Jeaniene Frost: Romantasy mit Biss

SPECIAL zu Jeaniene Frost

Jeaniene Frost über den Beginn ihrer Autorenkarriere

von Jane Litte

Auf dearauthor.com berichten unter der Rubrik »My First Sale« die unterschiedlichsten Autoren, wie ihre Karriere angefangen hat. Jeaniene Frost erzählt:
Jeaniene Frost
© Vicki Pettersson
Wie die meisten Autoren habe ich als Leserin angefangen, aber erst als ich im Bücherschrank meiner Mutter den Roman Skye O'Malley von Beatrice Small fand, wurde ich ein echter Bücherwurm. Von da an verschlang ich jeden Liebesroman, der mir in die Finger kam. Sogar mein Taschengeld maß ich daran, wie viele Romane ich davon kaufen konnte.

Meine zweite frühe Leidenschaft waren Horrorfilme. Am besten gefielen mir bald die Vampire. Das ging so weit, dass ich mir ständig wünschte, Dracula würde über Van Helsing siegen. Meine Liebe zum Übersinnlichen war in meiner Familie eher eine Ausnahmeerscheinung. Während meine Schwestern sich nach der Schule Seifenopern ansahen, vertiefte ich mich in die Geschichten aus der Gruft und las danach einen Liebesroman. *grins* Meinen Lesern erklärt das bestimmt einiges.

Ich wollte schon immer gern selbst einen Roman schreiben, bin aber ein klassischer Spätzünder. Nachdem ich die Highschool beendet hatte, nahm ich einen Ganztagsjob an und heiratete im Alter von neunzehn Jahren. Meine schriftstellerischen Träume mussten warten, während ich mit Rechnungen, meiner Arbeit und den typischen Problemen jung Verheirateter zu kämpfen hatte und gleichzeitig versuchte, Geld für ein Eigenheim zurückzulegen. Einige Monate vor meinem dreißigsten Geburtstag allerdings ging mir auf, wie lange ich meinen Traum schon vernachlässigt hatte. Etwa um diese Zeit kam mir auch die Idee zu einem Roman über meine Lieblingskreaturen, allerdings gab es da eine kleine Besonderheit; meine Heldin sollte halb Mensch, halb Vampir sein. Ich wälzte die Idee in meinem Kopf, ließ sie wachsen und tat schließlich, was ich seit über einem Jahrzehnt versäumt hatte – ich setzte mich hin und fing an zu schreiben.

Als ich meinen ersten Roman zu Ende geschrieben hatte, ging für mich ein Traum in Erfüllung. Nun, da ich einmal mit dem Schreiben angefangen hatte, statt immer nur davon zu träumen, ging mir auf, dass es mir ebenso viel Spaß machte wie das Lesen selbst. Es gefiel mir sogar so gut, dass ich gleich noch eine Fortsetzung in Form eines zweiten und dritten Bandes schrieb. Als ich mich an den vierten machen wollte, sagte mein Mann: »Schatz, solltest du nicht vielleicht erst mal abwarten, ob sich dein erstes Buch verkaufen lässt, bevor du immer mehr zum selben Thema schreibst?« Gutes Argument. Nach langem Nachforschen und viel Nervenflattern, machte ich mich auf die Suche nach einem Agenten.

Schon bald darauf wurde mir klar, dass es irreal gewesen war, ein Manuskript auf einen Rutsch »zu Ende« schreiben zu wollen. Je mehr Absagen ich erhielt, desto öfter überarbeitete ich meinen ersten Roman. Jede Überarbeitung allerdings war eine unschätzbare Lernerfahrung, und es gefiel mir zu sehen, wie meine Geschichte besser und die Stimmen meiner Charaktere deutlicher wurden. Ich musste die Rohfassung noch mehrmals umschreiben, bis mich eine Agentin unter Vertrag nahm, aber schließlich wurde mein Manuskript Lektoren vorgelegt.

Drei Monate danach, ich war gerade bei der Arbeit, setzte mich meine Agentin per E-Mail davon in Kenntnis, dass Harper Collins mir einen Vertrag über zwei Bände angeboten hatte. Auf meinen Aufschrei hin kam mein Vorgesetzter angerannt, der bestimmt mit irgendeiner Katastrophe rechnete. Ich aber deutete nur auf die E-Mail und sagte: »Lesen Sie mir das laut vor, damit ich weiß, dass ich nicht träume.« Für das Mädchen, das mit einer Leidenschaft zu Liebesromanen, Vampiren und Horrorfilmen aufgewachsen war, hatte sich mehr als nur ein Traum erfüllt.

Mein erster Roman, Halfway to the Grave (deutscher Titel: Blutrote Küsse), kam am 30. Oktober 2007 in die Buchläden und außerdem in die Bestsellerlisten der New York Times (erweiterte Liste) und der USA Today. Seither habe ich mehrere Bücher verkauft, schreibe hauptberuflich und kann mich mit ganzer Hingabe meinen Geschichten von Vampiren, Liebe, Abenteuer und Gefahr widmen. Wie es aussieht, war alles, was als Teenager »seltsam« an mir gewesen ist, eine bloße Vorbereitung für meinen späteren Beruf.