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Royce Buckingham im Interview zu seinem Buch »Die Klinge des Waldes«

Wussten Sie, dass Royce Buckinghams Inspiration für Die Klinge des Waldes eine Disney-Prinzessin war?

Warum schreiben Sie?
Weil ich so viele Geschichten in meinem Kopf habe. Wenn ich sie nicht herausbekomme, werden Sie mich noch wahnsinnig machen!

Haben Sie ein Lieblingsgenre?
Mittelalterliche Fantasy. Früher mochte ich am liebsten Horrorgeschichten. Dann bekam ich Kinder und die Horrorgeschichten verloren ihre Sogkraft. Da ich kein Teenager mehr bin, faszinieren mich Geschichten über Teenager, die im Wald getötet werden, nicht mehr so sehr. Außerdem habe ich mehrere davon. Allerdings gefallen mir gute Gruselgeschichten auch heute noch.

Was hat es mit Mittelalter-Fantasy auf sich?
Ich mag das Konzept des Rittertums, das mit diesem (recht frei ausgelegten) Zeitalter assoziiert wird. Ich bin mir nicht sicher, ob die Menschen tatsächlich ritterlich waren, doch das Konzept eignet sich für einen Charakter gut als Motivation, Heuchelei und inneren Konflikt. Meine Freude am Genre des Mittelalters geht auch auf das Spiel Dungeons & Dragons zurück, bei dem ich lernte, mir mittelalterliche Szenarien auszudenken. Ich habe eine klare Vorstellung davon, wie mittelalterliche Fantasy-Welten aussehen können.
Mir gefällt, dass es keine Technik gibt. Vor diesem Hintergrund scheint es jede Menge Möglichkeiten für Konflikte, Herausforderungen und Dramen zu geben.
In meinem neuen Roman, Die Klinge des Waldes, kommt ein Erfinder vor, der Gegenstände entwirft und baut, die ich mir ausgedacht habe. Sie erscheinen plausibel. Es würde mir heute schwerer fallen, mir Science Fiction auszudenken. Angesichts der technischen Fortschritte unserer Zeit ist es nicht leicht, sich Neuerungen vorzustellen, die über das hinausgehen, was Erfinder bereits tatsächlich tun. Die Technik vermag uns immer wieder zu begeistern. Für mich ist es einfacher (und lustiger), mir vorzustellen, was die Menschen im Mittelalter in Staunen versetzt hat.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
In der mittelalterlichen Welt wäre ein mechanischer Elefant faszinierend. In unserer modernen Welt wäre das vielleicht eine Internetsensation für einen Tag. Erschaffe ich also einen mechanischen Elefanten mit einem Rüssel, aus dem Flammen lodern, und Stoßzähnen, die Pfeile abschießen, werden meine Charaktere (und mein Publikum) sagen: »Wie kann das sein?« oder »Das ist unglaublich!«, und nicht: »Ach, cool, und was ist sonst noch auf YouTube?«

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Geschichten?
Aus allen möglichen Dingen. Eine Geschichte ist ein Drama über alltägliche Probleme, die jeder haben könnte, getreu dem Motto: »Oh nein! Man wird mich töten und ich will nicht …« Das ist sowohl heute als auch im Mittelalter ein echtes Problem. Tatsächlich war es damals wohl schwieriger zu leben und zu überleben. Ein gewöhnliches Drama kann Themen wie »Ich liebe dich nicht« und »Sie sind gefeuert« enthalten.
Ich frage mich auch: »Was wäre, wenn …?« Die Antwort ist dann die Geschichte. In Bezug auf Die Klinge des Waldes dachte ich: »Was wäre, wenn du über eine Disney-Prinzessin schreibst, der schreckliche Dinge passieren? Wie würde sie damit umgehen?« Die Antwort in meiner Welt lautet: nicht sehr gut.
Eine gute Geschichte ergibt sich aus der Art und Weise, wie Menschen mit Konflikten umgehen. Je größer die Herausforderung, desto schwieriger. Die Kämpfe einer gefallenen Prinzessin sind besonders faszinierend.

Die Klinge des Waldes erzählt von einer starken Protagonistin. In Ihren zahlreichen früheren Büchern haben Sie größtenteils über männliche Protagonisten geschrieben. Hatten Sie bei dieser Geschichte einen anderen Ansatz, weil Sie von einer weiblichen Figur erzählten?
In der Mapper-Reihe gibt es eine Protagonistin und es hat mir Spaß gemacht, mit einer weiblichen Hauptfigur zu arbeiten. Auf Grundlage dieser Erfahrung habe ich diese Figur noch besser entwickelt. Sie sollte sowohl Männer als auch Frauen ansprechen. Ihre Schwierigkeiten sind sehr menschlich und haben meistens nichts mit ihrem Geschlecht zu tun (im Sinne von: »Ich will nicht getötet werden«), doch sie lebt in einer Welt, in der Frauen mit bestimmten, einzigartigen Herausforderungen konfrontiert sind.

