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Sandra Gladow »Eiswind«

SPECIAL zu Sandra Gladow »Eiswind«

Sandra Gladow im Gespräch

über ihren Roman "Eiswind"

Wie Ihre Figur Anna Lorenz arbeiten auch Sie als Staatsanwältin. Gibt es zwischen Ihnen Gemeinsamkeiten?
Die Tatsache, dass meine Romanheldin und ich denselben Beruf ausüben, stellt natürlich schon eine ganz wesentliche Gemeinsamkeit dar. Sie ist zudem wie ich Ende dreißig und bewegt sich in einem ähnlichen sozialen Umfeld. Dennoch ist Anna Lorenz eine rein fiktionale Figur, die Geschichte trägt also keine autobiografischen Züge. Trotzdem kann ich mich mit der Art und Weise identifizieren, in der Anna Lorenz ihr Leben anpackt. Insoweit gibt es sicher auch charakterliche Parallelen.

Wie sind Sie dazu gekommen, Kriminalromane zu schreiben?
Ich hatte schon als Schülerin immer den Wunsch, Bücher zu schreiben. Der erste Roman, den ich dann tatsächlich geschrieben habe, war ein klassischer Frauenroman. Vor dem Hintergrund, dass ich Staatsanwältin und gleichzeitig Buchautorin bin, lag es natürlich nahe, mich irgendwann an einem Kriminalroman zu versuchen.

Sie wohnen mit Ihrer Familie in Hamburg. Warum haben Sie die Hansestadt Lübeck als Schauplatz Ihres Romans gewählt?
Ich habe mich ganz bewusst gegen Hamburg entschieden, weil ich dort als Staatsanwältin tätig bin. Es war für mich sehr wichtig, eine räumliche Distanz zwischen meinem und Anna Lorenz´ beruflichem Umfeld zu schaffen. Und zu zeigen, dass Ähnlichkeiten zwischen realen Personen und meinen Romanfiguren rein zufällig sind. Lübeck hat außerdem einen speziellen kleinstädtischen Charme, der sich besonders als Schauplatz für einen Krimi eignet. Der Einzug des Bösen in ein Umfeld, das behütet und sicher scheint, erzeugt immer eine ganz besonders spannende Atmosphäre.

Anna Lorenz wohnt in einem exklusiven Designerhaus mit Blick auf die Trave. Was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster schauen?
Wenn ich aus meinem Fenster schaue, sehe ich in erster Linie Autos, einen Kran und einen Schaufelbagger. Ich wohne allerdings nicht auf einer Baustelle, sondern habe lediglich den permanent wachsenden Fuhrpark eines Vierjährigen vor Augen. Ansonsten sehe ich dort neben einer Sandkiste, einem Schaukelgerüst und einem Trampolin noch eine recht übersichtliche Rasenfläche. Mein Wohnzimmer sieht – abgesehen vom Rasen – übrigens recht ähnlich aus.

Lassen Sie sich beim Schreiben Ihrer Bücher von Ihrem Berufsalltag inspirieren? Wenn ja, inwiefern?
Natürlich finde ich im Berufsalltag Anregungen für die Geschichten, die ich schreibe. Ich übernehme dabei aber keine realen Kriminalfälle. Wie die meisten Autoren schöpfe ich meine Ideen in erster Linie aus der Fantasie. Für die Umsetzung eines Krimiprojektes ist es allerdings sehr hilfreich zu wissen, wie in der Realität der Ermittlungsalltag von Kriminalbeamten und Staatsanwälten aussieht.

Sind Sie selbst schon einmal in Gefahr geraten?
Ich gerate ständig in Gefahr, wenn ich einen Supermarkt betrete und in die Versuchung komme, meinen Einkaufswagen mit Süßigkeiten zu überladen. Nein, im Ernst, ich bin zum Glück noch nie in Gefahr geraten und hoffe, dass das auch in Zukunft nicht der Fall sein wird.

Welche Bücher lesen Sie selbst gerne? Haben Sie auch einen Lieblings-Krimihelden?
Ich lese allgemein gerne Romane, in denen Lebensgeschichten erzählt werden, die gleichzeitig in ein interessantes historisches Umfeld oder ein spannendes kulturelles Umfeld eingebettet sind. Kriminalromane lese ich ehrlich gestanden seltener. Das liegt sicher daran, dass ich keine Lust habe, in meinem Privatleben ständig an meinen Beruf erinnert zu werden.

Wissen Sie beim "Tatort" immer schon die Auflösung?
Weder beim "Tatort" noch bei anderen Krimiverfilmungen kenne ich die Auflösung immer, aber häufig. Das liegt allerdings nicht an meiner Berufserfahrung als Staatsanwältin, sondern an der Qualität der Geschichten, die heute im Fernsehen gezeigt werden. Es gibt leider nur wenige sehr gut durchdachte Drehbücher.

Finden Sie, Kriminalromane sollten generell realistisch sein? Ist das für Ihre eigenen Bücher ein Kriterium?
Ich finde, Krimis müssen generell glaubhafte Geschichten erzählen, um spannend zu sein. Eine Geschichte, die glaubhaft ist, wird natürlich nie gänzlich unrealistisch sein. Krimis müssen allerdings meiner Meinung nach nicht mit dem Anspruch verfasst werden, die Realität 1:1 abzubilden. Ich schreibe in erster Linie, um meine Leser spannend zu unterhalten. Dieses Ziel habe ich dann erreicht, wenn sich der Leser, sobald er die letzte Seite von "Eiswind" zu Ende gelesen hat, auf den zweiten Teil freut.

Es wird also eine Fortsetzung von "Eiswind" geben. Dürfen Sie schon etwas verraten?
Der nächste Roman ist bereits in Arbeit: Anna Lorenz ermittelt in ihrem zweiten Fall im privaten Umfeld, nachdem eine Nachbarin zu Tode gekommen ist. Noch möchte ich nicht zu viel über den Inhalt erzählen, sicher ist allerdings, dass es auch in Annas Privatleben spannend weitergehen wird. Sowohl Annas Jungendfreund Georg als auch Kommissar Bendt werden dabei keine unbedeutende Rolle spielen.

Das Interview führte Charlotte Paetau
April 2010

Eiswind Blick ins Buch

Sandra Gladow

Eiswind

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