewiesen. Wir genügen uns komplett selbst, indem Darsteller und Publikum eins sind und es sich immer nur die Frage stellt, wer spielt gerade was. Das ist wunderbar! Außerdem ist alles auf Vier ausgelegt: Restauranttische, Autos, Himmelsrichtungen, Urlaube, die „Fantastischen...“ Ein weiterer Vorteil: Zwei Kinder ermöglichen noch mehr persönliche Ausreden im Außenverhältnis als eins, bieten immer einen noch freien Verbündeten und lassen einen beim zweiten Kind zumindest von Anfang an gelassener sein. Man ist ja schon Elternteil. Sie sehen: viele Vorteile. Das Schönste allerdings ist: Mit zwei Kindern entsteht das Gefühl komplett zu sein. Bei aller zweifelhaften Selbstsucht, das ist wunderbar und macht die Sache rund. Finde ich. Bei meinem Bruder hat sich das Gefühl allerdings erst bei drei Kindern eingestellt...

Was brachte Sie auf die Idee, in Ihrem zweiten Buch den Focus auf das Coaching von Vätern zu legen?
Selbsterfahrung und Beobachtungen in meinem direkten Freundes- und Bekanntenkreis. Ich habe viele getroffen, die mit der ersten oder zweiten Vaterschaft ihr gesamtes Dasein auf Sinnhaftigkeit abgeklopft haben. So auch ich. Wer bin ich eigentlich? Was erwarte ich von meinem Leben? Womit habe ich meine Lebenszeit bislang verbracht und mache ich so weiter wie bisher oder starte ich noch mal neu durch? Das sind nur einige der Fragen, die in mir aufstiegen und nach Antworten suchten. Es spielen Faktoren wie charakterliche Beschaffenheit, Alter, Karriereabschnitt, etc. mit hinein und natürlich die enorme Inanspruchnahme durch die Mehrfachrolle zuhause, wenn „Mann“ diese denn angenommen hat. Und spätestens als mir mein nur wenige Jahre älterer, hedonistischer Anlageberater von seiner Midlife-Crisis berichtete, war mir klar: das alles gehört ins Buch.

Welche Aspekte umfasst das „Daddy-Coaching“?
Ich halte das Vaterwerden für eine ideale Möglichkeit, seine persönlichen Weichen neu zu justieren. Alles wird auf den Kopf gestellt und die erste Phase hat so eine enorme Strahlkraft - wieso also nicht den Laden mal kräftig umkrempeln, ohne Hasardeur zu sein!? Ich reanimiere beim „Daddy Coaching“ die persönliche Wertschätzung, die sich bei vielen von uns durch Alltag, Stress, Hektik und Tausendsassatum in den letzten Jahren verflüchtigt hat. Ich versuche eklatante männliche Stilverstöße mit wichtigen Hinweisen gerade zu biegen, gebe in „Snack“-Form Impulse, mit diversen Gewohnheiten zu brechen, liefere seelenlose Argumente, sich Auszeiten ohne schlechtes Gewissen zu „erlabern“ und verlange vom männlichen Leser, ordentlich Sex mit seiner Frau zu haben. Dazu maße ich mir an, Beziehungspflege-Tipps rauszuhauen. Na, und wer mit der Vaterschaft das Gefühl hat, ein Kapitel geschlossen zu haben und ein neues aufschlagen zu wollen, den unterstütze ich mit einem Crashkurs „Berufswechsel“ bzw. manchmal muss ja auch nur an den Stellschrauben gedreht werden. Man glaubt aber gar nicht, wie viele von uns in einem Job stecken, der mit ihrer eigentlichen Berufung überhaupt nichts zu tun hat. Gutes Thema.

In Ihrem Buch „Papa to go. Intensivkurs für Väter“ geben Sie Vätern viele hilfreiche Tipps. Haben Sie Ratschläge, die Sie besonders gerne weitergeben möchten?
Das multifunktionale Schweizer Taschenmesser unter den Intensivkurs-Tipps: „Locker bleiben!“ Egal wann, wie, warum und wo! Durchatmen und für sich keinen Druck erzeugen. Damit ist schon die Hälfte geschafft.
Und ansonsten kann ich nur raten: Tanzt! Singt! Und erzähle Geschichten. Mehr geht nicht. Denn allein dadurch wird dein Kind ein selbstbewusstes Prachtexe» mplar mit jeder Menge Urvertrauen. Und für eine gelungene „Win-Win-Situation“: Lass dich von deinem Kind begeistern und ernenne es heimlich zu deinem Lehrmeister. Die Winzlinge sind kleine, große Buddhisten, die nur den Augenblick leben. Sie zeigen dir, wie viel Glück, Freude und Liebe in einem freigesetzt werden können, lässt du dich auf sie und den Moment ein. So einfach er auch sein mag. Das ist großartig und macht unendlich dankbar.

Papa To Go Blick ins Buch

Christian Busemann

Papa To Go

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