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Special mit Miranda Richmond Mouillot zu »Anna und Armand«

Wussten Sie, dass Miranda Richmond Mouillot erst mit 19 Jahren das Fahrradfahren gelernt hat?

Miranda Richmond Mouillot
© Tristan Zilberman – www.fabrique-image.fr

Eine kurze Biografie:
Ich wurde in Asheville, North Carolina, im Herzen der Blue Ridge Mountains, geboren. Meine Mutter (Ileana Grams-Moog, pensionierte Philosophie-Professorin der UNC Asheville) und mein Stiefvater (Robert Moog, Erfinder des Moog Synthesizer) zogen mich groß sowie mein Vater (Robert Richmond, unabhängiger Krankenhauspathologe und Dichter) und meine Stiefmutter (Kathleen Mavournin, pensionierte Biochemikerin und Geschichtenerzählerin) – das sind vier Elternteile, um genau zu sein. Ich wuchs als Einzelkind auf (obwohl ich einige Stief- und Halbgeschwister habe). Viele Spielsachen hatte ich nicht, aber viele Bücher, zwei große Gärten hinter dem Haus, und jede Menge ungewöhnliche – um nicht zu sagen exzentrische – Leute, die zu Besuch kamen, Seminare besuchten, Meetings abhielten, aßen, schliefen und in meinem Haus lebten. Ich wurde mit einer Intoleranz gegen jegliche Institutionen in diese Welt geboren, brach zwei Mal die Schule ab, wurde dann zu Hause unterrichtet, übersprang eine Klasse und verbrachte ein Jahr in der International School in Genf, schaffte es aber letztendlich im Jahr 1999 an der Asheville High School meinen Abschluss zu machen. Danach ging ich nach Harvard, wo ich Geschichte und Literatur studierte. Meine Abschlussarbeit schrieb ich über den ländlichen Jakobinismus in der Französischen Revolution. 2006 heiratete ich, und ich habe eine Tochter Estelle Anna, die 2015 geboren wurde.

Warum haben Sie sich für das Schreiben entschieden?
Das ist eine schwierige Frage! Ich kann nicht nicht schreiben. Ich schreibe die Art von Sachbüchern, weil ich mich wahnsinnig für Geschichte, Geschichtswissenschaft und Philosophie interessiere, und ich bin der Meinung, dass sogar die komplexesten Gedanken für das breite Publikum spannend aufbereitet werden können, wenn richtig darüber geschrieben wird.

Was dient Ihnen als Inspiration für Ihre Bücher?
Inspiration zum Schreiben findet sich überall. Die Inspiration zu Anna und Armand fand ich, wie könnte es anders sein, in der Geschichte meiner Großeltern. Die Inspiration zu den Büchern, an denen ich im Moment arbeite, fand ich an verschiedenen Orten – ein wenig inspirierte mich meine Arbeit als akademische Übersetzerin, alltägliche Begegnungen inspirieren mich, und natürlich kommt Inspiration auch von jenem mysteriösen Land, das wir Fantasie nennen …

Welche Art von Geschichte schreiben Sie im Augenblick?
Ich arbeite an einem Buch über Glanz, Weiblichkeit und die einzige weibliche Philosophin der Aufklärung. Außerdem arbeite ich an einem Bilderroman mit dem Titel What Beauty Is For, der drei ineinander verknüpfte Handlungen beinhaltet, um der Frage nachzugehen, ob die wahre Liebe existiert, und wenn ja, ob sie es wert ist, alles dafür aufzuopfern. Unlängst habe ich ein Kinderbuch für Vier- bis Sechsjährige fertiggestellt. Dann bin ich noch Co-Autorin eines Buches über Demokratie und Kapitalismus zusammen mit einem belgischen Wissenschaftler. Ich arbeite auch an zwei Buchübersetzungen, eine von einem französischen Historiker über Moralphilosophie und Nationalsozialismus (wird von Harvard University Press veröffentlicht), und eine vom aktuellen Roman des französischen Autors Romain Gary, The Kites (wird von New Directions veröffentlicht).

