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Ein epochales Buch

»Du fährst, mein Sohn, in das Land der Kultur«, gibt seine Lehrerin dem kaum neun Jahre alten Marcel mit auf den Weg, als er seine polnische Heimat verlässt, um nach Berlin zu gehen. Doch dieses Land ist auch eines der Barbarei und Dunkelheit. Auf die Schulzeit im »Dritten Reich« folgen 1938 die Deportation nach Polen und das demütigende Leben im Warschauer Getto. 1958 kehrte Reich-Ranicki nach Deutschland zurück und seine beispiellose Karriere als Kritiker begann.

Marcel Reich-Ranickis Autobiographie "Mein Leben" wurde zum Millionenbestseller und 2008 von Dror Zahavi mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle verfilmt.

»Neben diesem unfassbaren Leid, das neutral und fast nüchtern geschildert wird, lernt der Leser, dass menschliche Bedürfnisse und Gefühle auch in schlimmsten Lebenslagen präsent sind.«

Das Magazin der Berliner Philharmoniker (01. Oktober 2018)

Originaltitel: Mein Leben
Originalverlag: DVA
Paperback , Klappenbroschur, 576 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-570-55186-8
Erschienen am  09. Januar 2012
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Keine 100%

Von: Susanne Ullrich

09.05.2016

So als Nicht-Journalist und vergleichsweise leistungsschwaches Glühwürmchen(chenchen) der Buchbloggerwelt traue ich mich ja irgendwie so gar nicht richtig an die Autobiografie des scheinbar allmächtigen deutschen Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki heran. „Welches Recht habe ich, diesen großen Mann zu kritisieren?“ frage ich mich. Das einer unbedarften Leserin, sage ich einfach mal. Dass das Leben dieses so polarisierenden Mannes ein ereignisreiches, dramatisches, tragisches und auch so erfolgreiches war, ist unbestritten. Ob er hingegen auch glücklich war, dass konnte ich der Autobiografie nicht entnehmen. Selbstverständlich hat man auf jeder Seite die allgegenwärtige Liebe zur (deutschen) Literatur gespürt. Und auch die durchaus zahlreichen Erfolge haben ihren Platz. All die vielen Begegnungen mit (mehr oder weniger) bekannten Autoren, Schauspielern, Musikern, Künstlern aller Art zeigen die Begeisterung, mit der Reich-Ranicki bei der Sache war. Indes ist überall auch spürbar, dass er in gewisser Weise immer außen vor blieb und eben nicht 100% dazu gehörte. Sei das bei der Gruppe 47 oder bei der „Zeit“. So ähnlich ist auch mein Eindruck von der Autobiografie: Marcel Reich-Ranicki ist nicht zu 100% drin. Natürlich schreibt er über seine Leidenschaft, seine Liebe, seine Erlebnisse, seinen Werdegang. Bei all den kleinen und großen Episoden hatte ich aber das Gefühl, der Autor bleibt außen vor. Das finde ich sehr schade. Immer wieder zwischendrin fand ich das Buch auch etwas schwer zu lesen. Gerade in den Abschnitten in denen er immer wieder mit Autoren-Namen regelrecht um sich wirft. Wen er wann wo getroffen hat, wer in seiner Radio- und/oder Fernsehsendung zu Gast war, wer in welcher Zeitung rezensiert wurde. Das ist auf Dauer mühselig. Weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen. Ich finde das Buch dennoch lesenswert, weil es Leidenschaft vermittelt, Leidenschaft für Literatur. Und weil es damit auch neugierig auf mehr macht.

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Vita

Marcel Reich-Ranicki

Marcel Reich-Ranicki, geboren 1920 in Polen, lebte von 1929 bis 1938 in Berlin. Nach der Deportation durch die Nazis überlebte er nur knapp das Warschauer Ghetto und kehrte nach dem Krieg nach Deutschland zurück, wo er seine Karriere als Literaturkritiker begann: Er war von 1960 bis 1973 Literaturkritiker der „Zeit" und leitete von 1973 bis 1988 den Literaturteil der „FAZ“, wo er noch bis zu seinem Tod als Kritiker und Redakteur der „Frankfurter Anthologie“ tätig war. Von 1988 bis 2001 leitete er „Das Literarische Quartett“ des ZDF. Nahezu alle Deutschen kennen Marcel Reich-Ranicki - er war „der“ Kritiker und enfant terrible der Medienlandschaft. In seinem geschriebenen wie gesprochenen Wort spürte man jederzeit die Leidenschaft und Konsequenz, mit der er sich für Literatur einsetzte. Seine 1999 erschienene Autobiographie "Mein Leben" wurde zum Millionenbestseller und 2008 von Dror Zahavi mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle verfilmt. Er erhielt zahlreiche literarische und akademische Auszeichnungen. Marcel Reich-Ranicki verstarb 2013 in Frankfurt am Main.

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