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Special zu James Carlos Blake »Das Böse im Blut«

Der Grenzgänger

von James Carlos Blake

Bildmächtig, düster, nachtschwarz – so schildert James Carlos Blake in seinem monumentalen Anti-Western Das Böse im Blut die Geburt des modernen Amerika. Mit dem Roman, der mit dem Los Angeles Times Book Prize ausgezeichnet wurde, begeistert Blake nicht nur seine Leser, sondern erfüllt sich auch selbst einen lange gehegten Wunsch. 

Obwohl Das Böse im Blut erst als mein dritter Roman veröffentlicht wurde, hatte ich die Idee dazu schon im Hinterkopf, lange bevor ich die ersten beiden schrieb. Der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko hat mich schon als Kind fasziniert. Ich nahm damals gierig alles auf, was darüber in den Geschichtsbüchern stand und was meine Familie in Erzählungen und Legenden von Generation zu Generation weitergegeben hatte. Mein Interesse an den Zusammenhängen ist nie erloschen. Als ich beschloss, Schriftsteller zu werden, war mir klar, dass ich den Mexikanisch-Amerikanischen Krieg eines Tages in einem Roman behandeln würde.

Ich fand ihn als Thema aus mehreren Gründen spannend. Zunächst einmal, weil ich mich schon lange mit dem amerikanischen Westen beschäftige; eine gravierende Auswirkung des Krieges war ja, dass die Vereinigten Staaten sich eines riesigen Gebiets bemächtigen und mit Gründung der West-Territorien ihre Grenzen ausdehnen konnten, sodass sich das Land vom Atlantik bis hin zum Pazifik erstreckte. Mit der Eingliederung des Gebiets nahm die Geschichte des »Wilden Westens« ihren Lauf, und der Mythos war geboren.  Das meiste spielte sich in den Grenzstaaten Kalifornien, Arizona, New Mexico und insbesondere Texas ab, die ihren Ursprung in der Zeit vor und nach dem furchtbaren Krieg haben.

Die Auseinandersetzung mit dem Krieg zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten reizte mich auch deshalb, weil ich in diesen beiden Kulturkreisen verwurzelt bin. Ich wurde in Mexiko geboren und  habe dort meine ersten Lebensjahre verbracht.  Da mein Vater Straßenbau-Ingenieur war, bereiste ich mit ihm und meiner Mutter beinahe jede Region dieses geografisch wie kulturell vielseitigen Landes. Ich konnte der mexikanischen Seele auf den Grund blicken, und Mexiko wurde für immer ein Teil von mir. Als ich schon etwas größer war, zog meine Familie in die Vereinigten Staaten, das Herkunftsland meines Urgroßvaters. Auch in diesem Land lernte ich jeden Winkel kennen und schließlich bekam ich dort die Staatsbürgerschaft. Als junger Mann und wissbegieriger Geschichtsstudent  hatte ich zum Mexikanisch-Amerikanischen Krieg zwei Sichtweisen: die des gebürtigen Mexikaners und die des amerikanischen Staatsbürgers. Auf eine eigenartige Art und Weise symbolisierte der Krieg  für mich die Zerrissenheit, die ich hinsichtlich meiner nationalen Zugehörigkeit empfand. Als ich Das Böse im Blut zu schreiben begann, wurde der Mexikanisch-Amerikanische Krieg zum Sinnbild für den Widerstreit zwischen meiner mexikanischen und meiner amerikanischen Seite.

Doch hauptsächlich bewegte mich die abgrundtiefe Verrohung im Amerika jener Tage dazu, Das Böse im Blut zu schreiben. Es war ja nicht nur der Krieg mit Mexiko unvorstellbar brutal – übertroffen höchstens vom Civil War –, was die Metzeleien und die systematische Zerstörung der Gesellschaft angeht. Mitte des 19. Jahrhunderts griff in Amerika die Verrohung auf allen Ebenen des Zusammenlebens um sich. Innerhalb der Familien waren Prügel an der Tagesordnung. In der Stadt gehörten gewaltsame Auseinandersetzungen zum Straßenbild und auch auf dem Land waren sie etwas ganz Alltägliches. Im Süden und Westen der USA wimmelte es nur so von Wegelagerern und Verbrechern auf der Flucht vor dem Gesetz, Banditen lauerten an jeder Ecke. Am Beispiel von John und Edward Little, den Hauptcharakteren im Roman, habe ich versucht, alle Aspekte der Gewalt in dieser Zeit literarisch umzusetzen, indem ich das Bruderpaar Kämpfe, Züchtigungen, raue Sitten, Kriminalität, gewaltsame Auseinandersetzungen im eigenen Land und länderübergreifende Angriffe erleben lasse. Und als einer der Brüder mit einer Bande mexikanischer Überläufer auf der Seite der Vereinigten Staaten kämpft, während der andere die amerikanischen Verräter im Kampf gegen Mexiko unterstützt, sehen wir schließlich die Brutalität jener Tage in all ihrer grausamen Ironie.

Aus dem Amerikanischen

von Stefanie Schlatt

Das Böse im Blut Blick ins Buch

James Carlos Blake

Das Böse im Blut

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