Meyer, Marissa
© Kali Raisl

Interview mit Marissa Meyer

Marissa schrieb bereits als Jugendliche ihre ersten Geschichten.
Nach dem Studium (Kreatives Schreiben und Buchwissenschaften) arbeitete sie zunächst als Lektorin in Seattle, bis sie ihren ersten Buchvertrag bekam. Mit den Luna-Chroniken gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Die Bücher verkauften sich millionenfach in 27 Ländern. Marissa Meyer lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in Tacoma, Washington.

Wie kam Ihnen die Idee zu den RENEGADES?


Vor etlichen Jahren, auf der Fahrt zu einer Lesung, entdeckte ich aus dem Augenwinkel ein Baustellenschild. Für eine Sekunde dachte ich, auf dem Schild stünde »In Kürze hier: Die Helden-Schule«. Als ich noch mal hinguckte, stand dort natürlich etwas ganz anderes, aber mir schoss durch den Kopf: Wäre es nicht cool, wenn es wirklich eine Schule für Superhelden gäbe? Ich habe dann gleich weitergedacht, nämlich an eine Schule für Superhelden und eine andere Schule für Super-Schurken, und beide bekämpfen sich. Doch am Ende verlieben sich ein Mädchen von der einen und ein Junge von der anderen Schule ineinander. Die Sache mit der Schule hat es dann nicht ins Buch geschafft, aber die Idee mit dem Mädchen und dem Jungen, die hat sich herauskristallisiert.



Wie sind Sie auf die Superkräfte gekommen, die die einzelnen Figuren besitzen?


Manchmal sind sie mir wie von selbst eingefallen, zum Beispiel bei Nova. Sie besitzt zwei Fähigkeiten: Die eine ist, dass sie niemals schlafen muss. Und das ist so eine klassische Übertragung, denn wie oft habe ich schon gedacht: Wenn ich nicht schlafen müsste, könnte ich so viel mehr schaffen! Und ihre zweite Fähigkeit, nämlich andere Menschen zum Schlafen zu bringen, ist einfach die Kehrseite der Medaille.



Es ist Ihnen sehr wichtig, die Geschichte aus zwei Perspektiven zu erzählen, aus der der Schurken und der Superhelden. Warum?


Ich finde, die Geschichte verlangt das einfach. Es gibt Handlungsstränge, zu denen Nova der Schlüssel ist, und andere, zu denen Adrian der Schlüssel ist. Außerdem ist es schließlich eine Liebesgeschichte, ihre Liebesgeschichte. Ich wollte daher die Konflikte darstellen, die sie beide zu durchleiden haben. Lange Zeit erkennen die beiden das Alter Ego des jeweils anderen nicht, als es dann doch passiert, war es mir wichtig zu zeigen, dass Nova nicht einfach etwas gegen Adrians Familie hat, sondern dass es für sie sehr nachvollziehbare Gründe gibt, die Renegades abzulehnen. Umgekehrt hat Adrian genauso verständliche Gründe, gegen die Schurken zu sein. Das wollte ich so ausführlich darstellen wie möglich.



In den RENEGADES gibt es eine ganze Menge Superhelden – die auch noch jeweils zwei verschiedene Namen haben. Wie konnten Sie das beim Schreiben alles im Blick behalten?


Ich habe in meinem Arbeitszimmer drei Whiteboards. Normalerweise verwende ich sie zum Plotten, aber als ich damit bei den RENEGADES fertig war, benutzte ich eine Tafel für eine Liste der Ratsmitglieder, die zweite für die Namen der Schurken und die dritte für die übrigen Renegades. So konnte ich mir sicher sein, dass ich nicht nur im Auge behielt, wer wer ist, sondern auch, dass alle Charaktere regelmäßig einbezogen und keiner vergessen wird.



Warum sind Superhelden eigentlich so faszinierend und begegnen uns so oft in der Literatur?


Superhelden gehören zu den Phänomenen, die nie wirklich aus der Mode kommen. Ich glaube, dass es mit dem Identifikationspotenzial dieser Figuren zu tun hat. Die Vorstellung, Superkräfte zu haben, ist einfach unglaublich attraktiv. Wer würde nicht gern fliegen oder das Wetter kraft seiner Gedanken kontrollieren? Eine unwiderstehliche Fantasie! Doch da steckt noch mehr dahinter, nämlich die zutiefst menschliche Sehnsucht, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, den Unterdrückten zu helfen, Gerechtigkeit zu üben, die Bösen ein für alle Mal zu bestrafen.



Was ist Ihnen bei der Beschreibung und Charakteristik Ihrer Figuren, die ja alle sehr unterschiedlich sind, besonders wichtig?


Vor allem der Anspruch auf Authentizität. Unsere Welt ist schließlich voller einzigartiger, interessanter Persönlichkeiten, Menschen, von denen jeder einen ganz anderen kulturellen und sozialen Hintergrund hat. Ein Buch zu schreiben, in dem alle Figuren gleich aussehen oder aus dem gleichen Milieu stammen, käme mir völlig falsch vor – und furchtbar langweilig! Ich möchte, dass meine Bücher den Reichtum der Wirklichkeit widerspiegeln. Und ich wünsche mir, dass meine Leser einen Bezug zu den Figuren haben und hoffentlich wenigstens einen Helden finden, mit dem sie sich identifizieren können. Wir alle sollten die Möglichkeit bekommen, Superhelden zu sein!

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