Eine Weltgeschichte der deutschsprachigen Literatur

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Seit ihren Anfängen steht die deutschsprachige Literatur in Kommunikation mit anderen Kulturen: Mal war die Antike, mal die französische Klassik Vorbild. Dennoch wird sie zumeist vor einem nationalen Hintergrund wahrgenommen und eingeordnet. Sandra Richter erzählt die Geschichte deutschsprachiger Literatur erstmals als Weltgeschichte und macht die unterschiedlichen Einflussfaktoren in den jeweiligen Epochen transparent: von den mittelalterlichen Minnesängern bis hin zu aktuellen Nobelpreisträgern wie Günter Grass und Herta Müller. Ein Standardwerk und eine spannende Erkundung von mehr als einem Jahrtausend Dichtung.


Originaltitel: Eine Weltgeschichte der deutschsprachigen Literatur
Originalverlag: C. Bertelsmann, München 2017
Paperback , Klappenbroschur, 732 Seiten, 15,0 x 22,7 cm
s/w-Abb. im Text und farbige Karten
ISBN: 978-3-570-55394-7
Erschienen am  22. April 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Internationale Geschichte deutscher Literatur

Von: Benedikt Bögle

14.10.2019

Literatur und ihre Geschichte nehmen wir meist vor einem nationalen Hintergrund wahr. Wir beschäftigen uns etwa mit den deutschen Einflüssen auf Goethe und seine "Leiden des jungen Werther", fragen nach den Folgen des Werks für die deutsche Literatur und die deutsche Gesellschaft. Dabei ist Literatur eigentlich grenzenlos. Weltweit wird - im Original oder in Übersetzungen - deutsche Literatur gelesen, wie natürlich auch wir in Deutschland Werke aus anderen Nationen lesen. Mit einer internationalen Geschichte der deutschen Literatur beschäftigt sich nun Sandra Richter, Leiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach und Professorin für Neuere Deutsche Literatur in Stuttgart: "Eine Weltgeschichte der deutschsprachigen Literatur" ist bei Pantheon erschienen. „Die Frage der Wahrnehmung von Literatur außerhalb eines bestimmten Sprach- und Kulturraums scheint paradox: Durch ihre ästhetische Form, ihre Einmaligkeit, ihren Anspruch, Texte und Leser gleich welcher Herkunft anzusprechen, überwindet die Literatur die Grenzen ihrer Sprache und Kultur“, schreibt die Wissenschaftler zu Begin ihres Werkes. Und genau dem geht sie nach: Der Überwindung von Grenzen durch die Literatur. Das tut die Autorin dabei auch ganz konkret anhand bestimmter Werke: Goethes „Werther“ oder die Dramen um Faust, Heines Literatur oder auch noch die Blechtrommel von Günther Grass. Das Werk ist stellenweise nicht leicht zu lesen, behandelt aber spannende Fragen. Empfohlen sei es allen, die sich für Literatur und ihre Geschichte interessieren.

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Die Weltreise der deutschsprachigen Literatur

