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Petra Hammesfahr im Interview zu »Die Frau, die Männer mochte«

»Ich wollte zeigen, dass auch Männer zum Opfer werden können«

Petra Hammesfahr über ihren Roman »Die Frau, die Männer mochte«

Petra Hammesfahr
© Wilfried Hammesfahr

Sie haben mit Rolf Wegener einen ungewöhnlichen Kommissar geschaffen: Ein einsamer Mann, der sich in seinen Fall verrennt. Wie kamen Sie auf die Idee?

Petra Hammesfahr: Die ursprüngliche Idee war, dass Rolf Wegener ein normaler Kommissar ist, der seine Arbeit macht. Aber als ich anfing, diese Idee auszuarbeiten, ging es in eine ganz andere Richtung. Sehr schnell machte mir Rolf Wegener klar, dass er nicht der Kommissar ist, den ich im Exposé beschrieben hatte.

Ellen, Wegeners Frau, ist eine perfide Person, die ihrem Mann das Leben zu Hölle mach, und doch schafft er den Absprung nicht. Was hat es auf sich mit diesem Beziehungsgeflecht?

Petra Hammesfahr: Normalerweise sind es Frauen, die misshandelt werden und es nicht schaffen, sich von ihrem Peiniger zu trennen, weil sie emotional oder finanziell abhängig sind. Ich wollte zeigen, dass auch Männer zum Opfer werden können. In die Opferrolle wurde Rolf Wegener als Kind schon von seiner Mutter gedrängt. Ihm wurde eingebläut, er sei minderwertig, ein Bastard und schuld am Tod seiner Schwester. Sich zu wehren, hat er nie gelernt.

Rolf Wegener muss trotz persönlicher Krisen den brutalen Mord an einer Frau aufklären, die alle für einen Engel gehalten haben. Hätte Marisa Behrend tatsächlich auch Wegener retten können?

Petra Hammesfahr: Ich würde Marisa Behrend nicht als Engel bezeichnen. Wie Rolf Wegener hatte sie es nicht leicht im Leben, aber im Gegensatz zu ihm hat sie es geschafft, den Dreck und die Demütigungen hinter sich zu lassen. Ob sie Wegener hätte retten können? Wäre sie nicht umgebracht worden, hätte er doch nie erfahren, dass sie Männer mochte, dass sie keinen verurteilte und für vieles Verständnis hatte.

»Die Frau, die Männer mochte« ist der erste Hammesfahr-Roman, der vor 25 Jahren erstmals in einem Verlag veröffentlicht wurde. Wie kam es dazu?

Petra Hammesfahr: Nachdem ich 1990 die ersten Kurzgeschichten veröffentlicht hatte, kam das Angebot von Bastei Lübbe, einen Kriminalroman zu schreiben. Bei 159 Absagen für sechs fertige und zwei halb fertige Romane musste ich zugreifen, obwohl ich bisher keinen Krimi geschrieben hatte. Die erste Fassung des Romans, die ich damals abgeliefert habe, hatte 360 Seiten und musste fast um die Hälfte gekürzt werden: Verlagsvorschrift.

Nun wird die überarbeitete Neuausgabe veröffentlicht. Was haben Sie verändert?

Petra Hammesfahr: Mir fehlte immer die Zeit, meinen ersten gedruckten Roman komplett zu überarbeiten. Diese Zeit habe ich mir nun genommen. Geblieben ist eigentlich nur die Grundidee von der schönen Toten auf dem Bett und dem Kommissar mit einer schweren Depression. Alles andere ist entweder ganz neu – wie der Mordfall Swetlana – oder besser ausgearbeitet – wie der junge Simon Pauli. Den bösen Fehler, der mir in der ersten Fassung unterlaufen ist und den ich erst erkannte, als ich mich intensiver mit Forensik beschäftigte, habe ich natürlich auch korrigiert. Und der Schluss ist nun ganz anders.

Warum haben Sie sich schon damals dafür interessiert, die Verletzungen, die sich Menschen gegenseitig zufügen, aufzuspüren und zu zeigen, wozu Menschen in Ausnahmesituationen fähig sind?

Petra Hammesfahr: Psychische Verletzungen waren von Anfang an mein Thema. Körperliche Misshandlungen richten großen Schaden an, aber sie sind offensichtlich. Geprügelte Seelen sieht man nicht.
Mein allererstes Manuskript, das hundertmal angeboten, aber nie veröffentlicht wurde, hieß »Risse in der Seele«. Ein scheußlicher Titel, fand der erste Lektor, mit dem ich zu tun hatte. Den Titel habe ich daraufhin verworfen, den Inhalt des Manuskriptes später allerdings auf dreißig andere Romane verteilt.


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Petra Hammesfahr

Die Frau, die Männer mochte

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