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SPECIAL zu Eric Berg

Wussten Sie, dass Eric Berg einst Model war?

Berg, Eric
© Derek Henthorn

Bitte geben Sie uns eine kurze Biografie von sich:
Schlechter Schüler mit dem geheimen, fast illusorischen Traum, eines Tages Bücher zu schreiben. Später kaufmännischer Angestellter in diversen Branchen. Viele kleine berufliche Brüche im Leben, ich habe viel ausprobiert, bevor ich zum Schreiben gefunden habe. Unter anderem habe ich auch als Model gearbeitet, Fotoshootings, Laufsteg etc. (lang lang ist’s her …).

Würden Sie uns ein wenig über sich erzählen – Ihre Hobbys, Lebenssituation, Ihren Traum vom Glück, was Sie ärgert, welche Gabe Sie gerne besäßen …?
Ich muss nicht vom Glück träumen – ich bin glücklich. Ich kann vom Schreiben leben, kann mir meinen Tag gestalten wie ich will – was will man mehr? Ich bin ein Mann der kleinen Wünsche. Reichtum, Luxusgüter, die große lebenslange Liebe, das finde ich überschätzt und bin schon mit weniger sehr zufrieden, will eigentlich gar nicht mehr. Ein Nachmittag am Meer, ein Spaziergang im Wald, ein paar Stunden mit dem Text, an dem ich schreibe, Mirabellen futtern, mich nackt im Bett räkeln, mit Freunden zusammen sein … Das Kleinste kann für mich das Größte sein. Wenn ich mir eine Gabe wünschen dürfte, würde ich mir wohl die Möglichkeit wünschen, in die Vergangenheit zu reisen. Und wenn es etwas weniger Utopisches sein soll, würde ich mir wünschen, mindestens fünf Fremdsprachen fließend zu sprechen, weil ich mich dann mit so viel mehr Menschen unterhalten könnte.

Wie kamen Sie zum Schreiben?
Nach einer beruflichen Krise (die Firma, für die ich arbeitete, wurde übernommen) sagte ich mir, dass ich endlich mal das machen will, was ich seit langem träumte: Autor werden. Mit 14 Jahren wollte ich Schriftsteller werden, hatte aber viel zu wenig Selbstbewusstsein, es zu versuchen. Mein Wunsch war streng geheim, ich erzählte niemandem davon, hatte Angst mich lächerlich zu machen. Ich „outete“ mich erst mit Anfang Dreißig.

Wie finden Sie Ihre Themen?
ALLES hat das Potential, mich zu inspirieren: eine gute Doku im Fernsehen, ein Zeitungsartikel, das Beobachten von Menschen und besonders Pärchen, reale Kriminalfälle … In meinem Kopf entstehen fast jeden Tag neue Geschichten, die ich mir stichwortartig notiere. Schon als Kind habe ich mir beim Beobachten von Erwachsenen irgendwelche Geschichten ausgedacht, und zwar sowohl humorvolle Stories als auch spannende und böse. Das sprudelt einfach aus mir hervor. Wirkliche Arbeit ist das Entwickeln der Geschichte sowie natürlich das Schreiben des Textes.

Was hat Sie zu Ihrem Roman Die Schattenbucht inspiriert?
Ich wurde von einem grausamen Entführungsfall inspiriert, den es vor einigen Jahren in Deutschland tatsächlich gab. Allerdings habe ich die Geschehnisse und beteiligten Personen sehr stark verändert. Wie fast immer in meinen Kriminalromanen, sind es Leute „wie du und ich“, die in einer Ausnahmesituation, die jeden von uns genauso treffen könnte, zu Verbrechern werden.

Welche Szene daraus war bisher am schwierigsten zu schreiben?
Wie so oft war es der Schluss. Denn das ist der Zeitpunkt, wo den Protagonisten die Kontrolle entgleitet und die Katastrophe ihren Lauf nimmt. Für mich, der ich stark mit den Figuren mitgehe, ist das ein erschütternder Moment.

