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Sherlock Holmes im Hörverlag – Oliver Kalkofe ist Dr. Watson

Superheld mit Pfeife. Oliver Kalkofe liest "Sherlock Holmes"

Schon als Kind sei er mit Fingerabdruckpulver und Rückwärtsbrille durchs Haus geschlichen. Heute liest der beliebte Comedian und Schauspieler Oliver Kalkofe für den Hörverlag die Fälle des berühmtesten Detektivs der Weltgeschichte: Sherlock Holmes. Oliver Kalkofe, geboren 1965, stellte sein humoristisches Talent erstmalig im Radio unter Beweis: Bei radio ffn machte er sich in der wöchentlichen Kult-Show Frühstyxradio v. a. mit Kalkofes Mattscheibe, Herr Radioven, FFNterprise und als Onkel Hotte einen Namen. Für die TV-Version von Kalkofes Mattscheibe erhielt er 1996 den Adolf-Grimme-Preis und 1999 den Deutschen Comedypreis. Im Kino konnte man Kalkofe etwa in Der Wixxer (2004) und Neues vom Wixxer (2007) als Chief Inspector Even Longer erleben. Inzwischen ist er auch als Synchronsprecher gefragt und war u. a. zu hören in den Animationsfilmen Robots (2005), Garfield 2 (2006), Urmel voll in Fahrt (2008), Monsters vs. Aliens (2009), Megamind (2010) und Die Konferenz der Tiere (2010). Für die deutschen Fassungen der TV-Serie Little Britain und der Filmreihe OSS 117 mit Jean Dujardin war er neben seiner Tätigkeit als Sprecher auch als Autor aktiv.

Das Foto von Oliver Kalkofe auf dieser Seite hat © Matthias Scheuer/audioberlin.com während der Studioaufnahmen gemacht. Und genau da haben wir den Comedian auch zum Interview getroffen:

Wie muss man den Tag beginnen, wenn man weiß, man wird gleich die berühmtesten Fälle des berühmtesten Detektivs einlesen?

Es hat mich selber sehr gewundert, aber ich muss jetzt nicht Filme kucken oder ‘ne Mütze tragen oder Pfeife rauchen oder Kokain nehmen wie Sherlock Holmes, um in diese Stimmung zu kommen. Da ich ein Riesenfan von solchen englischen Geschichten bin, ist es komischerweise so, dass das sehr schnell und sehr automatisch funktioniert. Und wenn man da erstmal eingetaucht ist, dann kommt man nicht so schnell wieder raus.

Wer ist Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes eigentlich?

Als ich mich jetzt zum ersten Mal wieder an die Original-Geschichten machte, musste ich erkennen, dass Sherlock Holmes eine viel interessantere und ironischere, coolere Figur ist, als ich es die ganzen letzten Jahrzehnte gedacht habe. Bisher war es immer ein eher ruhiger, dröger, etwas älterer, sehr in sich gekehrter Mann. Wenn ich jetzt die Geschichten lese, sehe ich, er ist der lebendigste von allen! Er ist derjenige, der begeistert ist, der mit wachen Augen alles beobachtet, der sich freut und nachdenkt und ein bisschen spöttisch den Rest der Welt betrachtet. Das finde ich an der Figur so spannend.

Und Dr. Watson?

Watson ist der durchschnittliche Jedermann, das ist ja auch sein Job. Der das alles beobachtet, aber auch nicht ganz so tumb und dumm ist, wie er in manchen Filmen dargestellt wird. Er versucht immer, Holmes nachzueifern, kommt da aber halt nicht so ran. Es ist die erste Buddy-Geschichte der Literatur: wo zwei unterschiedliche Charaktere zusammenkommen und dann aber als gute Freunde gemeinsam die Fälle lösen.

Was für eine Erklärung haben Sie für den bis heute ungebrochenen Hype um Sherlock Holmes?

Holmes und Watson sind archetypische Figuren. Die funktionieren einfach in sich, egal in welcher Zeit. Man hat zwei Figuren, einen Überintelligenten und einen „Normalbürger“, die charakterlich anders sind – daraus entstehen alle guten Geschichten, ob in der Literatur oder im Film. Und diese beiden Figuren sind diejenigen gewesen, die den Schnittmusterbogen für alle späteren vorgelegt haben – auch ein Hercule Poirot wäre nicht möglich ohne einen Holmes! Dazu kommt natürlich noch, dass Holmes durch die ganzen Verfilmungen und Bilder auch sowas wie ein Superheld ist. Wie ein Superheld ein festes Kostüm hat, kennt man auch das „typische Holmes-Kostüm“: die Mütze und den Umhang und die Pfeife, man weiß, er wohnt in der Baker Street und ähnliche Geschichten – das alles hilft, um daraus einen Mythos zu spinnen. Holmes hat für alle Kriminalisten und für alle Detektive der Welt den Anstoß gegeben und ist für alle das große Vorbild. Und deswegen wird er auch die Zeit überdauern.

