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SPECIAL zu Kathy Reichs

Kathy Reichs

Kathy Reichs studierte Anthropologie und Soziologie, promovierte und schloss mit Auszeichnung ab. Als Professorin unterrichtete sie Anthropologie an der Universität von North Carolina in Charlotte, bis sie sich 2001 des Schreibens wegen für 4 Jahre von der Lehre beurlauben ließ. Kathy Reichs arbeitet - wie ihre Serienfigur Tempe - seit gut 20 Jahren als forensische Anthropologin an den gerichtsmedizinischen Instituten in Charlotte (North Carolina, USA) und Montreal (Quebec, Kanada) und pendelt zwischen diesen beiden Städten hin und her. Ihr erster realer Fall war die Leiche eines 5-jährigen Mädchens, das sich später als Opfer eines Serienmörders herausstellte, der wegen eines weiteren Vergehens gefasst wurde. Aus den Menschenleichen werden abstrakte Fälle. Kathy Reichs möchte durch ihre Arbeit aus diesen Fällen wieder Menschen machen und ihnen als Individuen nachträglich ein wenig Würde zurückgeben. Und trotz der täglichen emotionalen Belastung macht sie ihre Arbeit unermüdlich weiter mit dem Argument: "Für viele Hinterbliebene ist es wichtig zu wissen, wie, wo und warum so etwas passiert ist, egal ob Mord, Unfall oder Suizid ... Es ist nicht leicht, aber man lernt damit zu leben und es ist schön, wenn ein Ordner von dem Regal mit offenen Fällen ins Archiv mit den abgeschlossenen wandert."

Die auch international gefragte Wissenschaftlerin ist eine von nur gut 50 an Gerichten zugelassenen forensischen Anthropologen in den USA - und 1 von 3 (!) in Kanada - und tritt häufig als Expertenzeugin bei Kriminalfällen auf. Beim FBI in Quantico, Virginia, lehrt sie die Beamten Spurenerkennung und, wie man bei ersten forensischen Untersuchungen vor Ort vorgeht. Als Gutachterin für die Vereinten Nationen befasste sie sich mit der Identifizierung von Leichen an verschiedenen Kriegsschauplätzen. In Ruanda untersuchte sie 27 Gräber und half bei der Identifikation der Leichen. In Guatemala wurde bei ihrem Einsatz an einem Massengrab aus der Zeit der Militärdiktatur von 1982 eine Kollegin ermordet. Beide Ereignisse flossen in ihren Roman "Knochenlese" ein.

Kathy Reichs ist zudem Mitglied in der staatlichen Katastrophen-Einsatztruppe. Hier arbeiten Ermittlungsbeamte, Anthropologen, Pathologen, Datenexperten, Geologen und Ballistiker beispielsweise bei Flugzeug- und Zugunglücken in Teams zusammen. Wie Teile eines Puzzles fügen sich dann die Erkenntnisse der verschiedenen Experten allmählich zu einem Ganzen, so Reichs. In dieser Eigenschaft kam die Anthropologin auch am Ground Zero in New York zum Einsatz. Die dortigen Bergungsarbeiten haben sie trotz ihrer langjährigen Berufserfahrung sehr erschüttert. Aus einer Mischung von Betontrümmern, verbogenen Stahlträgern und Autowracks hat sie die Bestandteile menschlichen Lebens herausgezogen. Die Leichen waren wegen der großen Hitze und des Drucks, der auf ihnen lastete, größtenteils skelettiert. Für ihren Roman "Durch Mark und Bein", den sie kurz vor dem Terroranschlag des 11. September 2001 abschloss, hatte sie sich bei einem Fachmann über Flugzeugbau und Unfallforschung informiert. Doch in ihrem Nachwort zu diesem Band schreibt sie: "Die Wirklichkeit jenes Tages übertraf alles, was ich mir als Romanschriftstellerin hätte ausdenken können ... Obwohl ich von Berufs wegen gelernt habe, mit Trauer und Verlust umzugehen, war ich nicht vorbereitet auf die emotionale Wucht dieser Erfahrungen." Direkt nach dieser Arbeit begleitete Reichs in Dallas ihren an Lungenkrebs erkrankten Schwager beim Sterben. Der September 2001 war der schlimmste Monat ihres Lebens, wie sie sagt. Ihre Arbeit schärft Kathy Reichs das Bewusstsein dafür, wie zerbrechlich das Leben ist. Wenn sie einmal sterben muss, hofft sie, noch genügend Zeit zu haben, um ihre wichtigsten Angelegenheiten zu regeln.

Nicht immer ist Kathy Reichs zur Aufklärung von Verbrechen tätig. So untersuchte sie bei einem Fund aus Russland, ob es sich um Nachkommen der Romanov-Dynastie handelte, und einmal erhielt sie auch Auftrag, eine Nonne, die nach ihrem Tod heilig gesprochen werden sollte, zu exhumieren und identifizieren. Diese Aufgabe hat sie in ihrem Roman "Knochenarbeit" verarbeitet.

