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SPECIAL zu Douglas Brown »100 Tage Sex«

Q: Wer von Ihnen beiden ist auf die Idee des Sexmarathons gekommen?
Douglas Brown: Es war Annies Idee. Als sie es sagte, bin ich vor ihr niedergekniet.

Q: Die Devise lautete: Jeden Tag Sex an 100 aufeinanderfolgenden Tagen – ohne Ausnahme. Gab es weitere Vorgaben (Uhrzeit, Ort, Dauer)?
Douglas Brown: Zuerst einmal haben wir Sex als Geschlechtsverkehr definiert. Wir haben uns auch auf andere Weise erotisch miteinander befasst, aber das Mindeste war, Verkehr zu haben. Wir haben ausgemacht, jeden Tag vor Mitternacht Sex zu haben, aber wir haben uns nicht festgelegt, wie lange der ganze Akt dauern sollte. Manchmal waren es fünf Minuten, manchmal war es eine halbe Stunde, manchmal länger.

Q: Wie haben Sie sich auf diese 100 Tage vorbereitet, als Sie den Beschluss gefasst hatten?
Douglas Brown: Wir warteten ein paar Monate, bis wir den Sexmarathon starteten. Während dieser Zeit brachten wir uns in Form. Wir liefen öfter und begannen Gewichte zu heben. Dazu lasen wir eine Menge Bücher über Sex: das Kamasutra, tantrischen Sex, wie man bessere Orgasmen bekommt, etc. und wir veränderten unser Schlafzimmer in einen Raum, den wir unsere „Sexhöhle“ nannten. Wir entfernten Bilder unserer Großeltern und Kinder, Kinderspielzeug und Bücher. Wir stellten Kerzen auf und verhängten den Fernseher mit einem Wandteppich. Wir machten unser Schlafzimmer zu einer romantischen Kultstätte.

Q: Haben Sie während des Sexperiments jemandem aus der Familie oder dem Freundes- und Bekanntenkreis oder Kollegen davon erzählt? Wenn ja, welche Reaktionen gab es?
Douglas Brown: Wir haben es unseren Eltern und unseren Freunden erzählt. Mein Vater, der ein ziemlicher Macho ist, war sehr stolz. Er erzählte es sofort allen seinen männlichen Freunden. Meine Mutter lachte nur. Das ist nicht überraschend, weil es als Zeichen von Männlichkeit gilt, Sex zu haben. Annie dagegen war ziemlich aufgeregt, als sie es ihren Eltern erzählte, denn Sex zu haben ist traditionell kein Zeichen für Weiblichkeit, aber sie waren einverstanden mit der Entscheidung. Unsere Freunde haben uns sehr unterstützt. Unsere weiblichen Freunde stellten intelligente, interessante Fragen. Meine männlichen Freunde knufften mich in die Seite und sagten, „wow, cool.“

Q: Was war das schönste Erlebnis dieser Zeit für Sie?
Douglas Brown: Als wir Listen aufstellten von allen Dingen, die wir aneinander lieben, uns dann auf unser Bett setzten und uns laut vorlasen. Das war ein warmer, emotionaler Abend, der gekrönt wurde mit warmem, wundervollem Sex.

Q: Sie haben die vereinbarten 100 Tage durchgehalten und sogar noch einen weiteren Tag drangehängt. Warum? Aus Übermut?
Douglas Brown: Nein, Übermut war es sicher nicht. Ich arbeite bei einer Tageszeitung, und der Klatschkolumnist des Blatts kam eines Tages auf mich zu, während des Sexmarathons, und sagte: „Douggie, weißt Du eigentlich, dass Du einen Extra-Tag anhängen musst, einen für das Glück. Du musst es 101 Tage machen.“ Manchmal bin ich abergläubisch und ich war überzeugt, dass er recht hatte.