Haben Sie eine Lieblingsszene?
Ja, fast alle Szenen, die aus der Perspektive von Bodo geschrieben sind. Ich mag Typen wie ihn, er kam mir leicht aus der Feder.

Gibt es bestimmte geographische Orte, zu denen Sie oder Ihr Buch einen besonderen Bezug haben?
Viele meiner früheren Bücher spielen in Rom, das ich heiß liebe. Hiddensee, der Hauptschauplatz im Nebelhaus, hat vom ersten Augenblick an, als ich es betrat, eine magische Wirkung auf mich gehabt. Die ganze Ostseeregion hat es mir angetan. Ich bin jedoch literarisch nicht an sie gebunden.

Was reizt Sie daran, Krimis zu schreiben?
Gegenfrage: Was reizt Leser seit 150 Jahren, Krimis zu lesen? Ich denke, vom Verbrechen geht eine eigenartige Anziehungskraft aus. Der Mord ist so alt wie die Menschheit, ja, gewissermaßen gehört er zur Entstehungsgeschichte der Welt. Provokant formuliert würde ich sogar sagen, dass der Mord ein „normaler“ Bestandteil unserer Zivilisation ist und somit auch der menschlichen Natur. Es ist sicherlich kein Zufall, dass sich zwei Genres der Literatur als besonders beständig erwiesen haben – der Liebesroman und der Kriminalroman. Sie repräsentieren gleichsam die menschliche Psyche, die zu den edelsten und den niederträchtigsten Gefühlen fähig ist, und zwar zur selben Zeit dicht beieinander. So etwas fasziniert uns. Ich glaube, unbewusst suchen wir uns in einem Krimi auch immer selbst, und das gilt sowohl für die Leser als auch für die Autoren.

Hat das, worüber Sie schreiben, auch mit Ihnen persönlich zu tun?
In meinen Büchern steckt sehr viel von mir selbst. Doch ist das meinerseits kein bewusster Vorgang. Weder plane ich dergleichen, noch merke ich, wenn es gerade passiert. Alles passiert intuitiv, aus dem tiefsten Innern heraus.

Arbeiten Sie eher strukturiert oder vertrauen Sie auf die Inspiration?
Tschaikowsky sagte: „Die Inspiration ist ein Gast, zu dem man gehen muss.“ Wenn ich herumsitze und warte, dass die Inspiration mich besucht, passiert überhaupt nichts, außer dass die Zeit verstreicht. Ich muss schreiben, dann kommt alles Nötige von ganz allein. Dass da auch mal „Durchhängertage“ dabei sind, an denen nichts gelingt, ist ganz normal, aber eher selten.

Was lesen Sie selber gerne?
Fast alles, ganz ehrlich, von Grisham bis Duras, von Shakespeare bis zu Nicholas Sparks oder zu fesselnden Sachbüchern. Besonders gerne lese ich Biografien, und auch da wieder alles von Aristoteles und Angela bis Zetkin und Zar Nikolaus.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren?
Von den Toten: Balzac, Somerset Maugham, Simone de Beauvoir, Patricia Highsmith und Stefan Zweig. Von den Lebenden: Colum McCann, Philippe Claudel, Bernhard Schlink, Vonne van der Meer.

Wer sind Ihre liebsten Romanhelden?
Der Whisky-Priester in Graham Greenes Roman Die Kraft und die Herrlichkeit. Ich liebe Hauptfiguren mit großen Schwächen und Fehlern, ich liebe die Gescheiterten. Außerdem mag ich komplexe Figuren, die das übliche Gut-Böse-Schema durchbrechen, zum Beispiel Tom Ripley, mit dem man sich identifizieren kann, obwohl er mordet.

