SPECIAL zu Peter Kihlgård »Liebe ganz oder gar nicht«

Liebe ganz oder gar nicht – der Überraschungsbestseller aus Schweden


Das Psychogramm einer Ehe, schmerzhaft und wahnwitzig komisch zugleich: Dreißig Jahre schon sind Kicki und Lasse ein Paar – und sie lieben einander heftig. Doch ihre Ehe ist ungewollt kinderlos. Über all die Jahre hinweg haben die beiden deshalb versucht, voneinander loszukommen, aber eine unerklärliche Kraft zieht sie immer wieder zueinander hin. Ein Band hält sie zusammen, ein Band, das ihnen zur Fessel wird. Eine zutiefst ehrliche, lebenskluge und gefühlsstarke Geschichte über das Rätsel der Liebe.

Gerade haben Kicki und Lasse das Flughafengelände von Stockholm-Arlanda hinter sich gelassen, und vor ihnen öffnet sich die sanfte Landschaft Upplands. Der Mietwagen surrt leise vor sich hin, sie lassen die Fenster herab, und die kühle Frühlingsluft strömt herein. »Wie schön es hier ist«, sagt Lasse, legt seine Hand auf Kickis nackten Schenkel, streichelt ihn, lässt die Finger an der Innenseite nach oben wandern, lacht, streichelt – und erstarrt. Da sind sie wieder, die Lymphknoten. Sie sind wieder größer und härter geworden.

Lasse und Kicki kommen gerade aus Portugal zurück, wo sich Kicki von der Chemotherapie hat erholen sollen. Seit 14 Monaten schon ist sie schwer krank – 14 Monate von den 29 Jahren, 8 Monaten und 17, nein, 18 Tagen, die die beiden ein Paar sind. Und Lasse ist sich sicher, dass er ohne Kicki keinen Tag lang weiterleben will. »Ich weiß, dass ich diese Therapie nicht noch einmal durchstehe«, sagt sie. »Lieber nehme ich mir das Leben.«

Tage später sitzen sie wieder in einem Mietwagen, diesmal ist es ein alter Porsche, und sie rasen über die Landstraße. Immer schneller und schneller – und dann lösen sie die Sicherheitsgurte …

Mit dieser Szene beginnt der schwedische Autor Peter Kihlgård seinen neuesten Roman Liebe ganz oder gar nicht – eine lebenskluge und gefühlsstarke Geschichte über das Vermögen der Liebe, Glück und Unglück gleichermaßen über die Menschen zu bringen. Peter Kihlgård zeichnet den Weg des Liebespaares Kicki und Lasse über dreißig Jahre hinweg nach – Jahre voller Leidenschaft, Jahre voller Schmerz. Denn die beiden sind ungewollt kinderlos. Ein Schicksal, um dessen Akzeptanz sie ihr ganzes Leben ringen, voreinander fliehen, wieder zueinander finden, sich heftig hassen und noch heftiger lieben.

Liebe ganz oder gar nicht ist ein schonungslos ehrlicher Liebesroman, für den Peter Kihlgård eine meisterliche Form gefunden hat. Als nähme er Søren Kierkegaards Aussage, dass das Leben nur rückwärts zu verstehen sei, wörtlich, führt der Autor in zehn episodischen Kapiteln durch das Leben der beiden: Vom letzten gemeinsamen Augenblick, in dem das Paar in den Tod rast, zurück bis zu jenem ersten schicksalhaften Tag, an dem der zwanzigjährige Lasse dieses Mädchen mit den markanten Augenbrauen in einer Bar sieht und sofort weiß, die wird er heiraten, die oder keine.

Voller Intensität ist Liebe ganz oder gar nicht, mal schmerzlich-traurig, mal humorvoll-burlesk, und Kihlgårds »wunderbar melodiöse, glitzernde, erfindungsreiche und manchmal auch wahnwitzig komische Art zu schreiben« (Aftonbladet) hat ihm einen Überraschungserfolg beschert: Monatelang stand das Buch in den Top-Ten der schwedischen Bestsellerliste, die Literaturkritiker überschlugen sich vor Begeisterung, und inzwischen wird der Roman als heißer Kandidat für den wichtigsten Literaturpreis Schwedens, den Augustpreis, gehandelt.

Ein Überraschungserfolg – auch für den Autor. Zwar zählt der 1954 in Örebro geborene Peter Kihlgård zu den bedeutendsten literarischen Stimmen Schwedens, doch bisher hat keines seiner Werke eine so breite Öffentlichkeit gefunden; die Höhe der schwedischen Auflage von Kicki & Lasse, wie der Titel im Original lautet, entspräche in Deutschland einer Auflage von 300 000 Exemplaren.

Peter Kihlgård debütierte 1982 mit dem Roman Manschettvisa und hat seither einige weitere Romane, Prosalyrik und Theaterstücke veröffentlicht. Sein großer Durchbruch kam mit Der Frühling des Teiresias (1988; der einzige Roman, der auf Deutsch vorliegt, dt. Ausgabe 1992). Kihlgård wurde mit einer Vielzahl literarischer Preise ausgezeichnet; zuletzt erhielt er 2006 das angesehene Lars-Ahlin-Stipendium, das ihm die Arbeit an seinem neuen Roman finanziell ermöglichte. Endlich konnte er die Geschichte von Kicki und Lasse niederschreiben.

Liebe ganz oder gar nicht hat eine außergewöhnliche Entstehungsgeschichte: Tatsächlich hat das Liebespaar Kicki und Lasse seinen Schöpfer schon lange begleitet – man könnte auch sagen: Es hat ihn verfolgt. Anfangs glaubte Peter Kihlgård, Kickis und Lasses Geschichte sei nur eine Novelle wert, und so erzählt er in Diorama (1998 in der Erzählsammlung Serenader veröffentlicht) vom Ende dieser Beziehung. Von Kickis Leiden an Lymphdrüsenkrebs im Endstadium und Lasses Angst davor, allein zurückzubleiben. Doch es reichte den beiden fiktiven Figuren nicht aus, nur das Ende ihrer Liebe niedergeschrieben zu sehen, und so ließen sie Kihlgård keine Ruhe. In Cinéma vérité, einem Radiostück, das er für den schwedischen Hörfunk produzierte, schildert er, wie Kicki und Lasse ihn in einen Keller sperren, fesseln und drohen ihm das Leben zu nehmen, wenn er sie nicht von ihrem Schicksal befreit, nur die letzten Tage ihrer Liebe gemeinsam zu verbringen. Was also blieb Peter Kihlgård anderes übrig, als den beiden ein ganzes, pralles Leben und uns damit einen unvergleichlichen Roman zu schenken?

Liebe ganz oder gar nicht

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