Der Tyrann

Shakespeares Machtkunde für das 21. Jahrhundert

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Was uns Shakespeare über Trump, Putin und Co. verrät

Wie kann es sein, dass eine Nation in die Hände eines Tyrannen fällt? Warum akzeptieren Menschen die Lügen eines Mannes, der ihrem Land so offensichtlich schadet? Und gibt es eine Chance, einen Tyrannen zu stoppen, ehe es zu spät ist? William Shakespeare hat sich in seinen Dramen immer wieder mit diesen Fragen beschäftigt und vom Aufstieg der Tyrannen, von ihrer Herrschaft und ihrem Niedergang erzählt. Pulitzer-Preisträger Stephen Greenblatt zeigt uns, wie präzise und anschaulich der Dichter das Wesen der Tyrannei eingefangen hat – und wie erschreckend aktuell uns dies heute erscheint.

»Brillant.«

Philip Roth (21. Juni 2019)

Aus dem Englischen von Martin Richter
Originaltitel: Tyrant. Shakespeare on Politics
Originalverlag: W. W. Norton, New York 2018
Paperback , Klappenbroschur, 224 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-570-55428-9
Erscheint am 27. Juli 2020

Leserstimmen

Shakespeare aktueller denn je!

Von: Belle Novelle

31.01.2019

Jeder verbindet wohl mit dem Wort „Tyrann“ eine bestimmte Person. Der Charakter zeichnet sich nicht durch positive Merkmale aus, und besonders im privaten Leben versucht man um solche Menschen einen großen Bogen zu machen. Doch was passiert, wenn ein Tyrann an der Spitze eines Staates steht und seine Macht zu seinen Gunsten einsetzt? Nach dem Motto: Einer gegen das Volk. Was passiert, wenn ihm durch seine Geburt ein Königstitel zusteht, er aber keinerlei Empathie besitzt? Und was passiert, wenn das Volk freiwillig einen solchen Tyrannen an die Spitze wählt? • Stephen Greenblatt geht in seinem Buch „Der Tyrann“ genau diesen Fragen nach. Mit Hilfe von Shakespears Dramen arbeitet er Charakterzüge eines Tyrannen heraus und analysiert deren Verhalten. Nach Shakespear badet ein Tyrann in Selbstliebe, ist arrogant, Gefühle der Mitmenschen bedeuten ihm nichts, hat keinerlei Zweifel an seinem Tun und spricht nur von Gewinnern. Ausgelöst werden diese Eigenschaften unter anderem durch große Selbstzweifel und Angst vor Ablehnung anderer Menschen – vor allem durch äußerliche Hässlichkeit. So benutzt beispielsweise Richard III. seine Machtposition als Strafe für andere Menschen aus, die sich vor ihm ekeln. Für ihn ist es eine große Genugtuung die hübschesten Frauen zu heiraten und sie anschließend wieder abzuschieben. Zu Zeiten Shakespears konnte man sich schwer gegen Tyrannen zur Wehr setzten, sodass die Menschen schwiegen. Obwohl die Menschen des 21. Jahrhunderts viele Mittel hätten dem Tyrannentum ein Ende zu bereiten, werden sie stattdessen freiwillige gewählt. Man werfe einen kurzen Blick nach Amerika: Ein reicher Mann verspricht die Sterne vom Himmel zu holen und unzählige Menschen liegen ihm zu Füße. Ist es Naivität, Bequemlichkeit, Leichtsinn, Egoismus oder einfach nur Dummheit? Shakespears Hoffnung liegt darin, dass Tyrannen an ihrer eigenen Bösartigkeit zugrunde gehen und dem Wehren des Volkes, denn „[w]as ist die Stadt sonst als das Volk?“ • „Der Tyrann“ ist ein Sachbuch, das für Shakespear Liebhaber gemacht ist oder für Leser, die das Thema einmal aus einer literaturwissenschaftlichen Perspektive kennenlernen wollen. Wie könnte es ein aktuelleres Buch geben?