Von: Franziska_J

17.11.2018

„Deutschsprachige Literatur entfaltet sich regional, interregional, global. So betrachtet fällt sie völlig aus dem nationalen Rahmen: Sie ist weder groß noch klein, kennt kein Zentrum, aber zahlreiche Peripherien.“ Sandra Richter, Professorin für Neuere Deutsche Literatur, nimmt sich in ihrem Buch Eine Weltgeschichte der deutschsprachigen Literatur (2017) ein gewaltiges Projekt vor: Die Einordnung der deutschsprachigen Literatur in einen weltgeschichtlichen Kontext. Anhand von ausgewählten Werken spannt sie einen weiten Bogen von der mittelhochdeutschen Dichtung (ca.1050-1350) bis hin zur Gegenwartliteratur und untersucht die Rolle der deutschsprachigen Literatur in der europäischen und globalen Literatur- und Kulturtradition. Sie beweist, dass Literatur, selbst wenn und gerade dann wenn sie einer Zensur unterliegt, die nationalen Grenzen sprengt und Bücher seit Anbeginn des Schrifttums um die Welt reisen. Das Buch ist damit auch ein Plädoyer für eine auf globaler Ebene arbeitende, vergleichende Literaturwissenschaft, die sich endlich losreißen sollte von den nur auf dem Papier existierenden Grenzen zwischen den Kulturen. Bereits in der Einleitung wird klar: Literatur ist kein national begrenztes oder abgeschlossenes Phänomen und so zeigt Richter, wie die deutschsprachige Literatur in wechselseitigem Austausch mit anderen Literaturen steht und Motive wie der Faust- oder Wertherstoff auf der ganzen Welt rezipiert werden und Anstoß für immer neue Erzählungen geben. Hieraus entwickelt Richter die faszinierende Hypothese, dass es universelle ästhetische Werte, eine anthropologische Konstante, geben könne, die alle Menschen verbinde und kollektive Begeisterung für eben jenen Werther- oder Fauststoff auslöse. Endgültig beweisen lässt sich ihre Hypothese wohl nicht, doch das Buch ist bedeutender Beitrag zur Debatte um universelle menschliche Werte. Richters Vorgehensweise ist eine historisch und demografisch Vergleichende. Es wird nicht nur parallel die Entwicklung mehrerer Nationen und Länder untersucht, sondern auch in jedem Entwicklungsstadium nach der Bedeutung für die Gegenwart gefragt. Um nur zwei Beispiele zu geben: Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werther war die entscheidende Vorlage für Mary Shelleys Schauerroman Frankenstein und der Fauststoff wird noch heute in japanischen Mangas verarbeitet. Damit gelingt es Richter Spannung aufzubauen, denn erst nach und nach, Entwicklungsschritt für Entwicklungsschritt, wird klar, warum einige Werke die Jahrhunderte überdauern konnten. Eine solche einbändige Literaturgeschichte in ca. 720 Seiten kann niemals einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben und das will sie in diesem Fall auch gar nicht. Es geht hier darum, die Hauptlinien der deutschen Literatur überblicksartig anhand der für die Rezeption bedeutendsten Werke nachzuzeichnen. Richter stellt dabei nicht nur das Werk selbst und dessen Rezeptionsgeschichte vor, sondern nimmt zugleich eine Einordnung in den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext vor. Man lernt hier nicht nur etwas über Literatur, sondern ebenso über Politik, Soziologie, Anthropologie und Psychologie. Das Buch ist nicht nur ein Muss für Literatur- und Kulturwissenschaftler, sondern richtet sich ebenso an interessiere Laien. Es ist um allgemeine Verständlichkeit und Anschaulichkeit (z.B. kurze Inhaltszusammenfassungen zu behandelten Werken) bemüht, ohne dabei jedoch an Wissenschaftlichkeit einzubüßen. Methodisch bedient sich die Autorin sowohl qualitativer als auch spezieller quantitativer Verfahren, die das Ausmaß der globalen Rezeption erfassen sollen. Übersichtlich werden diese in Kartenform im Anhang des Buches bereitgestellt. In diesem theoretischen Zusammenhang werden zentrale literaturwissenschaftliche Methoden, wie die des Übersetzens kritisch beleuchtet und reflektiert. Richter bewegt sich zudem immer wieder auf einer übergeordneten Ebene und fragt z.B. nach dem Verhältnis von Kulturbetrieb und Wissenschaft oder danach, was ‚Weltliteratur‘ überhaupt ausmacht. Trotz der Bemühung um Übersichtlichkeit und Anschaulichkeit ist es ein Buch, das Zeit braucht. Der Leser wird überflutet mit einer Fülle von Informationen, doch nimmt man sich die Zeit, die dargestellten Zusammenhänge nachzuvollziehen, dann wird man am Ende des Buches einen weiten Überblick über das so verworrene Netz der deutschen Literatur haben, das sich über den gesamten Globus spannt. Eine Weltgeschichte der deutschsprachigen Literatur – ein Sachbuch, das den Leser weit über den informativen Anspruch hinaus verzaubert, verblüfft und entführt in die unendlichen Weiten der deutschen Literatur.

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Vita

Sandra Richter, geboren 1973, studierte Literaturwissenschaft und Politik, lehrte an Universitäten in London und Paris und ist Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Stuttgart. Sie veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, wurde mehrfach ausgezeichnet und schreibt u. a. für DIE ZEIT. 2019 übernimmt sie die Leitung des Literaturarchivs Marbach.

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