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Salvatore Basile: Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Salvatore Basile im Interview zu seinem Roman »Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands«

Wussten Sie, dass Salvatore Basile davon träumt, einen kleinen Buchladen mit angeschlossener Bar zu eröffnen?

Eine kurze Biografie:
Geboren bin ich in Neapel, wo meine Familie zum Mittelstand gehörte, und ich fühle mich meiner Stadt immer noch sehr verbunden, auch wenn ich schon seit 40 Jahren nicht mehr dort lebe. Ich habe in Pescara gewohnt, dann bin ich nach Rom gezogen, 1979 war das. Als einziger Sohn von Eltern, die sich wahnsinnig geliebt haben, blicke ich auf eine glückliche Kindheit zurück. Mein Vater hat das Leben über alles geliebt, und sein Standardsatz, den er mir gegenüber ständig wiederholt hat, war: „Nur Mut!“ Ein Motto, das ich quasi verinnerlicht habe. Nach der Schule habe ich eine Zeitlang Medizin studiert, auch ein bisschen Soziologie und schließlich Psychologie, allerdings mit dem festen Vorsatz, keinen Abschluss zu machen, was mir wunderbar gelungen ist. Ich bin viele Jahre Berufsmusiker gewesen (Schlagzeuger), und dann habe ich die unterschiedlichsten Jobs angenommen: Von der Küchenhilfe zum Handelsvertreter, und schließlich zum Angestellten. Mit 37 Jahren beschloss ich aber, mein Leben zu ändern, und so habe ich gekündigt und angefangen, Drehbücher fürs Fernsehen zu schreiben, und das mache ich inzwischen seit 25 Jahren. Ich bin verheiratet, habe zwei Töchter im Teenageralter, und meine Hobbys sind Kochen, Lesen, das Wiederentdecken von alten Schwarz-Weiß-Filmen, meine Hunde (ich habe zwei) und Musik.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, Schriftsteller zu werden?
Ich habe nicht wirklich beschlossen, einen Roman zu schreiben, sondern es ist eher eine Reaktion auf ein dringendes Bedürfnis gewesen, fast ein „Ruf“, eine innere Stimme, die ich einfach nicht überhören konnte. Außerdem hatte ich nach den vielen Jahren als Drehbuchautor den Wunsch, mich auf einem anderen erzählerischen Terrain auszuprobieren, wie es das Schreiben eines Romans ist. Ich suchte schon lange eine Geschichte, fand aber keine, die mir geeignet schien. Als dann die Welt der verlorenen Gegenstände vor meinem inneren Auge auftauchte, habe ich gemerkt, dass ich auf dem richtigen Weg war, um das erzählen zu können, was mir auf dem Herzen lag: Wir alle sind, jeder auf seine ganz persönliche Weise, „verlorene Gegenstände“, aber wir haben immer und überall die Möglichkeit, uns wiederzufinden.

Wo finden Sie die Inspiration für Ihre Romane?
Alles hat mit einer Nachricht angefangen, auf die ich im Internet gestoßen bin: In einem Zug war eine eiserne Lunge gefunden worden, die jemand offensichtlich dort vergessen hatte. Seit Tagen lag dieses ausgeklügelte Hightechgerät im Fundbüro des Mailänder Hauptbahnhofs, und bisher war einfach keiner aufgetaucht, um es für sich zu reklamieren. Von diesem Moment an habe ich angefangen, mich für die Welt der Fundsachen zu interessieren, und immer wenn ich Zeit hatte, habe ich in Bahnhöfen und Flughäfen Fundbüros aufgesucht. Ich stand dann lange vor irgendwelchen vergessenen Objekten und versuchte mir vorzustellen, welche Geschichte sich hinter ihnen verbergen mochte. Dann tauchte plötzlich und unerwartet ein altes Tagebuch von mir wieder auf, und das ist vielleicht der letzte Funke gewesen, der mich zu meinem Roman inspiriert hat.

Woran schreiben Sie im Moment?
Im Moment bin ich als Drehbuchautor bei zwei Fernsehserien eingebunden, die auf Romanen von Maurizio de Giovanni und Chiara Gamberale basieren. Außerdem habe ich schon mit einem zweiten Roman begonnen.

Wer sind Ihre Lieblingsautoren? Und warum?
Ich habe sehr viele Lieblingsautoren. Besonders aber liebe ich Haruki Murakami, wegen seiner visionären Kraft und seiner ausgeprägten Fähigkeit, Parallelwelten zu schaffen. Dann Paolo Volponi, wegen seiner Fähigkeit zur Introspektion, Elena Ferrante, wegen der Genauigkeit, mit der sie das Neapel beschreibt, das ich aus meiner eigenen Erinnerung kenne, sowie Milan Kundera, wegen der gnadenlosen Klarheit, mit der er seine Geschichten entwickelt.

Welche Bücher haben Sie in letzter Zeit gelesen?
Ich bin ein Suchtleser. Die letzten vier Bücher waren Dentro soffia il vento von Francesca Diotallevi, Carne trita von Leonardo Lucarelli, Das Herzenhören von Jan Philipp Sendker undDie Honigtöchter von Cristina Caboni.

Wie lautet Ihre Lebensphilosophie?
Jeden Morgen, wenn ich beim Aufwachen die Augen aufschlage, bedanke ich mich, dass ich noch da bin. Und in der Konsequenz versuche ich, der Traurigkeit und der Langeweile keinen Raum zu geben, um Weite zu schaffen für die Projekte, die mir am Herzen liegen, und die Möglichkeit, sie zu realisieren. Mein Motto könnte vielleicht heißen: Leidenschaft kann zwar tödlich sein, aber ohne Leidenschaft bist du sowieso schon tot.