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Der Tyrann - von Shakespeare und Machtmenschen

Von: Eva Krafczyk

11.11.2018

“Er ist ein pathologischer Narzisst und in höchstem Maße arrogant. Er verfügt über eine groteske Anspruchshaltung und hat nie einen Zweifel daran, dass er tun knn, was er will. Er brüllt gern Befehle und sieht, wie seine Untergebenen sie hastig ausführen. Er erwartet unbedingte Loyalität, ist aber unfähig zur Dankbarkeit” Wer nach diesen Zeilen ein weiteres Enthüllungsbuch aus dem Weißen Haus oder ein Psychogramm der Trump-Administration erwartet, täuscht sich. In seinem Buch “Der Tyrann” schildert der Literaturwissenschaftler und Pulitzer-Preisträger den Charakter des Shakespeare-Schurken Richard III. Darin setzt er sich mit “Shakespeares Machtkunde für das 21 Jahrhundert” auseinander. Der Keim seines Buches, so schreibt Greenblatt, sei seine “wachsende Sorge über den Ausgang einer bevorstehenden Wahl” gewesen. Und nachdem die Wahl seine schlimmsten Befürchungen bestätigt habe, grübelte er weiter über “Shakespeares unheimliche Relevanz für die politische Welkt, in der wir uns nun befinden”, heißt es ohne namentliche Erwähnung Trumps. Wie aktuell Shakespeares Dramen mit ihren Schilderungen von Machtgier und Intrige, politischer Verantwortung und Manipulation des Volkes sind, zeigt Greenblatt besonders an Aufstieg und voll von Richard III und Macbeth, aber auch die Frage des Tyrannenmords in Julius Caesar und die Vereinsamung an der Macht am Beispiel von König Lear werden erörtert. Auch das Umfeld, in dem Shakespeares Dramen entstanden, kommt zur Sprache: Kritik an der Königin hätte schließlich als Verrat gegolten. Jedliche Kritik an Tyrannei in einer Zeit, in der staatiche Zensoren auch in Theatersälen nach Anzeichen für aufrührerisches Gedankengut hielten, hatte sich also tunlichst auf eine Herrschaft in der Vergangenheit und so fiktiv wie möglich zu beziehen, Mit zahlreichen Zitaten aus den geschilderten Werken beschreibt Greenblatt Populismus und Größenwahn, Paranoia der Mächtigen und die Haltung derjenigen, die den Aufstieg des Tyrannen überhaupt erst ermöglichen. Welche Möglichkeiten gibt es noch, die Entwicklung zu stoppen oder zumindest zu mildern? Wer durchschaut die Tyrannei, wie regt und organisiert sich Widerstand? Fragen wie diese sind zeitlos und nicht auf die Bühnenbretter des elisabethanischen Zeitalters beschränkt. Angesichts aktueller Ereignisse hält der Literaturwissenschafler eine geradezu tröstliche Anaklyse bereit: Shakespeare habe nicht geglaubt, dass sich Tyrannen sehr lange halten könnten: “Egal wie schlau sie ihren Aufstieg planten, einmal an der Macht waren sie erstaunlich inkompetenz.” Die Existenz von Langzeitpräsidenten, die sich ihre Herrchaft in einigen Ländern gerne auf Lebenszeit sichern wollen, widerspricht dieser Sichtweise zwar. Doch selbst brutale Herrscher schafften es zumindest bei Shakespeare nicht, die gesamte Opposition zu vernichten – Isloilation und Arroganz beschleunigten den Sturz nur noch mehr. Trump oder Putin sind nicht Richard III. oder König Lear, doch eine spannende Analyse ist “Der Tyrann” dennoch – nicht nur für Politik- und Literaturwissenschaftler.

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Vita

Stephen Greenblatt ist Professor für Englische und Amerikanische Literatur und Sprache an der Harvard Universität und gilt als einer der angesehensten Forscher zu Shakespeares Werk sowie zu Kultur und Literatur in der Renaissance. Greenblatt ist Autor mehrerer Bücher, u. a. des internationalen Bestsellers »Die Wende« (2012), für den er mit dem National Book Award und dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde.

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Pressestimmen

»›Der Tyrann‹ bietet eine fesselnde Anatomie des Machtmissbrauchs.«

Deutschlandfunk Kultur (29. November 2018)

»Eine elektrisierende Lektüre für Politik-, Geschichts- und Literaturinteressierte gleichermaßen.«

SWR 2 Lesenswert (08. Oktober 2018)

»(...) genau wie in Shakespeares Dramen liegt auch die Stärke dieses Buchs in seiner Offenheit.«

Deutschlandfunk Büchermarkt (03. Dezember 2018)

»(...) was hier mit Bravour gelingt, ist, über den Umweg Shakespeare einen Abstand zu gewinnen zum heißlaufenden Gegenwartsdiskurs, zum Delirium der Affekte.«

Leipziger Volkszeitung (26. September 2018)

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