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Ron McLarty »Die unglaubliche Reise des Smithy Ide«

SPECIAL zu Ron McLarty »Die unglaubliche Reise des Smithy Ide«

Das beste Buch, das sie nicht lesen können

Stephen King zu Ron McLartys Roman

Mein Job bei ENTERTAINMENT WEEKLY besteht nicht im Schreiben von Buchrezensionen. Trotzdem kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass Ron McLartys "Die unglaubliche Reise des Smithy Ide" der beste Roman ist, den Sie dieses Jahr nicht lesen werden. Aber hören können Sie ihn, und ich bin fast sicher, Sie werden mir dankbar für den Tipp sein, wenn Sie es tun.

Die unglaubliche Reise ist die Geschichte des 279 Pfund schweren Smithy Ide. Der Typ raucht zu viel, trinkt zu viel, isst zu viel, und der erste Herzinfarkt wartet nur noch auf den richtigen Augenblick. Der Typ ist fertig - auf hinreißend konfuse Weise fertig. Und eines Tages hängt sein "fetter Arsch" über den Sattel seines Kinderfahrrads, und Smithy befindet sich unversehens auf der Reise quer durch Amerika, von Rhode Island nach L.A. - wo er den Leichnam seiner Schwester aus dem Leichenschauhaus holen will -, und unterwegs begegnet er einer Parade von farbenprächtigen Charakteren. Anders als Huck Finns Abenteuer erreicht das, was Smithy erlebt, keine literarischen Höhen, aber es ist immer unterhaltsam und manchmal ungeheuer komisch.

Und warum können Sie das nicht lesen?

Weil - zumindest bis heute - kein Verlag es auch nur mit der Kneifzange anfassen möchte. Verlage, früher einmal stolz und unabhängig, sind heute nichts als die Glasperlenketten der Konzerne, und ihre kulturelle Macht ist so gut wie verschwunden. Romane, die weder zu den doofen Bestsellern (denken Sie an James Patterson) noch zur langweiligen "seriösen Literatur" (denken Sie an William Gaddis, Paul Auster und ähnlich überschätzte Autoren) gehörten, mussten mit als Erstes verschwinden, als die Konzerne das Geschäft übernahmen. Langweilig oder doof - das ist so ziemlich die ganze Auswahl, die Sie heutzutage in der Buchhandlung noch haben.

Wo bleibt da Platz für Ron McLarty (den an chronischer Schlaflosigkeit leidenden Schauspieler und Bühnenautor, der die Geschichte von Smithy Ide in den frühen Morgenstunden auf Stapel von gelben Notizblöcken kritzelte)? Es sollte einen Platz für ihn geben, denn - in diesem Punkt müssen Sie mir einfach vertrauen, wenigstens vorläufig - Smithy ist ein amerikanisches Original, das einen Platz im Regal gleich unter Ihren Hucks, Ihren Holdens und Ihren jungen Yossarians verdient hat. Und dank einer Kombination aus Glück und schlichtem Zufall gibt es einen solchen Platz.

Denn einer von Ron McLartys Jobs ist der eines Sprechers bei Recorded Books, einer Firma, die seit 1979 ungekürzte Romane als Hörbücher herausbringt. Sein Boss ist eine Frau namens Claudia Howard, und eines Tages vor vier Jahren ging McLarty zu Ms. Howard und zeigte ihr seinen Roman, der bis dahin "von den Besten in der Branche", wie wir sagen, abgelehnt worden war. Sie war bezaubert von Smithy und entsetzt über die Tatsache, dass ein so prächtiger Roman nicht nur kein Publikum finden sollte, sondern nicht mal die Chance bekam, eins zu finden (wenn Sie verstehen, was ich meine). Also tat sie, was sie konnte: Sie produzierte "Die unglaubliche Reise des Smithy Ide" als Hörbuch. Und damit wären wir bei der Möglichkeit, wie Sie dieses Buch hören können: Besuchen Sie www.recordedbooks.com und kaufen oder mieten Sie die CD- oder MC-Fassung des Buches, gelesen von Ron McLarty selbst. Deshalb sage ich, es ist vielleicht das beste Buch, das Sie dieses Jahr nicht lesen werden. Sie könnten es beim Joggen auf Ihrem Discman hören, oder im Auto, wenn Sie zu Tante Doris nach Des Moines fahren, aber Sie werden es nicht lesen. (Ich weiß nicht mal, ob der Held Smithy oder Smithie heißt, weil ich seinen Namen auch nie gedruckt gesehen habe.)

Die jüngste Verlagsgeschichte ist voll von verdienstvollen Romanen, die es nur um Haaresbreite geschafft haben, an die Öffentlichkeit zu kommen; J. K. Rowlings Jungfernreise mit "Harry Potter" ist eins davon. Oder der traurige Fall von John Kennedy Tooles "Confederacy of Dunces", das erst einen Verlag fand, als der verzweifelte Autor sich umgebracht hatte. (Dann erreichte es die Bestsellerlisten, was für seine Hinterbliebenen vielleicht ein Trost war, vielleicht auch nicht). Die Moral? Da draußen ist ein Dschungel, Baby, und in einer Welt, in der die Konzernbilanz Gott ist (vielleicht ist Mammon das bessere Wort), überleben die Starken, aber nicht die Verdienstvollen.

Dass "Die unglaubliche Reise des Smithy Ide" seine eigene kleine Bühne gefunden hat ist ein Wunder. Ich hoffe, es wird kein verschwendetes Wunder sein. Ich hoffe, Sie werden ein Exemplar des Hörbuchs bestellen und es selbst erleben; genauer gesagt, ich hoffe, die Leser von EW werden Recorded Books überschwemmen mit ihren Bestellungen von Smithy (Smithie?) Ides Abenteuern. Was meinen Sie - wollen wir nicht ein bisschen Geschichte machen? Wenn das passiert, wird das Buch wahrscheinlich verlegt werden - erinnern Sie sich nur an die Stimmung in der Finanzwelt der 90er und 00er Jahre, als man sagen konnte: Geld parliert, Heißluft marschiert. Dieses Buch kann mehr als nur marschieren: Es hat das Zeug zu einem großen Bestseller. Nein, es ist keine Literatur (bitte vergessen Sie nicht, dass ich das gesagt habe), aber es ist großherzig und so sättigend wie der Sonntagsbraten zu Hause bei Ihrer Mom.

Fahren Sie einfach mit Smithy durch Amerika und feuern Sie ihn an, während er abnimmt und sich verliebt und das Leben wieder entdeckt, ja? Sie werden eine Lanze für den guten alten amerikanischen Roman brechen. Und was noch wichtiger ist, Sie werden erleben, was ein guter Roman immer noch bewirken soll: Sie werden ein bisschen lachen, ein bisschen weinen, und Sie werden vielleicht noch eine Extrarunde um den Block fahren (oder joggen), damit Sie erfahren, was als Nächstes passiert. Außerdem werden Sie eine prächtige amerikanische Stimme entdecken - und sie tatsächlich sprechen hören.

Ob ich ein paar Lorbeeren dafür in Anspruch nehmen möchte, wenn so was Schönes passiert?

Das wissen Sie doch.

Sagen Sie ihnen, Steve hat Sie geschickt.

© Entertainment Weekly, 19. Sept. 2003
Deutsche Übersetzung: © Verlagsgruppe Random House