SPECIAL zu Joe R. Lansdale

»ERSCHRECKEND UND GROSSARTIG ERZÄHLT – EIN MEISTERWERK!«

DAN SIMMONS

Der Song zu »Dunkle Gewässer«

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Lost in Lansdale

Joe R. Lansdale
© Marijan Murat
Der amerikanische Schriftsteller Joe R. Lansdale ist eine ruhige, stoische Erscheinung, eine Persönlichkeit, die unerschütterlich wirkt. Demgegenüber steht ein Werk, das vor Ideen übersprudelt und sich in allen Genres und Formen tummelt: Horror, Western, Krimi, Thriller, große amerikanische Erzählung, Comictexte, Romane, Short-Storys, Drehbücher. Es ist geradezu entlarvend, dass Lansdale im kulturell selbstverliebten Deutschland immer noch an der Schwelle zur Entdeckung steht. Lansdale scheint unberechenbar: Er ist kein Genreautor und kein literarischer Schöngeist, bedient weder aufgeblähten Intellekt noch gängige Genremuster. Lansdale ist eben – Lansdale …

      »Ich schreibe jetzt über die Zeit, bevor alles seltsam wurde …« --- »In jenem Sommer hörte Daddy auf, Fische mit dem Telefon oder mit Dynamit zu fangen, stattdessen vergiftete er sie mit grünen Walnüssen«: Zwei typische Lansdale-Romaneröffnungen. Präzise Alltagssprache mit einer ganz eigenen Poesie, die Ahnung von etwas Bedrohlichem, Erinnerung, Zeit, Adoleszenz … Und doch liegen zwischen den beiden Büchern Drive-In und Dunkle Gewässer, denen diese Passagen entstammen, viele Jahrzehnte.
      Drive-In ist ein ganz früher Lansdale; eine wilde, anarchische Horror-Pulp-Elegie, die der Autor als seine Version von Herr der Fliegen bezeichnet. Während der Friday-All-Night-Horror-Show bricht in einem texanischen B-Movie-Autokino die Hölle los. Eine unsichtbare Barriere schirmt das Areal ab, diverse Zuschauer entwickeln kannibalische Neigungen, während die Vorräte zur Neige gehen; und dann gibt es noch das Popcorn-Monster. Es stellt sich heraus, dass der ganze Albtraum eine Inszenierung von Aliens ist, die ihr ganz persönliches B-Movie über die Menschen drehen. Das ist zynisch, witzig, aber auch liebevoll. In Dunkle Gewässer, seinem aktuellen Roman, tritt Lansdale einmal mehr das Erbe von Mark Twain an und erzählt eine große amerikanische Flussgeschichte über eine Gruppe Jugendlicher, die ihrer ermordeten Freundin die letzte Ehre erweisen und ihre Asche in Hollywood verstreuen wollen. Sie machen sich mit dem Floß auf gen Süden – verfolgt von einem Killer.
      Pulp und große Literatur liegen bei Lansdale immer dicht beisammen, ergeben eins, getragen von der Lust am Geschichtenerzählen. Passagen aus Drive-In könnten auch aus seinen späteren Werken stammen, Dunkle Gewässer andererseits lässt immer wieder die Lust am Pulp aufblitzen, die gerade seine drei Drive-In-Bücher auszeichnet (die übrigens in absehbarer Zeit bei Hardcore erstmals komplett erscheinen werden). Lansdale ist nicht gereift, sondern er war vielmehr schon immer gut. Gerade weil er sich – wie übrigens auch sein Freund Stephen King – nie um Genregrenzen und erst recht nicht um die infame Trennung von Unterhaltungs- und sogenannter Hochliteratur schert, entzieht Lansdale sich den Rastern des herkömmlichen Kulturbetriebs: das macht ihn so wichtig und gut. Lansdale schafft ein Werk, in dem man sich verlieren kann, fernab den Leistungsanforderungen unserer westlichen Zivilisationen, die mittlerweile auch nicht vor Freizeit und Kultur haltmachen. In diesem Sinne: Get lost in Lansdale!
Tim Müller



Kurz & knapp


FÜR WEN IST DAS?
Lansdale ist ein Autor, der die Genres hinter sich gelassen hat. Abenteuergeschichte, Thriller, Drama, Sozialstudie – Dunkle Gewässer ist all das und noch mehr. Wie sein Kollege und Freund Stephen King fasziniert Lansdale mit einem klaren Stil, der seine Poesie aus der Umgangssprache bezieht. Fans von Stephen King und modernen Noir-Autoren wie Daniel Woodrell oder Donald Ray Pollock können Lansdale mit diesem Meisterwerk (wieder)entdecken.

FAKTEN
Joe Lansdale bezeichnet Dunkle Gewässer als sein bislang wichtigstes Buch – die hymnische Kritik (auch in Deutschland) scheint ihm recht zu geben. Lansdale plant seine Geschichten nicht am Reißbrett, sondern entwickelt diese meist aus einer Idee heraus, die er intuitiv und spontan immer weiter ausbaut – ähnlich wie viele Musiker ihre Songs. Seine Tochter Kasey ist Countrysängerin und hat für dieses Buch den Song »Edge of Dark Water« geschrieben.

WAS SAGEN ANDERE?
»Joe R. Lansdales Dunkle Gewässer ist ein mitreißender Huckleberry-Finn-Blues, der auf die Kraft der Umgangssprache setzt – und gewinnt.« Stern
»Wenn Hollywood noch alle Tassen im Schrank hat, dann besorgt sich dort irgendjemand bald die Filmrechte.« Süddeutsche Zeitung
»Ein Gruselschocker, eine Sozialstudie.« Der Freitag

WARUM DER LEKTOR DIESES BUCH MAG
Joe R. Lansdale ist ein Meister darin, die großen Mythen Amerikas mit dem Zauber menschlicher Sehnsüchte, Ängste und Träume zu verbinden. Nicht umsonst wird er immer wieder mit Mark Twain verglichen – Lansdale vermag wie kaum ein anderer die dunklen Seiten des Alltäglichen in faszinierende Geschichten zu verwandeln. Seine düsteren Epen ziehen uns schon seit Jahren in den Bann – wir sind stolz darauf, hier eine besondere literarische Perle vorlegen zu können!

WER IST DER AUTOR?
Joe R. Lansdale, geboren 1951, zählt zu den großen amerikanischen Erzählern. Er hat mehr als vierzig Romane in verschiedenen Genres geschrieben und erhielt zahlreiche namhaft e Auszeichnungen, u. a. den »American Mystery Award« und den »Edgar Award«. Berühmt geworden ist er mit der Krimi-Serie um Hap Collins und Leonard Pine. Lansdale lebt mit seiner Familie in Nacogdoches, Texas.

Dunkle Gewässer

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