Möchten Sie uns 3 Bücher für die einsame Insel empfehlen?
Ich kann nur für mich sprechen:
1. Das Telefonbuch von Berlin. Auf der einsamen Insel würde ich mir zu jedem Namen eine Geschichte ausdenken, ähnlich wie Balzac es mit den Mitgliedern der französischen Aristokratie gemacht hat.
2. Ein zehnbändiges Lexikon, und zwar aus demselben Grund: zu jedem Thema ein Büchlein.
3. Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: damit ist jeder Leser mindestens zehn Jahre beschäftigt, bis er/sie es durchgelesen hat.

Was ist für Sie die größte Versuchung?
Ich flirte gerne. Außerdem: leckeres Essen, gute Weine.

Verraten Sie uns Ihr Lieblingsrezept?
Ratatouille: leicht zuzubereiten, schmackhaft, sättigend, unraffiniert, aus schlichten Zutaten gemacht, und es passt zu fast allem.

Was ist für Sie die optimale Entspannung?
Entweder Sauna oder eine Stunde am Meer.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Eines für schlechte Lebenslagen: Wenn du in der Scheiße sitzt, musst du verdammt nochmal da raus.
Eines für alle Lebenslagen: Es geht weiter.

Gibt es eine Person, die Sie persönlich fasziniert?
Immer sind es die Lebens-Künstler sowie die Genies des Guten und die Genies des Schlechten, die mich faszinieren. Eine Lebens-Künstlerin war z.B. Romy Schneider. Und die Genies? Ich nenne hier je ein Beispiel aus der Geschichte, zwei Männer, die zur selben Zeit lebten: Mozart, ein genialer Komponist; und Cagliostro, ein genialer Lügner.

Welche menschliche Leistung des letzten Jahrhunderts bewundern Sie am meisten?
Ich muss zwei Dinge nennen. Aus Sicht des Weltbürgers sage ich: Die Gründung der UNO mit all ihren humanitären Anliegen. Aus Sicht des Europäers sage ich: die Gründung der Europäischen Union. Aber auch die Erfindung des Kühlschranks kann ich nur begrüßen.

Welche Organisation oder welches Projekt würden Sie gerne unterstützen – oder tun dies bereits?
Ich habe über die Patenschaftsorganisation PLAN ein indisches Patenkind. Zuvor hatte ich bereits eines von den Philippinen. Ich würde mittelfristig gerne noch ein zweites, drittes Patenkind haben. Ferner unterstütze ich den Umwelt- und den Tierschutz, zum Beispiel die Heinz-Sielmann-Stiftung. Und sobald ich meine Fremdsprachenkenntnisse verbessert habe, würde ich gerne aktiv zur Integration von Flüchtlingen/Asylbewerbern beitragen.

Fünf Dinge, die wir noch nicht über Sie wissen:
1. Dass ich in den meisten Dingen des Lebens ein Spätzünder oder Nachzügler bin: so habe ich beispielsweise erst seit 2012 ein Handy. Und meine erste (richtige) Beziehung hatte ich erst mit zweiunddreißig Jahren.
2. Dass ich ausschließlich schwarze Kleidung trage (ohne ein Grufti zu sein).
3. Dass ich im Schnitt alle vier Jahre umziehe, also die Wohnung wechsle.
4. Dass ich bei Katzen schwach werde. Ich liebe Katzen, liebe ihre Eigenheit, habe aber keine Haustiere, da sie unglücklicherweise meine geliebte Flexibilität zu sehr einschränken würden.
5. Dass ich – wenn ich komplett abschalten will – gerne auch mal ein Computerspiel spiele (Schriftstellern, so das Klischee, würde so etwas noch nicht einmal im Traume einfallen)
(Übrigens könnte ich mit Leichtigkeit zwanzig weitere Geheimnisse ausplaudern. Aber selbst schuld, wenn Sie nur nach fünf fragen …)

Wollen Sie Ihren LeserInnen eine kurzen Gruß schreiben – wir würden uns freuen!
Leben Sie! Lesen Sie! Fantasieren Sie! Ich würde mich freuen.

Die Schattenbucht Blick ins Buch

Eric Berg

Die Schattenbucht

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