Q: Hat Ihnen an Tag 102 etwas gefehlt? Und wie lange haben Sie pausiert?
Douglas Brown: Am Tag 102 waren wir bereit, keinen Sex zu haben. Ich glaube, wir haben daran erst einmal nichts vermisst, wir hatten aber auch keinen Überdruss am Sex entwickelt – ganz im Gegenteil, mit der Zeit sind wir immer heißer aufeinander geworden; aber nach 101 Tagen waren wir bereit für eine Pause. Wir hatten dann ungefähr drei Wochen lang keinen Sex, was aber zum Teil an einer Geschäftsreise von Annie lag, die uns eine Zeit voneinander trennte.

Q: Was ist für Sie die wichtigste Lehre aus dem Sexperiment?
Douglas Brown: Abends, nach der Arbeit, wenn die Kinder schlafen, schalte nicht den Fernseher ein, beantworte keine E-Mails, surfe nicht im Internet und lies kein Buch. Ich meine, tue diese Dinge nicht, bevor Du Dich nicht mit Deinem Partner aufs Bett gesetzt und geredet hast, ihr euch berührt und verbunden habt. Das war für Annie und mich das Vorspiel. Wir verbanden uns jede Nacht, anstatt uns im Internet zu verlieren oder in einem Fernsehkanal.

Q: Hatten Sie von Anfang an den Plan, Ihre Erlebnisse aufzuschreiben und als Buch zu veröffentlichen – oder kam Ihnen die Idee erst nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts?
Douglas Brown: Ich war nicht sicher, ob es ein Buch werden würde, aber ich wollte von Anfang an ganz viele Notizen machen für den Fall, dass wir die 101 Tage voll machen und überzeugt wären, dass das Experiment sich gelohnt hat.

Q: Welche Motivation stand dabei im Vordergrund? Der Spaß an einem autobiographischen Bericht und der Stolz auf die eigene Leistung oder das Bedürfnis, anderen Menschen einen Anstoß zu geben?
Douglas Brown: Als ich mir im Buchladen und in der Bücherei Bücher über Sex angeschaut habe, wurde mir klar, dass die meisten entweder von Kama Sutra handelten, also „how to“-Bücher waren oder von Therapeuten geschriebene Ratgeber. Was ich nicht finden konnte, war ein Blick in das Intimleben eines Paares. Ich dachte, ein Buch wie dieses könnte anderen Paaren helfen, ihre Beziehung von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten und ihnen Ideen geben, wie sie auch ihr Sexleben verbessern können.

Q: Welchen Paaren empfehlen Sie diese Therapie? Und was schlagen Sie Paaren vor, die für einen 100 Tage-Marathon keine Kondition oder keinen Mumm haben, aber dennoch ihr Sexualleben verbessern wollen?
Douglas Brown: Das Buch macht Spaß, unabhängig davon, ob es die Beziehung verbessert. Ich glaube, es hilft allen Paaren, die sich immer noch lieben, und die immer noch Sex haben, nur nicht mehr so viel oder so abwechslungsreich, wie sie es eigentlich gern hätten. Als sie jung waren, haben sie es vielleicht vier oder fünf mal in der Woche getan, aber im selben Maß, in dem die Karriere wichtiger wurde und sie zusammen älter wurden, verschwand der Sex. Das Buch beschreibt und untersucht die Kraft, die darin steckt, es einfach zu tun. Paare sollten jedoch nicht denken, dass sie 101 Tage lang Sex haben müssen, um einen Effekt zu erzielen. Man kann es für einen Monat tun oder zehn Tage, eine Woche. Oder ein langes Wochenende. Wichtig ist, dass sie Sex mit großem Respekt behandeln. Geht nicht zusammen ins Bett, wenn ihr aus dem Mund riecht. Macht aus eurem Schlafzimmer eine Sexhütte. Duscht zusammen, bevor ihr ins Bett geht. Zündet eine Kerze an. Probiert sexy Klamotten und Sex-Spielzeuge aus. Sprecht miteinander. massiert euch gegenseitig. Diese Vorankündigungen, Sex zu haben, haben viel zu unseren nächtlichen Sitzungen unter der Bettdecke beigetragen.