Warum Jane Austen ohne Flieder nicht leben konnte

Vom Philosophieren im Garten

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Gärten können inspirieren, beruhigen und aufrichten. Und sie haben seit jeher einen besonderen Stellenwert für Künstler. Jane Austen suchte in ihrem Cottage-Garten nach Momenten der Stille. Für Marcel Proust, der seine letzten Lebensjahre bei geschlossenen Fensterläden in seinem Schlafzimmer verbrachte, hießen drei Bonsaibäumchen Inspiration, und die als skandalös geltende französische Schriftstellerin Colette verspürte beim Anblick ihrer Rosen ein Gefühl von Frieden und Glück. Damon Young erforscht wunderbar anregend das besondere Verhältnis zwischen Schreibenden und ihren Gärten – als spazierte man mit einem sehr klugen Freund durch einen wunderschönen Garten.


DEUTSCHE ERSTAUSGABE
Aus dem Englischen von Mechthild Barth
Originaltitel: Philosophy in the Garden
Originalverlag: Melbourne University Press
Paperback , Klappenbroschur, 256 Seiten, 13,5 x 20,6 cm, 25 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-442-71730-9
Erschienen am  11. Februar 2019
Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Leserstimmen

Modernes Philosophieren!

Von: Juliane - I AM JANE

26.03.2019

Angezogen wurde ich bei dem Buch natürlich durch Jane Austen im Titel und dieses so stimmungsvolle Coverbild. Es klingt nach einer schönen Mischung: Philosophie, Pflanzen, Schriftsteller. Und das war es tatsächlich auch! Neben Jane Austen werden noch weitere bekannte Schriftsteller behandelt, was mir sehr gefiel. Natürlich hätte ich am allerliebsten ein ganzes Buch nur über Jane Austen und ihre Verbindung zu der Pflanzenwelt gelesen – aber so habe ich meinen Horizont erweitert. Viele der Schriftsteller kennt man vom Namen her, aber Werke habe ich von ihnen noch nicht gelesen. Der Autor macht es ganz wunderbar: Denn er geht’s auf die Personen ein, erschafft ein Bild von ihnen – und gleichzeitig zieht er auch Parallelen zu den Werken. Auf wahrlich philosophische Weise lernen wir die Autoren kennen, und zwar in Verbindung zu Blumen oder Pflanzen. Welche Wirkung hatte ihr Garten in Chawton auf Jane Austen? Und vorallem: Woran macht es der Autor fest. Das Beispiel Jane Austen ist ganz schön, und natürlich mein liebstes. Bei ihr sieht man es klar an ihren Romanen, dass die Zeit in der Stadt Bath für sie alles andere als inspirierend war. Zurück in dem Dorf Chawton, umgeben von Natur, fließen die Worte nur so aus ihr heraus. Bei ihr wusste ich bereits von ihrer Liebe zur Natur. Aber dass so viele bekannte Autoren so eine Verbindung – ja gar schon Abhängigkeit – zur Pflanzenwelt hatten, war mir neu. Damon Youngs Buch lässt sich gut in einem durch lesen, denn er verknüpft die einzelnen Passagen sehr gut. Schon das Vorwort über Aristoteles ist sehr interessant und packend. Es regt an, seine eigene Lebensweise zu hinterfragen. Am liebsten hätte ich direkt über mein Verhältnis zur Natur philosophiert. Was dennoch zu sagen ist, ist dass es zum Ende hin eeeetwas langatmig wurde, da sich natürlich die Punkte wiederholten. Es waren zwar andere Autoren, andere Zeitepochen und andere Situationen, aber dennoch blieb die Essenz gleich. Vielleicht sollte ich meine Aussagen revidieren, dass man dieses Buch in einem durchlesen kann. Vielleicht bekommt man mehr heraus, wenn man die einzelnen Kapitel mit Abstand liest. Wie auch immer: Es ist ein tolles, so detailreiches, informatives und inspirierendes Buch! Dafür, dass ich sonst sehr wenig (gar nicht) philosophische Texte lese, hat es mir richtig gut gefallen. Es ist schön, neue Facetten von Autoren kennenzulernen und zu sehen, wie wichtig die Natur im eigenen Leben doch eigentlich ist. Fazit: Damon Young hat ein modernes philosophsiches Werk geschaffen, welches mir sehr gut gefallen hat! Besonders mochte ich natürlich den Part über Jane Austen und ihre Verbindung zur Natur. Doch auch genoss ich es, die zahlreichen anderen Autoren von einer neuen Seite kennenzulernen und die Auswirkung von Blumen und Pflanzen auf ihre Werke zu erleben. Wer sich für Klassiker, Natur oder Philosophie interessiert, ist hier mit Sicherheit gut aufgehoben!

