SPECIAL zu James Lee Burke

10 Fragen an James Lee Burke

Wie sind Sie aufgewachsen?
James Lee Burke: Ich wurde während der Großen Depression geboren und bin in den Kriegsjahren an der Küste von Louisiana und Texas aufgewachsen. Es war natürlich eine entbehrungsreiche, aber dennoch eine großartige Zeit.

Gibt es eine Person, die ihr Leben entscheidend geprägt hat?
James Lee Burke: Die Person, die meiner Karriere auf die Sprünge geholfen hat, war eine Englischprofessorin namens Lyle Williams. Besonders in den ersten Studiensemestern hatte ich große Schwierigkeiten, da ich schon auf der Highschool kein besonders guter Schüler gewesen war. Ms. Williams opferte viel Zeit, um meine schriftstellerischen Fähigkeiten zu verbessern. Dafür stehe ich auf ewig in ihrer Schuld.

Welcher Ort auf der Welt fasziniert Sie am meisten?
James Lee Burke: Die Erde selbst fasziniert mich. Sie ist ein Geschenk, um das wir uns kümmern müssen, wenn wir es nicht verlieren wollen.

Wovor haben Sie Angst?
James Lee Burke: Ich versuche, mich von aller Angst zu befreien. Das ist nicht leicht. Besonders enge, geschlossene Räume machen mir zu schaffen, und ich vermeide sie so gut wie möglich. Außerdem halte ich mich stets von Menschen fern, die andere Leute kontrollieren wollen. Keine Ahnung, ob man diese Empfindungen als Ängste bezeichnen kann. Ich denke nicht viel darüber nach. Oder in anderen Worten: wen interessiert’s?

Was macht Sie glücklich?
James Lee Burke: Meine Familie, die Erde, morgens aufzuwachen, alles. Wie Robert Frost gesagt hat: Die Erde ist der Liebe wahrer Ort.

Können Sie sich einen Tag ohne Musik vorstellen?
James Lee Burke: Jeder, der ohne Musik leben kann, ist geistig tot.

Welche Rolle in einem Kinofilm hätten Sie gerne gespielt?
James Lee Burke: Den Blechmann aus Der Zauberer von Oz. Ich habe immer eine große Ölkanne zur Hand und warte nur darauf, dass man mich für das Remake engagiert.

Wenn sie nur noch €10,- übrig hätten, wofür würden sie sie ausgeben?
James Lee Burke: Ich würde sie verschenken.

Gibt es Himmel und Hölle?
James Lee Burke: Ich glaube an den Himmel. Wenn es eine Hölle gibt, dann ist sie hier. Vermutlich werden die Seelen böser Menschen sterben. Man darf nicht vergessen: die einzige Macht, die böse Menschen besitzen, ist die, die wir ihnen verleihen.

Was ist wichtig im Leben?
James Lee Burke: Ich glaube, alles im Leben ist wichtig. Der schlimmste Verlust wäre, nicht bei dieser großen Party dabei gewesen zu sein. Ein befreundeter Priester erzählte mir einmal von den Erfahrungen, die er am Sterbebett vieler seiner Gemeindemitglieder gemacht hat. Es waren nicht ihre Sünden, die sie bereuten, sondern das, was sie im Leben verpasst hatten.

Im Interview erzählt der mittlerweile fast Achtzigjährige aus dem Alltag eines Schriftstellers

Wie sieht ein typischer Tag im Leben von James Lee Burke aus?
James Lee Burke: Meist setze ich mich schon in aller Frühe an den Schreibtisch und erledige im Laufe des Tages die anliegenden Arbeiten auf unserer Ranch. Später trainiere ich oft im Stall ein paar Runden an meinem Punchingball. Unsere Pferde amüsieren sich stets prächtig bei diesem Anblick. Manchmal gehe ich dann noch Fliegenfischen. Montana ist einfach wunderbar und in vielerlei Hinsicht der sprichwörtliche Himmel auf Erden.

Ist Ihnen das Schreiben mit der Zeit leichter gefallen oder kann eine so umfangreiche Erfahrung wie die Ihre auch hinderlich sein?
James Lee Burke: Eigentlich ist es nur in der Hinsicht leichter geworden, dass ich keinen Brotjob mehr nebenbei machen muss. Die wahren Helden unter den Schriftstellern sind diejenigen, die acht Stunden täglich im Büro oder an einer Pipeline arbeiten und danach, wenn sie hundemüde sind, noch an ihren Romanen, Gedichten oder Kurzgeschichten schreiben.

Welche Themen hoffen Sie als Autor, der bereits viel und erfolgreich geschrieben hat, Ihren Lesern und Leserinnen in kommenden Werken näherbringen zu können?
James Lee Burke: Ich schreibe immer noch über die Welt, so wie ich sie sehe, und ich glaube nicht, dass mir das Material ausgehen wird.

Was inspiriert Sie? Woher kommen die Ideen für Ihre Storys und Figuren?
James Lee Burke: Aus dem Unterbewusstsein. Leonardo da Vinci sagte einmal, dass er seine Kreationen nicht in den Stein meißelt, sondern sie aus dem Stein befreit.

Musik spielt eine große Rolle im Leben Ihrer Figuren. Wür
den Sie uns Ihre All-Time Favorites verraten?
James Lee Burke: Benny Goodman, Debussy, Emmylou Harris And The Hot Band, Kitty Wells, Kid Ory, Freddie Slack and Ray McKinley, Chuck Berry, The Carter Family, Ernesto Lecuona.
Daniel Müller

Regengötter

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