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SPECIAL zu Romain Sardou »Advocatus Diaboli«

Teuflische Intrigen in der heiligen Kirche

von Eva Hepper

Rom, um das Jahr 1288. Benedetto Gui ist eine faszinierende Persönlichkeit, und sein kleiner Laden, mitten in einem ärmlichen Viertel Roms gelegen, gleicht einem geheimnisvollen Universum: Er ist bis unter die Decke vollgestopft mit Büchern, Ledereinbänden, Handschriften und Papieren, mit seltenen Metallen und Arzneifläschchen aller Art. Sogar Katzenknochen und Tierhäute gehören zu diesem Sammelsurium, das die vielseitigen Interessen seines Inhabers widerspiegelt. Seine Nachbarn lieben ihn, und fast das gesamte Viertel ist ihm zu Dank verpflichtet. Denn Benedetto hat, wie es sein Ladenschild behauptet, „auf alles eine Antwort“ und seinen Kunden und Freunden schon unzählige Male – nicht selten unentgeltlich – aus der Bredouille geholfen.

Der verschwundene Bruder
Diesmal jedoch steht Benedetto Gui vor einem Rätsel, als ein junges Mädchen ihn um Hilfe bittet bei der Suche nach ihrem verschwundenen Bruder. Rainerio arbeitet im päpstlichen Lateranpalast und ist plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Sich aus den Angelegenheiten der Kirche und ihrer Bediensteten herauszuhalten, war für Gui immer oberstes Gebot, aber das Mädchen rührt ihn, und so beginnt er, Nachforschungen anzustellen. Weit kommt er allerdings nicht, denn alle, die er befragen könnte, sterben auf mehr oder minder mysteriöse Weise. So auch der berühmte „Advocatus Diaboli“, dessen Assistent Rainerio war. Ein Advocatus Diaboli vertritt als Glaubens- oder Kirchenanwalt bei Selig- oder Heilsprechungsverfahren die Gegenseite und muss versuchen, Einwände gegen die vermeintlichen Wundertaten vorzubringen. Augenscheinlich macht man sich dabei nicht nur Freunde – aber warum musste er gleich sterben? Und was ist mit seinem Assistenten geschehen?

Ein Dorf in Südfrankreich
Rom und die seltsamen Ereignisse um den Lateranpalast sind nicht nur geografisch weit weg von dem kleinen französischen Dörfchen Cantimpré. Die Menschen dort gehen ihrer Arbeit als Bauern oder Handwerker nach, Pater Aba kümmert sich um die seelischen Belange und die Bildung der Kinder. Ein kleines Idyll, über dem allerdings ein Geheimnis liegt. Seit einigen Jahren wurde niemand mehr ernsthaft krank, die schwangeren Frauen entbinden mit unnatürlicher Leichtigkeit, und die Kindersterblichkeit ist auf Null gesunken. Der Pfarrer, der weiß, dass alles Ungewöhnliche im Ruf der Teufelei oder Hexerei steht, versucht, wenig Aufhebens um diese Segnungen zu machen. Aber er kann nicht verhindern, dass sich Gerüchte verbreiten und sich der Blick der Kirche auf Cantimpré richtet.

Ein schrecklicher Angriff
Auf das, was eines Morgens geschieht, ist der aufmerksame Pater nicht vorbereitet. Mitten in seinen Unterricht platzt eine Schar schwarz gewandeter Vermummter. Ein Kind wird bei dem Überfall getötet, ein weiteres entführt. Dass es ausgerechnet Perrot ist, der Wunderknabe, mit dessen Geburt die Mirakel in Cantimpré begonnen haben, kann kein Zufall sein, da ist er sich sicher. Aber was wollen die Männer von dem Kind? Und wohin verschleppen sie den Jungen? Pater Aba bleibt nichts anderes übrig, als den Rosenkranz gegen das Schwert einzutauschen und die Verfolgung aufzunehmen.

Eine Verschwörung von ungekanntem Ausmaß
Der Leser beginnt zu ahnen: Die Ereignisse in Rom und die Kindesentführung in Cantimpré müssen irgendwie zusammenhängen. Aber die Geschichte, die der französische Autor Romain Sardou entfaltet, ist so teuflisch, dass man lange nicht ahnt, wie die Fäden zusammenlaufen. Die Kirche hat ihre Finger im Spiel, ein böses Komplott wird geschmiedet innerhalb des Lateranpalastes, aber die Absichten, die dahinter stecken, bleiben lange ebenso verborgen wie die Drahtzieher.
Sardou ist mit „Advocatus Diaboli“ ein spannender Mittelalter-Thriller gelungen. Dabei nutzt er das Italien und Frankreich des 13. Jahrhunderts nicht nur als Kulisse, sondern beschreibt Zeit und Sitten kenntnisreich und detailgenau. Der Leser erfährt einiges über die Menschen und die Bedingungen, unter denen sie lebten, während er Benedetto Gui und Pater Aba bei ihren Nachforschungen bzw. bei der Verfolgung der Entführer folgt. Die Jagd führt von Rom bzw. Südfrankreich aus über Böhmen nach Umbrien, Latium, Ancona und schließlich wieder zurück in die Papststadt. Ein Buch, das man in einem Zug lesen muss – um zu einem Ende zu gelangen, das furchtbare Enthüllungen birgt ...

Eva Hepper
(Literaturtest)
Berlin, Dezember 2009

Advocatus Diaboli Blick ins Buch

Romain Sardou

Advocatus Diaboli

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