Das Tor

Roman

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Im post-revolutionären Orient bestimmt das Tor über das Schicksal der Menschen

Ein nicht näher benanntes Land im Nahen Osten: Seit der Niederschlagung der Revolution brauchen die Bürger für jede noch so kleine Kleinigkeit in ihrem Leben – sei es die Überweisung zum Arzt oder die Erlaubnis, Brot zu kaufen – die Genehmigung des Staates. Um die zu erhalten, müssen sie sich vor einem riesigen Tor anstellen, das angeblich jeden Tag nur einer gewissen Anzahl an Anträgen stattgibt. In Wirklichkeit aber öffnet sich das Tor niemals, und die Schlange der Menschen, die in der glühenden Hitze warten, wird länger und länger, ihre Verzweiflung immer größer. Und doch will keiner von ihnen die Hoffnung aufgeben, dass das Tor eines Tages aufgehen wird ...

»Das Tor ist eine eindrucksvolle Erzählung über einen Unterdrückungsapparat, in dem Sprache, Gesetze und Wartezeiten so tödlich sind wie Gewehrsalven.«

Marten Hahn, Deutschlandfunk Kultur "Lesart" (22. April 2020)

DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Arabischen von Larissa Bender
Originaltitel: (The Queue)
Originalverlag: Dar Altanweer
Paperback , Klappenbroschur, 288 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-32046-8
Erschienen am  13. April 2020
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Das kann uns nicht passieren...

Von: litterarumnebula

25.06.2020

Vorsicht geringfügige Spoiler enthalten - nein ich verrate nicht wies ausgeht und sollte trotzdem noch gelesen werden. Yahya war zur falschen Zeit am falschen Ort. Bei den schädlichen Ereignissen wurde er verletzt. Mit einer Kugel im Bauch wird er zuerst in ein normales Krankenhaus gebraucht, später holt man ihn von dort ins Militärkrankenhaus, welches dem Tor untersteht, und sämtliche Röntgenaufnahmen verschwinden. Die Kugel wird nicht entfernt. Und so findet er sich in der Warteschlange am Tor ein um einen Antrag auf Entfernung der Kugel in einem nicht staatlichen Krankenhaus zu stellen. Doch das Tor öffnet nicht. Ein Staat der sich gegen seine eigenen Bürger wendet. Verdrehung von Tatsachen, Lüg und Betrug. Dieses Bild zeichnet Basma Abdel Aziz in Das Tor. Es spielt im Nahen Osten, Land und Zeit wird nicht genau benannt, doch man kann wohl davon ausgehen, dass es aktuell ist. Denn im Mittelalter wurden Handys wohl nicht abgehört. Oder? Basma zeigt hier wie Religion und Staat Hand in Hand ein gesamtes Volk unter der Knute halten können und dabei nicht einmal wirklich etwas tun. Schön zu lesen ist es nicht, aber wichtig. Denn auch wenn es so ein Tor vermutlich nirgendwo wirklich gibt, bewegt sich die ein oder andere Regierung dieser Welt gefährlich nah in seine Richtung.

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Top aktuell und doch zeitlos