Was tun Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben?
Ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit meinen Töchtern und meiner Frau zu verbringen, und bei jeder Gelegenheit, die sich uns bietet, mit ihnen zusammen auf Reisen zu gehen. Ich höre Musik, ich lese und ich koche gern. Abgesehen davon muss ich sagen, dass ich, wenn ich gerade nicht am Schreibtisch sitze, meistens darüber nachdenke, was ich schreiben könnte, auch wenn ich in dem Moment etwas ganz anderes mache.

Fünf Dinge über Sie, die wir noch nicht wussten …
1. Ich war ein Wegbereiter des Playback: Mit vier Jahren schon legte ich gern Platten auf und stellte mich vor den Spiegel, um so zu tun, als wäre ich selbst der Sänger und dem Text entsprechend die Lippen zu bewegen.
2. Ich habe Höhenangst und träume oft, am Rand eines Abgrunds zu stehen.
3. Ich kann nicht schreiben, ohne im Hintergrund Musik laufen zu haben. Auch jetzt gerade.
4. Als meine große Tochter geboren ist, habe ich auf dem Nachhauseweg im Auto zum ersten Mal in meinem Leben den Sicherheitsgurt angelegt. Mir war in diesem Moment klar geworden, dass mein Leben jetzt ihr gehörte.
5. Ich träume schon immer davon, einen kleinen Buchladen mit angeschlossener Bar zu eröffnen.

Welches ist Ihre Lieblingsfigur und warum?
Antonio Pepe, Micheles Freund, der als Feuerspeier arbeitet und auf Glasscherben läuft: Er ist von meinem besten Freund aus der Jugendzeit inspiriert, der mit nur 28 Jahren an Krebs gestorben ist. Ein Schmerz, der mich für immer geprägt hat, und der mir gleichzeitig geholfen hat, das Leben noch mehr zu lieben.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Der Prolog. Er ist der Beginn des Romans, der Auftakt des Abenteuers. Ein Moment, vor dem ich mich sehr gefürchtet habe.

Was meinen Sie – welchen Lesern wird Ihr Buch gefallen?
Ich hoffe allen, aber das ist natürlich klar. Ich glaube, es könnte denen gefallen (jedenfalls ist das in Italien passiert), die es gewohnt sind, nach innen zu schauen, die die Fähigkeit haben, zu träumen und immer und überall nach einer Hoffnung, einem Ausweg suchen.

Gibt es noch andere Bücher, die Ihrer Meinung nach mit dem Ihren vergleichbar sind?
Das erste, das mir in den Sinn kommt, ist Die unwahrscheinliche Pilgerreise von Harold Fry von Rachel Joyce, nicht nur wegen des Titels. Außerdem hat ein Kollege, der auch Drehbücher schreibt, zu mir gesagt, mein Roman erinnere ihn an Pinocchio von Carlo Collodi. Das hat mir sehr geschmeichelt und mich auch überrascht.

Ein paar Worte an Ihre deutschen Leserinnen und Leser?

Ich habe mit neun Monaten angefangen zu sprechen, und mit zehn zu laufen. Das sage nicht ich, sondern die Menschen, die es mit ihren eigenen Augen gesehen haben und (soweit sie noch am Leben sind) es folglich bestätigen können. Meine Mutter hat mir immer wieder versichert, dass ich nach meinen ersten Worten plötzlich gesagt habe: „Appetta“, was natürlich „aspetta“ („warte mal“) heißen sollte. Das könnte man so deuten, dass ich nach meiner anfänglichen Eile angefangen habe, die Langsamkeit zu schätzen. Und von da an ist mein Leben tatsächlich in einer dauerhaften Verzögerung abgelaufen.

Mit 25 Jahren habe ich kapiert, dass ich meinen Abschluss in Medizin nie machen würde, obwohl ich schon einige Prüfungen erfolgreich bestanden hatte, wenn auch verspätet.

Erst mit 36 habe ich festgestellt, dass mir die Büroarbeit nicht liegt, und mit 37 habe ich angefangen, Drehbücher zu schreiben.

Folgerichtig habe ich mit 42 Jahren angefangen zu rauchen, mit 43 habe ich geheiratet, und mit 44 bin ich zum ersten Mal Vater geworden, und auch das nur dank der Zielstrebigkeit und Geschwindigkeit meiner Frau.

Als würde das nicht genügen, habe ich mit 52 Jahren noch beschlossen, mich beim Fernsehen in Regie zu versuchen, und an der Schwelle zu meinem 59. Geburtstag habe ich meinen ersten Roman zu schreiben begonnen.

Es wird daher nicht weiter überraschen, dass ich die Geschichte eines Mannes erzähle, der mit seinem Leben spät dran ist, verlorene Gegenstände sammelt und endlich beschließt, auf die Reise zu gehen, um seine Mutter zu suchen, die zwanzig Jahre vorher verschwunden ist.

Es ist vielleicht ein wichtiger Ausgleich, dass die Geschichte, die ich erzähle, in einem Zeitraum von nur zehn Tagen spielt und daher ziemlich rasch verläuft. Das hat mir aber keine großen Honorareinbußen beschert, denn ich habe fast zehn Monate gebraucht, um über diese zehn Tage zu schreiben. Mir schien das ein sehr angemessenes Verhältnis.

Das Komische ist allerdings, dass es jetzt meine größte Hoffnung ist, so schnell wie möglich gelesen zu werden. Wirklich seltsam, wie das Leben spielt.

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Salvatore Basile

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

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