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SPECIAL zu Sarah Kirsch

"EINE KLASSIKERIN ZU LEBZEITEN"

(Westdeutscher Rundfunk)

Sarah Kirsch
© Markus Desaga

Sarah Kirsch (1935-2013) studierte Biologie und Literatur und lebte bis zu ihrer Ausbürgerung 1977 im Osten Berlins, siedelte dann in den Westen der Stadt über. 1981 zog sie in den Norden Deutschlands, wo sie bis zu ihrem Tod als freie Schriftstellerin und Malerin in Tielenhemme, Schleswig-Holstein, lebte. Für ihr dichterisches Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Georg-Büchner-Preis, dem Jean-Paul-Preis sowie dem Johann-Heinrich-Voß-Preis.


Sarah Kirsch gilt als eine der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen. Sie wurde 1935 in Limlingerode im Norden Thüringens als Ingrid Bernstein geboren und wuchs in Halberstadt auf.
Nach Abschluss ihres Biologiestudiums in Halle studierte sie Literatur am Johannes R. Becher Institut in Leipzig.
Ihre ersten Gedichte veröffentlichte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Lyriker Rainer Kirsch, mit dem sie von 1960 bis 1968 verheiratet war. Nach der Scheidung zog Kirsch nach Ost-Berlin, 1969 kam ihr Sohn Moritz zur Welt kam (Vater: Karl Mickel).
Schon 1960 nahm sie das Vornamen-Pseudonym Sarah an, um damit gegen die Verfolgung und Massenvernichtung der Juden in der Nazizeit zu protestieren. Wegen ihres Protestes gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann wurde sie 1976 aus der SED und dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen und von der Staatssicherheit observiert. Ein Jahr danach folgte ihre Ausbürgerung, sie zog mit ihrem Sohn Moritz nach West-Berlin, wo sie als Journalistin, Hörfunkmitarbeiterin und Übersetzerin arbeitete. Später lebte sie als freie Schriftstellerin und Malerin in Schleswig-Holstein.

Schon von den ersten Lyrikbänden an zeigt sich Sarah Kirschs Besonderheit, ihr typischer Ton, der „Sarah-Sound“, und die starke Intensität der Ich-Aussage. Natur- und Liebeslyrik kombiniert sie mit Zeitkritik und politischen Themen, die scheinbare Idylle wird gebrochen. Die wichtigsten Themen sind: das Fernweh, das Nachdenken über sich selbst, die Frage, wie man lebt und leben sollte. Ihr 1973 veröffentlichter Band "Zaubersprüche" wird dann als "in sexueller und erotischer Hinsicht freiester Gedichtband aus der ganzen bekannten deutschsprachigen Frauenlyrik" beurteilt (Adolf Endler), hier steht die weibliche Subjektivität im Vordergrund. Während in frühen Gedichten die Auseinandersetzung mit Krieg und Nationalsozialismus vorherrschte, dominiert später das Landschaftsgedicht und die Reflexion auf die zivilisatorische Weltkrise.

Auch formal entwickelte Kirsch früh eine eigene Sprache und einen herben, mitunter als sperrig empfundenen Stil. Grammatikalische Abweichungen, ein freier Umgang mit der Zeichensetzung und ein an der Atmung orientierter Rhythmus konterkarieren absichtsvoll die Lesererwartung, ebenso wie ihr schnoddriger Ton und bewusst gesetzte „Stolpersteine“, antiquierte oder aus dem Zusammenhang gerissene Wörter. Sie gehörte keiner Schule an, doch lassen sich viele ihrer Arbeiten der Neuen Subjektivität zurechnen. Ein großes literarisches Vorbild von Sarah Kirsch war Annette von Droste-Hülshoff, daneben ist ihr Werk durch Johannes Bobrowski und Wladimir Majakowski beeinflusst.

Schreiben und Leben war für Sarah Kirsch immer eins: „Weshalb ich schreibe, weshalb ich lebe, fällt ja zusammen. Weil ich herausfinden will, was ich hier soll. Auf diesem seltsamen Planeten.“ Und in einem Interview der „Zeit“ erläuterte Kirsch: „Wenn man schreibt, geht es einem um alles, wenn man es ehrlich macht. Das Kunstwerk kann nur groß und schön und sonstwas sein, wenn es mit dem, der es schreibt, so viel zu tun hat, dass der auch daran kaputtgehen kann. (...)

Neben Gedichten schrieb Kirsch auch viele Prosatexte, unter anderem Tagebuchprosa. Viel Energie widmete sie zudem der Malerei. Der im Jahr 2002 erschienene Kunstband "Beim Malen bin ich weggetreten" gibt einen Überblick über ihr bildnerisches Schaffen, von den ersten Versuchen im Briefmarkenformat bis zu Aquarellen, Gouachen und Collagen. Ihre zuletzt erschienenen Bücher sind alle geschmückt mit ihren Aquarellen.
Sarah Kirsch verstarb im Mai 2013 in Thielenhemme, Schleswig-Holstein, wo sie seit 1983 lebte.

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