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Catherine Herriger - »Meine Ex nagelt mich an die Wand«

»Meine Ex nagelt mich an die Wand« von Catherine Herriger - Goldmann Verlag

Fürsorge-Charta für ein Trennungskind


1. Ich, das Kind, darf weder von meiner Mutter noch von meinem Vater in irgendeiner Form vernachlässigt werden. Ich bleibe Teil ihrer beiden Leben, was auch immer kommen mag. Denn ich habe das verbriefte Recht auf beide Elternteile – das weiß meine Mutter, das weiß mein Vater.

2. Ich muss auch keine Schuldgefühle entwickeln. Ich weiß ja, dass die Trennung meiner Eltern nichts mit mir zu tun hat. Beide haben es mir wiederholt und in aller Liebe begreiflich gemacht. Beide meine Eltern schützen mich vor seelischen Qualen, indem sie mich weder zum Gegenstand ihrer Streitigkeiten machen noch mich in irgendeiner Form instrumentalisieren.

3. Meine kleine Person, meine kindliche Anhänglichkeit und mein grenzenloses Vertrauen werden respektiert und weder von meiner Mutter noch von meinem Vater ausgenützt oder missbraucht.

4. Meine Loyalität wird weder von dem einen noch von dem anderen Elternteil eingefordert. Es darf mir kein Entscheidungskonflikt entstehen, weder seitens meiner Mutter noch meines Vaters.

5. Meine Mutter wie mein Vater reden offen mit mir über ihre Absichten und Handlungen, stets im Bewusstsein, dass sie dies meinem Alter entsprechend tun sollten, das heißt, mich damit nicht überfordern dürfen.

6. Ich kann mich jederzeit mitteilen, meine Gedanken und meine Gefühle äußern, Fragen stellen, ohne danach Sanktionen und/oder Liebesentzug befürchten zu müssen. Ich werde gehört.

7. Weder meine Mutter noch mein Vater reden in meiner Gegenwart schlecht über den abwesenden Elternteil, weil es mir wehtut, mich verunsichert und ich sowieso nicht weiß, wie ich darauf reagieren soll.

8. Meine Mutter und mein Vater nehmen Rücksicht auf meine Sorgen und meine vielleicht ablehnende Haltung, wenn sie sich einem anderen Partner beziehungsweise einer anderen Partnerin zuwenden. Ich brauche viel Zeit, um mich auf eine neue Struktur, auf eine neue Bindung in meinem nächsten Umfeld einzustellen.

9. Ich muss mich sicher fühlen können, nur so kann ich mich zu einem emotional stabilen jungen Menschen entwickeln. Diese Sicherheit habe ich aber nur, wenn meine Mutter wie auch mein Vater wieder zufrieden sind und gut miteinander auskommen. Ihr Wohl ist nun mal eng mit meinem verbunden und das soll auch so sein. Es sind meine Eltern, und ich bin und bleibe ihr Kind.

Aus: "Meine Ex nagelt mich an die Wand" von Catherine Herriger.