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SPECIAL zu Marina Fiorato »Das Geheimnis des Frühlings«

Botticellis Geheimnis

Buchempfehlung von Manuela Haselberger

Wer im Bestseller „Sakrileg“ gespannt und neugierig den Spuren des Harvard Professors Robert Langdon folgte und sich von Dan Brown nur allzu gern in die Welt der geheimnisvollen Zeichen und Symbole entführen ließ, den wird „Das Geheimnis des Frühlings“, der neue Roman von Marina Fiorato, ebenso begeistern. Die Geschichte spielt in der Renaissance, im Florenz des 15. Jahrhunderts, und Lorenzo de Medici und Papst Pius beherrschen die Geschicke der Menschen.

Ein Straßenmädchen als Künstlermodell
Völlig unbekümmert von allen politischen Verstrickungen, schlägt sich die hübsche junge Luciana Vetra in Florenz durchs Leben. Ihre Erziehung im Kloster hat sie frühzeitig abgebrochen, denn das bunte Leben in den Gassen lockte sie mehr als die ewigen Choräle in der Kirche. Ihre Eltern kennt sie nicht; sie weiß nur, dass sie als Säugling auf geheimnisvolle Weise von Venedig nach Florenz gekommen ist. Der raue Ton der Straße und die ungehobelten Sitten können Luciana nicht schrecken. Ganz im Gegenteil. Mit ihrer herzerfrischenden und direkten Art schlängelt sie sich durchs Leben und ergreift jede Chance, die sich ihr bietet.

Und so greift Luciana auch beherzt zu, als ihr klar wird, dass der Maler Botticelli sie für ihre Dienste als Modell nicht zu bezahlten gedenkt: Sie entwendet aus der Werkstatt des Künstlers den Entwurf für sein Gemälde „Der Frühling“. Das Bild ist fast fertig, nur das Gesicht des Frühlings muss noch gemalt werden – und dafür hat sie Botticelli Modell gestanden.

Ein Bild mit tödlicher Wirkung
Nie hätte Luciana gedacht, dass dieses, in ihren Augen harmlose Bild soviel Unheil heraufbeschwören würde. Als sie nach Hause eilt, um ihrem derzeitigen Liebhaber zu berichten, dass Botticelli versucht hat sie zu betrügen, findet sie den Geliebten tot auf. Ermordet. Auch ihre Freundin fällt einem Mordanschlag zum Opfer, vermutlich weil sie Luciana zum Verwechseln ähnlich sieht. In ihrer Not sucht Luciana im nahen Kloster Zuflucht. Vielleicht kann ihr der junge Novize Guido helfen?

Guido und Luciana entschließen sich zur Flucht. Es ist ein ungleiches Paar, das sich auf den gefahrvollen Weg macht: sie, ein ungehobeltes Straßenmädchen, und er ein feinsinniger, gebildeter Klosterbruder. Längst ist den beiden klar, dass ihnen eine unbekannte Macht nach dem Leben trachtet, solange sie im Besitz des Bildes sind. Doch was ist so bedeutend an Botticellis Bild, dass man dafür Menschenleben opfert?

Die geheime Botschaft
Und so beginnen die beiden, das Bild genauer zu betrachten. Was haben die einzelnen Figuren zu bedeuten, welche Botschaften stecken in der Komposition des Gemäldes?

Dem kundigen Betrachter erschließt sich neben dem Offensichtlichen auch noch eine zweite, oft dritte Interpretationsebene. Und auch der Leser kann die spannenden Entdeckungen und Schlussfolgerungen der beiden nachvollziehen, denn Botticellis Gemälde ist im Vorsatz des Buches abgedruckt. So sind mit den drei jungen Mädchen im Vordergrund, die mit ihren weißen Kleidern aussehen, als ob sie einen harmlosen Tanz aufführten, in Wirklichkeit Städte gemeint. Warum? Über dem Kopf der mittleren Tänzerin bilden die beiden Partnerinnen eindeutig mit ihren Händen den „Schiefen Turm“ von Pisa und der besondere Halsschmuck der anderen beiden Tänzerinnen weist auf weitere Städte hin. Geht es hier in Wahrheit um eine politische Verschwörung, um die Alleinherrschaft über die unabhängigen Stadtstaaten Italiens?

Um das herauszufinden, begibt sich das sympathische Paar auf eine abenteuerliche Reise. Stationen wie Pisa, Neapel und Rom gehören ebenso dazu wie Venedig und Mailand. Guido, der rechtschaffene Kirchenmann, fällt aus allen Wolken, als er erkennt, dass sie einer großen Verschwörung auf der Spur sind, bei der sich alle Beteiligten durch einen besonderen Ring am linken Daumen ausweisen. Dass Lorenzo de Medici dazu gehört hat er erwartet, doch als offenkundig wird, dass auch Papst Pius daran beteiligt ist, gerät sein Weltbild ins Wanken.

Eine großangelegte Verschwörung
Botticelli ist tatsächlich dafür bekannt, seine Gemälde mit geheimen Botschaften gleichsam „ausgestattet“ zu haben. „La Primavera“ gehört zu den meist interpretierten Gemälden der Kunstgeschichte überhaupt. Marina Fiorato hat sich für ihren Roman hauptsächlich an die Auslegungen von Professor Enrico Guidoni von der Universität Rom gehalten, und ihre Protagonisten finden in diesem Bild von botanischen bis zu mythologischen Aspekten eine Fülle von Symbolen und Hinweisen auf ein spektakuläres Geheimnis. Kann es tatsächlich sein, dass in diesem Bild ein Plan für die Vereinigung Italiens verborgen ist?

Wie bei einer Schnitzeljagd fügen sich die einzelnen Puzzleteile am Ende zu einem Ganzen zusammen, und es macht Spaß, dieses „Bilderrätsel“ in einer abenteuerlichen und spannenden Geschichte als Leser mit zu entschlüsseln. Eine wunderbare Kombination aus Liebesromanze und historischem Roman - und vor allem ein Buch, das man mit großem intellektuellem Vergnügen liest.

Manuela Haselberger
(bookinist)
Geislingen, Juni 2010

Das Geheimnis des Frühlings Blick ins Buch

Marina Fiorato

Das Geheimnis des Frühlings

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