Von: Madame Klappentext

11.05.2020

Inhalt: In einem Land im Nahen Osten wird das Leben der Bevölkerung seit geraumer Zeit vom Tor bestimmt. Für fast alle Dinge des täglichen Lebens braucht man eine Genehmigung vom Tor, nur niemand weiß wie lange es dauert, bis man sein gewünschtes Dokument in Händen hält. Die Warteschlange vorm Tor wird länger und länger und niemand weiß, wann das Tor wieder seine Pforte öffnet. Wie verändert sich eine Gesellschaft, deren Leben von Genehmigungen und Dekreten abhängt? Leseeindruck: Schon allein die Kombination einer Dystopie mit dem Schauplatz des arabischen Raums, hat mich angesprochen. Geht es doch um Meinungsfreiheit in einem autoritären System. Wieviel Systemkritik steckt wohl in solch einem Roman? Sehr viel. Alle versuchen sich mit den neuen Regeln zu arrangieren, obwohl dies immer schwieriger wird, da ständig neue Bestimmungen hinzu kommen. Auch als Leser versteht man erst nach und nach das Ausmaß der Gesetze, obwohl man schnell die Willkür dahinter erkennt. Stück für Stück lernt man die Protagonisten kennen und merkt welch unterschiedliche Charaktere in der Warteschlange aufeinandertreffen und was sie verbindet: Niemand ist gerne Teil der Warteschlange, aber alle wissen, dass es ohne nicht geht. Man trifft auf einen Verfechter des Regims, auf religiöse Fundamentalisten, auf eine Lehrerin, die einfach ehrlich war, eine Mutter, die um die Gesundheit ihrer Kinder kämpft und einen jungen Mann, der eine Genehmigung für eine lebensrettende Operation braucht. Yahya ist sozusagen der Mittelpunkt des Geschehens, alle Figuren lernt man mehr oder weniger durch sein Schicksal kennen. Gerade an seiner Figur wird die Absurdität des Tores und dessen Macht immer deutlicher. Schritt für Schritt entfaltet sich das autoritäre System. Eine Verordnung wird durch die nächste ersetzt, ohne das man dafür nachvollziehbare Gründe erkennen kann. Obwohl das Regime hinter dem Tor immer willkürlicher handelt, steigt auch die Normalität. Das Warten in der Schlage gehört nun für viele einfach zum Alltag. Es hat mich wirklich erschreckt, wie schnell ein totalitäres Regime zur Gewohnheit werden kann. Der Erzählstil ist sehr nüchtern und distanziert, außerdem strotzt er nur so vor Verallgemeinerungen. Man erfährt nur von „den schändlichen Ereignissen“ ohne genau zu wissen, worum es sich handelt, außer, dass das Tor alle Informationen darüber kontrollieren will. Es wird von „dem Scheich“, „dem Direktor“ oder auch von „der Frau“ gesprochen. Viele Protagonisten bekommen kein eigenes Gesicht. Damit schützt sich die Autorin sicher davor angegriffen zu werden, da sie so wenige Dinge genau benennt. Ich brauchte allerdings einige Seiten, um mich an diesen eigenwilligen Stil zu gewöhnen. Lieblingsnebencharakter: Die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein und doch hatte ich bei keinem ein klares Bild vor Augen, da man recht wenig individuelles über die einzelnen Figuren erfährt. Am meisten berührt hat mich das Schicksal von Umm Mabrouk und ihren Kindern. Sie kämpft auf ihre ganz eigene Weise, indem sie einen neuen Alltag im Umfeld der Warteschlange kreiert. Außerdem gehört sie zu den wenigen, bei denen sich in meiner Fantasie ein Bild von ihr gebildet hat. Fazit: Eine erschreckend zeitlose und gleichzeitig aktuelle Dystopie über das Leben in einem Überwachungsstaat. Der nüchterne Stil und verschachtelte Aufbau sind zwar anstrengend, aber trotzdem ist das Buch sehr lesenswert. Wer sich darauf einlässt, wird ganz besondere Lesestunden haben.

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Vita

Basma Abdel Aziz wurde 1976 in Kairo, Ägypten, geboren. Sie arbeitet als Künstlerin, Schriftstellerin und Psychiaterin, wobei sie auf die Behandlung von Folteropfern spezialisiert ist. In ihrer Heimat setzt sie sich unermüdlich für den Kampf gegen Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte ein. Für ihr literarisches Schaffen wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Kairo.

Zur AUTORENSEITE

Pressestimmen

»Basma Abdel Aziz entwickelt in ihrem Romanerstling ein bedrückendes Szenario. Eine gültige Darstellung des Lebens unter einer totalitären Willkür-Herrschaft.«

»Abdel Aziz, die auch als Psychiaterin arbeitet, erzählt trocken und mit hintergründigem Humor, wie einem die Absurditäten einer Diktatur jede Luft zum Atmen nehmen.«

Martina Läubli, NZZ am Sonntag (CH) (31. Mai 2020)

»Ein bisschen kafkaesk und klug, ein sehr spannendes, sehr lesenswertes Buch.«

»Spannend und mit viel Gespür für die lokalen Verhältnisse geschrieben, zeigt sich das Buch überraschend zeitlos (...). Ein mutiger und unangepasster Roman.«

Kieler Nachrichten (05. Mai 2020)