Was treibt Ihre Geschichten am meisten an? Die Charaktere, die Handlung oder das Erfinden einer Welt?
Früher war es die Handlung, aber jetzt lege ich mehr Fokus auf die Charaktere. Die Leser mögen die Figuren. Wenn den Lesern ein Protagonist gefällt, wollen sie wissen, was er tun wird, auch wenn er es mit so einfachen Konflikte zu tun hat wie: »Was gibt’s zum Abendessen?« Bei diesem Buch konzentrierte ich mich mehr auf die Entwicklung der Prinzessin als auf die Ereignisse um sie herum. Aber natürlich kann ein Zebra seine Streifen nicht ändern. Es gibt noch einige große Wendungen!

Wie hat sich Ihr Schreiben sonst noch weiterentwickelt?
Ich wurde besser im Erfinden von Welten. Wenn Sie Die Klinge des Waldes lesen, werden Sie eine in sich geschlossene und detaillierte Welt erleben. Den Lesern macht es Spaß, eine gut entwickelte Umgebung zu haben. Es ist wie bei Game of Thrones mit seiner vielschichtigen Welt und den vielen unterschiedlichen Charakteren und Orten. Die Stadt, die ich in Die Klinge des Waldes geschaffen habe, umfasst 35 Bezirke, die alle ein eigenes Flair haben. Es ist fast so, als wären München, Paris, Lagos, Seattle, Tokio und Rio alle in einer großen – allerdings mittelalterlichen – Stadt vereint.

Haben Sie einen Lieblingsbezirk?
Der Karnevalbezirk! Er ist auch der Favorit der Stadtbewohner: Partys, Vorführungen, Politik und ein verrückt-brillanter Herzog, der das Sagen hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch der Lieblingsbezirk meiner Lektoren ist. Für den Roman ließen sie eine schön illustrierte Karte anfertigen, auf der das Schloss und das Zirkuszelt des Karnevals vergrößert dargestellt sind.

Erzählen Sie uns von den Karten! Sie scheinen ein wichtiger Bestandteil Ihrer mittelalterlichen Fantasy-Bücher zu sein. Was können Sie uns darüber erzählen?
Es begann mit Die Karte der Welt, meinem zweiten Bestseller in Deutschland. Mein Lektor bei Blanvalet bat mich, eine Karte zu zeichnen. Ich habe etwas hingekritzelt, um zu zeigen, wo die verschiedenen Orte liegen, und er beauftragte einen professionellen Kartenzeichner, der eine richtige Karte für die gesamte Die Karte der Welt-Reihe anfertigte. Supercool. In meinem neuen Roman sind Karten zwar kein Motiv in der Geschichte, doch er ist so weit entwickelt, dass meine Lektor mir schrieb: »Ich weiß, dass du viel zu tun hast, aber könntest du noch eine Karte von deiner Welt skizzieren, damit ein Illustrator sie zeichnen kann?«

Hat das Spaß gemacht?
Ich muss zugeben, dass ich wirklich gern Karten erstelle. Tatsächlich wurde ich ein wenig besessen und verbrachte eine Woche damit, noch einmal meinen gesamten Roman zu lesen, um für jeden Ort die richtige Lage zu finden. Dann skizzierte ich es wie ein Kindergärtner ... oder zumindest wie ein Kindergärtner mit Photoshop. Ich schrieb auch drei Seiten mit detaillierten Notizen über die Karte. Blanvalet engagierte einen Illustrator, der anhand meiner Materialien schöne Karten für das Innere des Romans zeichnete. Es war fantastisch! Ich glaube nicht, dass jeder Autor in Bezug auf das Bildmaterial seiner Romane so großen kreativen Input bekommt.

Was gefällt Ihnen besonders an Die Klinge des Waldes?
Mir gefällt besonders Flora. Sie ist eine komplexe Person. Am Anfang ist sie einfach gestrickt, doch sie wird sehr kompliziert.

Warum sollten andere den Roman gut finden?
Er ist groß, cineastisch und persönlich zugleich. Wir erfahren viel über Flora und dann sehen wir sie auf einer riesigen Bühne, wo sie versucht, Katastrophen, Triumphe und Alltagsprobleme wie den Sturz ganzer Königreiche und Streitigkeiten mit ihrer älteren Schwester zu meistern.

Was unterscheidet diese Geschichte von den anderen, die Sie geschrieben haben?
Es ist eine Erwachsenengeschichte so wie sich Game of Thrones von Herr der Ringe unterscheidet.

Was kommt als nächstes? Stehen neue Projekte an?
Ja. Ich bin immer dankbar dafür, dass mein Verlag an meine Arbeit glaubt. Gerade schreibe ich bei Blanvalet einen weiteren mittelalterlichen Fantasy-Roman. Er ist Ende des Jahres fällig und wird voraussichtlich 2019 irgendwann erscheinen.

Wird Die Klinge des Waldes auch für Fans in den USA erhältlich sein?
Das hoffe ich sehr. Ich werde das Buch bald Verlegern in den USA vorstellen.

Royce Buckingham

Die Klinge des Waldes

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