Welches sind Ihre Lieblingsautoren?
Ich liebe Romain Gary für seine lebhaften und starken Erzähltechniken und seine tiefe Hingabe an die Liebe, Kreativität und humanistischen Werte. Ich liebe Michel Foucault, Jules Michelet und Peter Brown (unter anderen) für ihr lebhaftes, brillantes und forschendes historisches Schreiben. Virginia Woolf wegen ihrer absoluten Hingabe an schöne Prosa, die sich mit den tiefgründigsten Existenzfragen des Lebens beschäftigt. Marcel Proust für seine geheimnisvoll profunde Fähigkeit, die größten Emotionen des Lebens und die kleinsten Details zu beobachten. Vladimir Nabokov wegen seiner grenzenlosen literarischen Kreativität, vor allem aber wegen seiner Synästhesie. Italo Calvino wegen seines spielerischen, ungeduldigen Stils. Und das ist nur Erwachsenenliteratur – ich liebe auch Kinderliteratur. Ich könnte noch ewig fortfahren.

Welches Buch oder welche Bücher haben Sie kürzlich gelesen?
Im Augenblick lese ich Jill Lepores Book of Ages und Julia Kristevas L’horloge enchantée. Außerdem lese ich Michel Foucaults Histoire de la sexualité. Eben wurde ich mit On Immunity von Eula Biss und Between The World And Me von Ta-Nehisi Coates fertig. Kürzlich haben meine Tochter und ich uns in The Three Little Wolves and the Big Bad Pig von Eugene Trivizas verliebt, und wir lesen immer wieder Maurice Sendaks und Tony Kushners Brundibar, ein Buch mit einer schönen (und angemessenen) Botschaft für Kinder.

Was ist Ihre Lebensphilosophie?
Ach du meine Güte – in drei Zeilen??

1) Habe keine Angst, Stellung zu beziehen, und habe keine Angst zu akzeptieren, dass du vielleicht falsch liegen könntest. Habe keine Angst, Fragen zu stellen, und habe keine Angst vor Gewissheit. Finde jederzeit die Balance zwischen diesen zwei Polen – die Wahrheit liegt in der Spannung zwischen den beiden.

2) Liebe, Ausgeglichenheit, Dankbarkeit, Kreativität: Sie alle sind Übungen; sie alle bedürfen der Übung; und das Leben verlangt von uns, dass wir uns in allen üben. Schönheit ist ein Schlüssel zu allen, und sie alle sind ein Schlüssel zur Schönheit. Deshalb versuche ich der Schönheit gegenüber achtsam zu sein, wohin ich auch gehe.

Wenn Menschen mir erzählen, wie es ihnen geht, schenke ich ihnen Glauben. Je schwieriger es ist, ihnen zu glauben, desto wichtiger ist es, es zu versuchen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht schreiben?
Ich denke an das Schreiben! Ich liebe es, Zeit mit meiner Tochter zu verbringen, zu lesen, zu kochen, zu backen und Gäste bei uns zu Hause zu empfangen, zu laufen und in der schönen Natur, die unser Zuhause umgibt, zu wandern. Ich lebe weit draußen auf dem Land, das heißt, so in etwa sieht mein Tagesablauf aus.

Fünf Dinge über Sie, die wir noch nicht wissen:
Ich bin Synästhetin.
Ich habe erst mit 19 Jahren Radfahren gelernt (aber jetzt liebe ich es!).
Fast hätte ich eine Weberei eröffnet, anstatt Geschichte zu studieren.
Ich bin von meinem morgendlichen Kaffee besessen. Ich mag ihn sehr stark und mit Vollmilch.
Meistens schreibe ich mit einem Füllfederhalter.

Wie würden Sie Ihr aktuelles Buch Anna und Armand in einem Satz beschreiben?
Anna und Armand handelt von meinem Bemühen, das Geheimnis hinter der Heirat meiner Großeltern während des Zweiten Weltkrieges zu enträtseln, ihre anschließende Trennung und das fünfzigjährige Schweigen, das darauf folgte – und davon, wie das Finden der Antwort mich leitete, meinen eigenen Weg zu finden.

Wer ist Ihre Lieblingsfigur im Buch und warum?
Meine Großeltern! Ich habe sie beide von ganzem Herzen geliebt und vermisse sie ganz schrecklich.

