Jeaniene Frost: Romantasy mit Biss

SPECIAL zu Jeaniene Frost

Interview mit Jeaniene Frost

von Stephanie Wang

Was hat dich dazu gebracht, mit dem Schreiben anzufangen?
JF: Ich finde, du hast die Frage schon ganz korrekt formuliert: Was hat mich dazu »gebracht«. In meinem Kopf waren so viele Geschichten und Figuren, die die ganze Zeit gequasselt haben, dass ich einfach alles aufschreiben musste, um endlich meine Ruhe zu haben. Ich bin von Natur aus faul, und so mussten erst einige Geschichten zusammenkommen, bis ich sie zu Papier brachte, weil sonst mein Gehirn überlastet gewesen und ich wahnsinnig geworden wäre. *lol*

Wie lange schreibst du schon?
JF: Diesen Monat sind es sechs Jahre. Ich hatte damals das Online-Profil eines Schauspielers gelesen, in dem stand, dass er außerdem Maler, Bildhauer, Dichter, Herausgeber und politischer Aktivist war (Viggo Mortensen, falls es jemanden interessiert). Ich las also sein Profil, und mein dreißigster Geburtstag stand kurz bevor, und da wurde mir bewusst, dass ich meinen Traum von einer schriftstellerischen Karriere schon viel zu lange vor mir hergeschoben hatte. Im meinem Kopf wimmelte es zwar von Geschichten und Figuren, aber ich hatte mich immer davor gescheut, sie aufzuschreiben. An diesem Tag hörte ich auf, immer nur darüber nachzudenken und machte mich an die Arbeit.

Kannst du uns etwas über dein Buch erzählen?
JF: In meinem aktuellen Roman geht es um eine Nebenfigur aus der Night-Huntress-Reihe, einen Vampir namens Spade. Er hat eine eigenständige Handlung, sodass Leser, die meine anderen Bücher nicht kennen, ohne Probleme einsteigen können. Wer die Night-Huntress-Reihe gelesen hat, schon immer mehr über Spade wissen wollte und jetzt außerdem neugierig auf die Romanheldin geworden ist, *zwinker*, wird natürlich ebenfalls auf seine Kosten kommen. Der Titel steht noch nicht fest, aber die Veröffentlichung ist für Frühjahr 2010 angedacht.

Wie bist du auf die Idee für die Night-Huntress-Reihe gekommen? Ganz plötzlich … oder eher nicht so schlagartig?
JF: Meine Romanhelden sind mir im Traum erschienen. Eine Halbvampirin und ein Vampir stritten sich; er war sauer, weil sie ihn verlassen hatte. Wer die beiden waren, warum eine Halbvampirin und ein Vampir sich getrennt hatten, und in was für einer Welt die beiden lebten, das verarbeitete ich in meinem ersten Roman, BLUTROTE KÜSSE. Der Streit der beiden, der mich überhaupt auf die Idee zu der Reihe gebracht hat, spielt übrigens lustigerweise in Band zwei, KUSS DER NACHT. Es brauchte also ein ganzes Buch um zu erzählen, wer die beiden sind, wie sie sich kennengelernt haben und warum sie ihn verlassen hat.

Wo schreibst du am liebsten?
JF: An meinem Schreibtisch, unten, weit weg vom Internet! Dort sieht es chaotisch aus, aber ich weiß, wo alles ist und habe immer Haftnotizen/Schmierpapier in der Nähe meines Laptops liegen, sodass ich neue Ideen jederzeit schnell aufschreiben kann.

Welche Szene aus deinen Büchern war für dich am schwersten zu schreiben?
JF: Hmm. Keine Szene, aber Kapitel einundzwanzig bis vierundzwanzig von AT GRAVE'S END (deutscher Titel: „Gefährtin der Dämmerung“) waren schon sehr schwierig. Meine Heldin glaubt, alles sei verloren und versucht, sich – und ihre Leute – irgendwie vor dem totalen Zusammenbruch zu bewahren. Ihre Gefühle waren in diesen Kapiteln so heftig, dass es auch mir schwerfiel, mich in sie hineinzuversetzen und ihnen einen angemessenen Ausdruck zu verleihen. Ich persönlich schreibe lieber unbeschwerte, lustige Szenen, aber die düstere Seite der Welt zu ignorieren, in der meine Figuren leben, wäre Verrat an meinen Lesern.