Diese besondere Spannung, gepaart mit Humor – können nur die Briten das?

Ich glaube, dass man das schon so sagen kann: Dass die Briten mit der Kriminalliteratur irgendwie ganz besonders verwachsen sind. Und man fragt sich, warum. Die Briten haben immer, im ganzen Leben, Dinge mit Humor und mit einer gewissen Ironie genommen haben, anders als andere Länder. Dann auch diese großen Unterschiede der Stände in den vergangenen Jahrhunderten, die Königin, das Königshaus, die ehemalige Pracht, quasi die ganze Welt fast beherrscht zu haben und dann aber wieder auf die kleine Insel zurückgedrängt worden zu sein. Diese vielen Widersprüche, dazu noch der Nebel, der ja in den alten Geschichten immer eine große Rolle spielt – diese ganzen Zutaten haben da natürlich Kriminalgeschichten ganz anders wachsen lassen als woanders. In Deutschland hatten wir immer eher die Beamtenmentalität.

Was war Ihr erster Gedanke, als wir Sie gefragt haben, ob Sie für uns Sherlock Holmes einlesen?

Nachdem ich von Agatha Christie ja nun schon einiges lesen durfte, mit sehr, sehr großer Freude, war der erste Gedanke: Oh super, der große Mythos Holmes, dass ich den lesen darf! Gleichzeitig hatte ich aber auch ein bisschen Angst und dachte: Wird’s mir genauso viel Spaß machen wie Agatha Christie? Als ich dann anfing, die Geschichten zu lesen, war ich innerhalb von Minuten begeistert. Wow, ich wusste nicht, wie gut die geschrieben sind! Was für eine tolle Sprache! Es ist sehr schwer zu lesen, weil manchmal ein Satz über eine halbe Seite geht, achtmal hin- und hergeschoben. Aber es macht einen wahnsinnigen Spaß, und es ist eine so schöne, poetische, bildhafte Sprache. Die Ausdrucksweise, weil sie schon über hundert Jahre alt ist, hat einfach einige wirkliche Überraschungen zu bieten! Nein, ich bin hochbegeistert davon!

Als Hercule Poirot und Sherlock Holmes sind Sie der Meisterdetektiv des Hörverlags …

Ich muss sagen, dass mich das mit einem gewissen Stolz erfüllt: Dass ich jetzt zwei der größten Detektive der Welt für den Hörverlag lesen darf, das ist schon echt klasse, viel mehr gibt’s da auch gar nicht, die beiden größten hab‘ ich dann (lacht).

Gibt es Herausforderungen bei dieser Lesung?

Es gibt viele Herausforderungen. Es ist von allen Sachen, die ich gelesen habe, auf jeden Fall die bisher anspruchsvollste. Ich mache schon Schachtelsätze, aber was Arthur Conan Doyle macht, ist Wahnsinn! Das Zweite ist die Anhäufung der Begriffe, von denen man viele heute gar nicht mehr findet. Auch nicht im Internet. Wir haben recherchiert, und der Kai Lüftner, der die Regie ganz wunderbar macht, hat gesucht und gekuckt und geforscht, man findet nichts. Das ist schon wirklich spannend, weil es eben eine ganz andere Epoche ist, die wir hier vor uns haben.

Wie viele Rollen geistern momentan in Ihrem Kopf herum?

Oh Hunderte! Also wenn ich allein das ankucke, was ich in der Mattscheibe gemacht habe, da haben wir, glaube ich, über anderthalbtausend Sketche gemacht und davon sind so um die Tausend irgendwelche Verkleidungen gewesen. Also eine sehr multiple Persönlichkeit, die ich da habe (lacht).

Und werden Sie diese Stimmen am Ende des Tages auch wieder los?

Ich trag' sie immer ein bisschen mit mir rum, aber zum Glück nicht allzu lang. Auch Holmes und Watson möchte ich nicht wirklich sein – ich glaube, ich würde den Leuten sehr auf den Geist gehen, wenn ich plötzlich anfange, überall den Staub einzusammeln und zu analysieren ... (lacht) Aber natürlich geht es im Kopf rum, das ja. Die Figuren lassen einen nicht los. Ich habe auch, um ehrlich zu sein, letzte Nacht von Holmes geträumt! Ich wachte auf, zweimal oder so, und weiß, dass ich gerade in dem Fall war. Ich weiß nur nicht mehr, in welchem ...

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Arthur Conan Doyle

Die Memoiren des Sherlock Holmes: Das Musgrave-Ritual & Die Junker von Reigate

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