Sándor Zsigmond Papp
© Andras Eberling

Sándor Zsigmond Papp, geboren 1972 im rumänischen Radautz, studierte Philosophie in Klausenburg, ehe er eine Laufbahn als Journalist einschlug. Zehn Jahre arbeitete er für Ungarns größte Tageszeitung Népszabadság. Sándor Zsigmond Papp lebt in Budapest. Der süße Betrug des Lebens ist sein erster Roman.

Was sind Ihre Erinnerungen an die Diktatur?


Meine Beziehung zur Vergangenheit ist wechselhaft. Einerseits nostalgisch, weil meine Kindheit und Jugend in die Achtzigerjahre fielen. Andererseits möchte ich keine Diktatur mehr. Heute sehe ich umso klarer, warum das totalitäre System der Feind für jede frei denkende und kreative Person ist. Man kann in ihr nicht leben, nur überleben. Für einen Schriftsteller bedeutet die Diktatur, so interessant sie als Rohmaterial für seine Bücher sein mag, das Ende. Allzu viel Platz für Nostalgie ist also nicht. Laut einer Umfrage von letztem Jahr führt Ceausescu, zusammen mit dem berühmten Bildhauer Constantin Brâncuşi, die Liste der wichtigsten historischen und kulturellen Persönlichkeiten des modernen Rumäniens an. Etwas Enttäuschenderes und Ernüchternderes hätte ich mir nicht vorstellen können.

Wie sehen Sie die Zeit des Mauerfalls aus heutiger Sicht? Welche Hoffnungen sind erfüllt worden, welche nicht?


Heute reise ich so weit, wie es mein Geldbeutel erlaubt, und ich spreche und schreibe über was auch immer ich will. Meine zwei größten Träume sind also wahr geworden. Deshalb frustriert es mich, wenn alte Freunde meiner Familie, die in Rumänien leben, eifrig die ungarische Regierung feiern, die diese Freiheiten schrittweise einschränkt. Es frustriert mich, weil sie damit etwas aufgeben, das wir zuvor, beim Sturz des Diktators, noch gefeiert haben. Heute wollen sie nur eine einzige Meinung hören – ihre eigene natürlich. Sie wollen wieder eine Einheitspartei und einen Führer. Mir scheint, wir leben heute in einer Ära der freiwilligen Diktaturen. Der derzeitigen ungarischen Regierung kommt das sehr gelegen. Die Leute finden es schöner, jemanden zu lieben, als kritisch zu denken.

Was sind die Gründe für die aktuelle politische Situation in Ungarn?


Die Gründe habe ich gerade schon dargelegt. Das System macht aber nicht Viktor Orbán allein, sondern auch die, die auf das kommunistische System schimpfen, während sie gleichzeitig sein entscheidendes Instrument aufrechterhalten: den Mangel an Freiheit. Ihre Mentalität verbietet ihnen, frei zu sein, deshalb können sie auch keine Demokratie schaffen. Orbán nutzt das geschickt aus. Denen, die es brauchen, gibt er Führung und Ziele. Die anderen werden bezahlt oder erpresst.

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