Und mit welcher Figur hast du dich am schwersten getan?
JF: Bones. Ich plane, in einem Extraband eine Kurzgeschichte herauszubringen, in der er seine Sicht der Dinge schildert. Und ihn dazu zu bringen, mir einen Einblick in seine Gedankenwelt zu gewähren, war, als wollte ich eine Stahltür mit einer Nagelfeile aufstemmen. Meine Heldin trägt ihr Herz (manche sagen auch, ihr Hirn)auf der Zunge, also ist es viel leichter, in ihre Gedanken vorzudringen. Bones' hält seine Gefühle sehr stark unter Verschluss, besonders vor seinem Zusammentreffen mit Cat, und da spielt die Geschichte. In seinen Kopf einzudringen und die Geschichte von seinem, nicht meinem, Standpunkt aus zu erzählen, war sehr schwierig.

Welche Figur aus deinen Romanen magst du am liebsten und warum?
JF: Vermutlich meine Heldin, Cat. In ihr sehe ich ein wunderbares Gewirr aus guten Absichten, Leichtsinn, Tapferkeit, Loyalität, Unsicherheit und Sturheit. Sie ist sich auch selbst die schärfste Kritikerin, weshalb es, da sie ja meine Ich-Erzählerin ist, relativ schwierig ist, ihre Stärken zur Geltung zu bringen, denn Cat konzentriert sich sehr auf ihre Schwächen. Wenn ich eine Szene schreiben könnte, in der ich Cat begegne, würde ich ihr sagen, sie solle ein bisschen weniger hart mit sich ins Gericht gehen, denn sie macht zwar Fehler (eine ganze Menge sogar), aber sie versucht auch aus tiefstem Herzen, für alle anderen – und erst an zweiter Stelle für sich selbst – das Beste zu erreichen. Das bewundere ich sehr an ihr.

Welche deiner Romanfiguren würdest du gern mal kennenlernen, wenn das möglich wäre?
JF: Bones, den Held meines Romans. Er ist ein Jahrhunderte alter Vampir, der so gar nicht dem stereotypischen Blutsaugerimage entspricht. Am liebsten würde ich mal für ein paar Stunden in seinen Kopf sehen können, um an einige der Geschichten zu kommen, die er bestimmt zu erzählen hat. Und wenn ich herausfinden könnte, wie es wirklich ist, von einem Vampir gebissen zu werden – und mein Abenteuer überleben würde – könnte das meinen schriftstellerischen Fähigkeiten nur zugute kommen, nicht wahr? Hah! Seltsamerweise würde ich mich vor einem Treffen mit Bones auch am meisten fürchten. Bones ist ein absolut todbringender Gegner, und wenn er wüsste, dass einige seiner Lieben ihr schlimmes Schicksal nur meiner kranken Fantasie zu verdanken haben, mit der ich mir spannende Geschichten für meine Leser ausdenke, … würde er mich umbringen. Ganz bestimmt. Also lasse ich das wohl lieber. :-)

Wie lange hast du an deinem Buch geschrieben?
JF: An meinem ersten Buch habe ich drei Monate geschrieben und es dann über ein Jahr lang immer wieder überarbeitet, bis es in eine Form gebracht war, die man veröffentlichen konnte. Wenn man schreibt, bleibt so etwas nicht aus, zumal wenn man gerade erst angefangen hat. Anfangs dachte ich, ich wäre eine Versagerin, weil ich alles noch einmal umschreiben musste. Dann wurde mir allerdings klar, dass es ein Zeichen von Professionalität war, dass mir die Qualität meines Romans mehr am Herzen lag als das Beharren auf der ursprünglichen Version. Jetzt kenne ich in dieser Hinsicht keine Skrupel mehr. Wenn eine Szene nicht in den Roman passt, fliegt sie raus, egal, wie sehr sie mir gefällt. Glücklicherweise habe ich in meinem Fan-Forum eine Rubrik, in der ich solche Szenen veröffentlichen kann, sodass sie doch noch zu Ehren kommen.

Was machst du lieber – lesen oder schreiben?
JF: Das kommt ganz darauf an. Wenn ich Stress mit Abgabeterminen/schlechten Kritiken/Überarbeitungen, etc. habe, lese ich lieber. Wenn mir eine Szene oder ein Kapitel leicht von der Hand geht, gibt es nichts Cooleres als Schreiben.

