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Annette Sabersky im Gespräch

Interview mit Annette Sabersky zu »Mit Vorsicht zu genießen«

Annette Sabersky
© Cordula Kropke

Es gibt viele Bücher, die sich mit dem Thema Ernährung und Ernährungslügen beschäftigen. Was hebt Ihr neues Buch „Mit Vorsicht zu genießen“ von den anderen Titeln ab?
Annette Sabersky: Es gibt ja Ernährungslügen wie die Behauptung, dass Kohlenhydrate dick machen - und es gibt Produktlügen. Das sind Werbeversprechen in Bezug auf verarbeitete Lebensmittel, die schlichtweg nicht stimmen. Wir haben in unserem Buche beide Lügenbereiche unter die Lupe genommen.
Zudem haben wir das Buch mit Testergebnissen aus dem Bereich Bio und Vegan angereichert - und sind auch hier auf erstaunliche Lügen gestoßen.

Seit über 20 Jahren beschäftigen Sie sich mit dem Thema Ernährung: Wie hat sich unsere Ernährung in diesen Jahren verändert? Erkennen Sie spezielle, vielleicht auch fragwürdige Trends?
Annette Sabersky: Es gibt immer mehr verarbeitete Lebensmittel. Vieles ist “to go“ und „fast“, alles muss schnell zubereitet, leicht kaubar und am besten hinterm Steuer des PKW essbar sein. Das wirkt sich natürlich auch auf die Lebensmittelqualität aus. Die Produkte enthalten mehr Zusatz- und Hilfsstoffe und werden aromatisiert, um die Anforderungen, die an sie gestellt werden, zu erfüllen. Das aber läuft dem Trend zur gesunden Ernährung komplett zuwider.

Welche Entwicklungen der Lebensmittelindustrie sehen Sie besonders kritisch?
Annette Sabersky: Heikel finde ich, dass vielen konventionellen Lebensmitteln ein grünes Mäntelchen umgehängt wird. Jedes Fertigprodukt ist heute „ohne Konservierungsstoffe“ und „ohne Geschmacksverstärker“. Das in der Tütensuppe oder der Wurst aber trotzdem Zusatzstoffe oder wiederum sie ersetzende neue Ersatzstoffe enthalten sind, das wird gerne verschwiegen. Aus der Zutatenliste auf dem Etikett geht das auch nicht immer hervor.

In welcher Hinsicht wird der Verbraucher Ihrer Meinung nach am heftigsten hinters Licht geführt?
Annette Sabersky: Es wird zunehmend mit Selbstverständlichkeiten geworben. Der Trend zu free-from-Lebensmitteln, also z.B. Brot ohne Gluten und Milch ohne Laktose führt dazu, dass ganz normale Lebensmittel plötzlich zur Diätware werden. Es wird sogar damit geworben, dass das Apfelmus vegan sei und Tiefkühlgemüse Lactosefrei. Dabei sind die genannten Produkte von Natur aus vegan bzw. lactosefrei. Hier werden Verbraucher wirklich für dumm verkauft.

Was hat Sie bei Ihrer Recherche für „Mit Vorsicht zu genießen“ besonders schockiert oder auch positiv überrascht?
Annette Sabersky: Schockiert oder zumindest irritiert hat mich, dass der Hype Vegan mit einem Mehr an Zusatzstoffen erkauft wird. Zusätzen, die aus konventionellen Lebensmitteln längst verbannt sind, etwa Farb- und Konservierungsstoffe, finden über vegane Produkte wieder Einzug. Das gilt insbesondere für vegane Produkte ohne Bio-Label wie Veggi-Wurst und Pflanzenkäse.
Positiv ist aber, dass es zugleich eine riesige Bewegung gibt, die auf natürliches Essen setzt, also auf ehrliche, nachhaltig erzeugte Lebensmittel nach dem Prinzip Slow Food.

Für den Endverbraucher ist es oft schwer, sich im Ernährungs-Dschungel zurechtzufinden, sei es hinsichtlich Inhalts- oder Zusatzstoffen, besonderen Ernährungsformen, Labels usw. Welche drei Praxistipps können Sie dem Verbraucher an die Hand geben?
Annette Sabersky: Ich gebe gerne den Tipp, nur solche Lebensmittel und Speisen zu essen, die nicht mehr als fünf Zutaten enthalten. Ein gutes Brot besteht aus Mehl, Wasser, Salz/evtl. Gewürzen und einem Triebmittel, ein Fruchtjoghurt aus Milch, Obst und ggf. etwas Zucker und eine Saftschorle wirklich nur aus Fruchtsaft und Mineralwasser. Das Essen sollte zugleich aus Bio-Zutaten und möglich wenig bearbeitet sein. Das ist in einer Zeit, in der die Zutatenlisten lang und länger werden, vielleicht ein wenig altmodisch. Aber natürliche, einfache Lebensmittel schmecken nun mal toll. Das weiß jeder, der im Urlaub mal auf der Almhütte ein Käsebrot bestellt hat oder auf der Piazza eine schlichte Pizza mit Tomaten und Rucola.

Mit Vorsicht zu genießen Blick ins Buch

Annette Sabersky, Jörg Zittlau

Mit Vorsicht zu genießen

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