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Vom Philosophieren im Garten

Von: YukBook

10.03.2019

Dass für so manchen Schriftsteller der Garten als Ruheoase oder Inspirationsquelle diente, ist nicht weiter erstaunlich. Verblüffend ist jedoch, was Damon Young zu diesem Thema zu erzählen hat. Erwartet hatte ich unterhaltsame Anekdoten aus dem Leben von mehreren berühmten Schriftsteller/innen, die eine besondere Beziehung zur Natur haben und darüber philosophieren. Doch es ist weitaus mehr. Anhand dieser Beispiele zeigt der Autor, welche unterschiedlichen Bedeutungen der Garten für einen Menschen haben kann und welche philosophischen Anschauungen sie daraus ableiten. Die Bandbreite reicht vom Sinnieren bei einem gemütlichen Spaziergang durch den Park bis hin zur körperlichen Schwerstarbeit im selbst angelegten Garten. Für Jane Austen zum Beispiel war der Garten im Chawton Cottage in East Hampshire ein unentbehrlicher Rückzugsort, um ohne Ablenkung ihre zahlreichen Romane zu verfassen. Virginia Woolf fand in der Natur nicht nur das Rohmaterial für ihre Werke, sondern begeisterte sich auch für Blumenbepflanzung im eigenen Garten. Andere erlebten die Natur eher in der Fantasie, so wie Proust, dem drei Bonsai-Bäumchen an seinem Krankenbett dazu verhalfen, sich eine grenzenlose Botanik in seinem Zimmer vorzustellen. Auch Colette erschuf imaginär ihren idealen Garten, der auf ihre Prosa abfärbte. Dass die Erfahrungen in und mit der Natur keineswegs immer rosig waren, schildert Damon Young am Beispiel von Sartre, Leonard Woolf oder George Orwell. So stellt er bildhaft und facettenreich die gegensätzlichen Emotionen heraus, die die Natur bei den Menschen auslösten – von Entzückung bis zum Ekel. Obwohl es nur Bruchstücke aus dem Leben von Schriftstellern und Philosophen sind, so schafft es der Autor, ganz prägnante Miniporträts zu erschaffen. Ihre Erfahrungen in der Natur erreichen ganz unterschiedliche Dimensionen: von der Anbetung einer Rose über den Ekel vor einem Kastanienbaum bis hin zur Trauer über den Fall des „edlen Wilden“. Ich habe die Reise zu den verschiedenen botanischen Schauplätzen von England bis Sri Lanka ebenso genossen wie die lehrreichen Exkurse in die Philosophie. Das verständlich vermittelte Wissen, die gut recherchierten Details, die zahlreichen Zitate und Youngs elegante Prosa sorgen für ein wahrhaftes Lesevergnügen.

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Vita

Damon Young

Damon Young ist Philosoph und Schriftsteller, derzeit ist er Honorary Fellow in Philosophie an der Universität von Melbourne. Damons Bücher wurden international veröffentlicht und in mehrere Sprachen übersetzt, er arbeitet für The Age , den Sydney Morning Herald, The Australian und BBC, wo er regelmäßiger Gast in Radiosendungen ist. Er lebt mit seiner Frau Ruth und zwei Kindern in Melbourne.

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