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SPECIAL zu Ruth Nestvold »Flamme und Harfe«

King Arthur meets Tristan und Isolde

Rezension von Manuela Haselberger

Sie gehören zu den großen Liebespaaren der europäischen Mythologie und Literaturgeschichte: Isolde und Tristan, oder - so nennt sie die Autorin Ruth Nesvold in ihrem Fantasy-Debüt: Yseult und Drystan. Das Augenmerk der Amerikanerin, die 1958 in Colville, Washington, geboren wurde, in Stuttgart Anglistik studierte und bereits seit dreißig Jahren in Deutschland lebt, gilt der jungen Frau Yseult. „Die meisten Erzählungen über sie beginnen mit dem Mann. Diese hier beginnt mit der Frau.“

Yseult aus dem Lande Eriu
Yseult die Schöne, ist die Tochter der gleichnamigen Königin Yseult. Ihre Mutter trägt den Beinamen „die Weise“, denn sie verfügt über magische Fähigkeiten. Mutter und Tochter leben im sagenhaften Land Eriu (dem heutigen Irland), in einer Welt, deren Geschicke von jeher von Göttinnen gelenkt werden. Doch die christliche Lehre mit ihren rigiden Moralvorschriften ist bereits auch nach Eriu vorgedrungen, und beide Frauen stehen der neuen Religion ablehnend gegenüber.

Als die junge schöne Yseult die Frau von König Marcus in Britannien werden soll, wehrt sie sich gegen diese Vernunftehe, die lediglich aus taktischen Gründen und zur Friedenssicherung geplant ist. Doch als ihr zu Ohren kommt, dass Marcus' Sohn, ein gewisser Drystan, ihren geliebten Onkel getötet hat, schwört sie diesem Kämpfer Rache, und für dieses Ziel nimmt sie auch eine Ehe mit dessen Vater in Kauf.

Yseult ahnt nicht, dass der verletzte Barde mit der wunderschönen Stimme, den sie gerade in Eriu von seiner wüsten Beinverletzung heilt, und der sich ihr als Tandrys vorgestellt hat, genau jener gehasste Drystan ist. Es kommt wie es kommen muss, Yseult und Tandrys (oder Drystan) verlieben sich ineinander. Drystan ist entsetzt als er hört, dass Yseult seinen Vater zu heiraten gedenkt. Widerwillig begleitet er die junge Frau auf der Schiffsreise in seine Heimat.

Der Zaubertrank wirkt
Yseult die Weise hatte es gut gemeint, als sie ihrer Tochter einen Liebestrank in das Reisegepäck schob. Mithilfe dieses Tranks würde sich zwischen den Eheleuten schon alles zum Guten wenden. Doch sie ahnte nicht, dass ihre Tochter den Trank mit Drystan teilen würde.

Der Liebestrank entfaltet seine Wirkung: Yseult wird für immer an Drystan gebunden sein, auch wenn sie sich zur Heirat mit Marcus zwingt. Das Kind, das sie schon bald erwartet, ist keineswegs von Marcus, wie dieser glaubt, sondern es ist Drystans Sohn. Nach römischem Recht gehört der Knabe im Fall einer Scheidung zum ehelichen Vater - und der ist Marcus, nicht Drystan. Damit ist Yseult die Trennung von Marcus nahezu unmöglich gemacht.

Ein Spion verrät ein geheimes Stelldichein zwischen Drystan und Yseult. Sie werden beide von Marcus zum Tode verurteilt: der eigene Sohn und die untreue Ehefrau sollen auf dem Scheiterhaufen brennen ...

Auftritt: König Artus
Ruth Nestvold erzählt in ihrem Roman nicht nur die große unglückliche Liebesgeschichte zwischen Tristan und Isolde. Sie kombiniert diese mit Elementen der Artus-Sage, indem sie schildert, wie Marcus an der Seite von König Arthur (so wird er in seiner Heimat genannt) in Britannien gegen die Sachsen kämpft. King Arthur meets Tristan und Isolde. Ein gewagtes Unternehmen, das Ruth Nestvold bravourös meistert.

Interessant ist ihr Roman, wenn sie die feministisch geprägte Naturreligion der Frauen (z.B. beim Beltanefest) dem männlich orientierten Christentum gegenüberstellt oder wenn sie schildert, wie unkompliziert auf der Insel Eriu, die fest in weiblicher Hand ist, eine Scheidung vollzogen wird. Doch mit den Jahren gewinnen die Männer die Vorherrschaft, und das schlägt sich nicht nur im Christentum nieder, sondern auch in der römischen Rechtsprechung.

Fantasy at his best
„Flamme und Harfe“ ist ein opulent angelegter Fantasy-Roman, der mit verschiedenen Mythen spielt, sie neu kombiniert und „das Leben am Rande der Wirklichkeit“ mit ganz großen Gefühlen schildert – Liebe und Hass, Krieg und Tod, Magie und Wahnsinn, Intrige und Verrat. Im Fantasy-Bücherregal gebührt „Flamme und Harfe“ ein Platz direkt neben dem Bestseller von Marion Zimmer Bradley „Die Nebel von Avalon“.

Manuela Haselberger
(bookinist)
Geislingen, Dezember 2008

Flamme und Harfe Blick ins Buch

Ruth Nestvold

Flamme und Harfe

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