War es schwer für dich, einen Agenten und einen Verlag zu finden?
JF: Hm, ja. Wie oben bereits angedeutet, musste ich mein Manuskript mehrmals überarbeiten, bis es die Form erreicht hatte, die schließlich verkauft wurde. In der Zeit, in der ich daran arbeitete, habe ich mich bei Agenten beworben und jede Menge Absagen kassiert. Es dauerte zwei Jahre von der Fertigstellung der ersten Version (September 2003) bis zu dem Zeitpunkt, an dem eine Agentin mich unter Vertrag nahm (Oktober 2005). Verglichen mit anderen Autoren ist das eine lange Zeit, aber auch wieder relativ kurz, im Vergleich zu wieder anderen. Jeder Autor hat einen anderen Weg vor sich, aber die wenigsten sind ein Spaziergang.

Wie gehst du mit Schreibblockaden um?
JF: Ich höre Musik, sehe mir Filme an, gehe Spazieren, frage Freunde, was sie von meinen Ideen halten oder alles zusammen. Da gibt es kein Patentrezept. Man muss einfach alles Mögliche ausprobieren, bis man sie überwunden hat.

Wie sieht der nächste Schritt in deiner Karriere aus?
JF: Ich würde gern mehr über einige Nebenfiguren aus Cats Welt schreiben. Außerdem habe ich schon mindestens zwei Ideen für neue Romanserien, die nichts mit Cat und Bones zu tun haben. Bis Ende 2010 ist mein Terminplan ziemlich dicht gedrängt, aber wenn ich trotzdem dazu komme, eines der erwähnten Bücher zu schreiben, mache ich das bestimmt. Ich merke, wie sich die Geschichten und Figuren in mir immer eindringlicher Gehör verschaffen wollen. Meiner Meinung nach immer ein gutes Zeichen :).

Irgendwelche Ratschläge für angehende Schriftstellerinnen und Schriftsteller?
JF: Es hört sich zwar an wie ein Klischee, aber der beste Ratschlag, den ich geben kann ist wirklich der: Schreiben. Je mehr man schreibt, desto besser wird man. Viel lesen hilft auch. Man darf sich auch nicht scheuen, seinen Roman beziehungsweise seine Romane umzuschreiben, denn auf Anhieb klappt es bei den Wenigsten. Hat man sein Manuskript schließlich in die bestmögliche Form gebracht, eine zweite (oder dritte) konstruktive Kritik eingeholt und es dann noch einmal überarbeitet und ausgefeilt, kann man auf die Suche nach einem Agenten gehen. Mit Absagen sollte man auf jeden Fall rechnen! Damit muss jeder Schriftsteller leben. Erhält man eine Absage, sollte man keinesfalls Hassblogs verfassen, in denen man alle Agenten, die einen nicht haben wollten, als Idioten beschimpft (Agenten lesen so was, wenn sie in Betracht ziehen, ein vollständiges Manuskript anzufordern, und dann hat man vielleicht gerade einen ihrer Kollegen oder den besten Freund beleidigt). Auch über die Bücher anderer Autoren sollten man in seinem Blog nicht herziehen, indem man beispielsweise behauptet, das eigene Werk wäre ja so viel besser als der Mist, den sie schreiben. Eines Tages will der eigene Verlag vielleicht einen verkaufsfördernden Kommentar von eben diesem Autor auf dem Cover des eigenen Romans abdrucken. Oder der Agent, bei dem man sich gerade beworben hat, ist der Agent des geschmähten Autoren und fühlt sich durch die Beleidigungen auf den Schlips getreten. Hartnäckigkeit zahlt sich aus – besonders bei der Suche nach einem Agenten –, aber vor allem sollte man immer professionell bleiben.

Auf meiner Website habe ich einen Link, unter dem man sich ein wenig über die Agentensuche und ihre Tücken schlau machen kann. Bei Agenten bewerben sollte man sich allerdings erst, wenn man sein Manuskript wirklich zu Ende geschrieben und mehrmals gründlich überarbeitet hat. Erst schreiben. Dann sicherstellen, dass man es selbst toll findet. Dann den Sprung in die Verlagswelt wagen :)

Quelle: juciliciousssreviews.blogspot.com