Welche Szene war am schwierigsten zu schreiben?
Viele Szenen in diesem Buch waren schwer zu schreiben. Seltsamerweise denke ich, dass die schwierigste Szene nichts mit der Geschichte meiner Großeltern zu tun hatte, sondern mit meiner eigenen – es war die Szene vom Tod meines Stiefvaters. Als ich das Audiobuch aufnahm, mussten wir diese Szene einige Male wiederholen, denn sie laut vorzulesen bringt mich noch immer zum Weinen.

Welcher Sorte Leser wird Ihr Buch gefallen?
Als ich es zum ersten Mal meinem Agenten vorstellte, schrieb ich: „Dieses Buch sollte ein breites Publikum an erwachsenen Lesern ansprechen, die an zum Nachdenken anregender Literatur mit historischem Einschlag und einem soliden Erzählfluss interessiert sind. Es erzählt von zwei Liebesgeschichten, die zwei Kontinente und drei Generationen umspannen, enträtselt ein Familiengeheimnis, und beschreibt die Abenteuer einer jungen Frau, die ins ländliche Frankreich auswandert, sich in einer Ruine niederlässt und einen gebildeten, zweisprachigen Steinmetz heiratet. Es ist für den Buchclub deiner Mutter geschrieben oder die Rucksacktour deines Bruders, für jeden, den jemals die Wanderlust packte.“

Das heißt: Ich denke, dass jeder, der sich für den Holocaust und die Geschichte des Zweiten Weltkrieges, besonders für authentische und persönliche Berichte über die Nürnberger Prozesse (von denen es sehr wenige gibt), interessiert, wird dieses Buch mögen. Leser, die Bücher über Frankreich und über Menschen, die zusammenpacken und ein neues Leben an einem exotischen Ort beginnen, mögen, werden auch Anna und Armand mögen. Menschen, die gern Familiengeschichten und persönliche Erzählungen lesen, werden auch an diesem Buch Gefallen finden.

Möchten Sie Ihren Leserinnen und Leser einen kurzen Gruß zukommen lassen?
Es bewegt und ehrt mich wirklich, dass mein Buch in Deutschland veröffentlicht wird. Zum einen wurde ich mit einer großen Bewunderung für die deutsche Sprache und die deutsche Kultur großgezogen. Meine Großeltern lasen und sprachen beide Deutsch, und sie wären höchst erfreut gewesen, dass ihre Geschichte in Deutschland veröffentlicht wird. Besonders Armand hatte eine große Leidenschaft für die deutsche Kultur und die deutsche Literatur, die er an der Universität von Straßburg studierte, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Mein Vater studierte ebenfalls deutsche Literatur in Harvard. Viele meiner Familienmitglieder sprechen Deutsch. Als ich aufwuchs, verstand ich die deutsche Sprache sehr gut, aber bedauerlicherweise habe ich alles vergessen. Deshalb ist es großartig, dass Anna und Armand für mich ein Weg ist, Ihr Land zu entdecken.

Zum anderen erzählt Anna und Armand davon, wie meine Großeltern den Zweiten Weltkrieg überlebten – überlebten in rein physikalischem Sinn, aber auch davon, wie sie an ihrem tieferen Selbst festhielten und weiter wuchsen, als der Krieg zu Ende war. Das Buch erzählt auch über ihr Schweigen und was es bedeutete, zwei Generationen später zu versuchen, das Schweigen meinem eigenen Überleben zuliebe zu brechen. Zwei Generationen später, als Jüdin und Deutsche, bin ich davon überzeugt, dass wir uns mit den gleichen Problemen des Schweigens und des Erinnerns herumschlagen, jedoch von zwei verschiedenen Blickwinkeln aus. Um eine Heilung vom Erbe der Shoah zu ermöglichen, bedarf es einer Lektion, die wir an unsere eigenen Kinder weitergeben können. Ich glaube, dass es viel damit zu tun haben wird, voneinander zu lernen, wie das schreckliche Schweigen gebrochen werden kann, in welches wir hineingeboren wurden, und wie wir die Teile der Geschichte in uns tragen können, die für immer unaussprechlich bleiben werden. Dies ist mein Beitrag zu diesem Dialog.

Anna und Armand Blick ins Buch

Miranda Richmond Mouillot

Anna und Armand

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