Anders als ihre Figur Tempe ist Kathy Reichs bereits 1950 in Chicago geboren und mit drei Schwestern aufgewachsen. Ihr Vater war Geschäftsführer, ihre Mutter Musikerin im städtischen Symphonie-Orchester. Schon als Kind hat sie im Keller des Elternhauses tote Mäuse untersucht und mit Chemikalien experimentiert. Mit 19 Jahren heiratet sie den Untersuchungsrichter Paul Reichs und bekommt mit ihm drei Kinder. Sie besitzt ebenfalls einen Kater namens Birdie und einen Hund namens Boyd. Ihr Privatleben und damit ihre Familie schützt sie vor den Gewaltverbrechern, zu deren Überführung sie beigetragen hat, und die sie bedroht haben. Für Zeugenaussagen vor Gericht erhält sie Polizeischutz. Mit der latenten Bedrohung, die ihr Beruf mit sich bringt, geht sie in ihrer ganz eigenen humorvollen Art um: "Das eigentlich Gefährliche an meinem Beruf sind Mikroorganismen im Labor, und gegen die helfen Handschuhe und Mundschutz."

Die beliebte Autorin kann bereits auf zahlreiche Hörfunk- und Fernsehauftritte weltweit zurückblicken. 2001 berichtete ein Dokumentarfilm über ihre beiden "Leben": das der forensischen Anthropologin und das der Romanautorin. Auch auf einigen internationalen Festivals war sie bisher vertreten, u.a. beim Literaturfest in Köln. In den letzten Jahren hat Kathy Reichs Lesereisen durch Kanada, die USA, England und Australien unternommen. Ausführliche Informationen zu Kathy Reichs und ihren Büchern, darunter auch Hörfunkmitschnitte von Interviews, sind auf der Homepage der Autorin (www.kathyreichs.com) zu finden.


Geistreiche Bestseller-Autorin und international gefragte forensische Anthropologin

Ein Porträt von Andrea Thumm

"Neben den Skelettierten bekomme ich die Verbrannten, die Mumifizierten, die Verstümmelten und die Verfaulten. Meine Aufgabe ist es, die Identität zu rekonstruieren, die der Tod ausgelöscht hat", umreißt die forensische Anthropologin Temprance "Tempe" Brennan nüchtern ihren Arbeitsalltag. In ihrem achten Roman "Totgeglaubte leben länger" lässt die international gefeierte Bestseller-Autorin Kathy Reichs ihre Heldin die Todesumstände des jüdisch-orthodoxen Importeurs Avram Ferris aus Montreal untersuchen. Die Polizei tippt auf Selbstmord, seine Angehörigen weisen diese Vermutung jedoch vehement zurück.

Die Amerikanerin Tempe übt denselben Job aus wie ihre Schöpferin Kathy Reichs. Die forensische Anthropologin verarbeitet in ihren Thrillern umfangreiche berufliche Erfahrungen und gibt einen realitätsnahen Einblick in ihre faszinierende Arbeit: "Die Ideen für meine Geschichten hole ich mir aus meinem Alltag, doch dann kommt die Phantasie dazu."

Forensische Anthropologen sind Spezialisten in menschlicher und tierischer Knochenkunde. Mithilfe ihrer fundierten Kenntnisse über Tod und Zerfall bestimmen sie für Polizei und Gerichte Geschlecht, Alter und Rasse der Toten und stellen die Todesursache - Mord, Selbstmord oder natürlicher Tod - sowie den Todeszeitpunkt fest. Ihre Arbeit beginnt, wenn Pathologen mit ihrem Latein am Ende sind.

Tempes Welt
Reichs Hauptfigur Tempe ist Mitte vierzig und verbringt ihre freie Zeit mit ihrer erwachsenen Tochter Katy, die Englisch und Psychologie studiert, oder ihrer flippigen Schwester Harry. Von Katys Vater und Ex-Ehemann Pete lebt Tempe seit Jahren getrennt. Neben weiteren Verehrern umwirbt sie der attraktive kanadische Lieutenant-Detective des Montrealer Morddezernats Andrew Ryan, den Tempe merkwürdigerweise nur Ryan nennt. Er hat eine dunkle Vergangenheit und den Ruf eines "Schwerenöters". Sie kennt ihn nun seit fast zehn Jahren und wird angesichts seiner "wikingerblauen Augen" immer wieder schwach. Regelmäßige Mitbewohner ihres Haushalts sind ein launischer Kater mit dem sprechenden Namen Birdie und der aus dem Rotlichtmilieu stammende, geschwätzige Papagei Charlie. Hin und wieder beteiligt sich auch Gasthund Boyd, das 35 kg schwere Energiebündel von Pete, an Tempes Ermittlungen.

Die Anthropologin ist ein Workaholic und hat im wahrsten Sinne des Wortes einen Knochenjob, der sie häufig bis spät in die Nacht auf den Beinen hält. "Der Wecker am Donnerstagmorgen war so willkommen wie eine Bindehautentzündung. Und fast so schmerzhaft." Tempe lehrt - wie Kathy Reichs - Anthropologie an der Universität von North Carolina und arbeitet abwechselnd für die gerichtsmedizinischen Institute von North Carolina und Quebec. Tempes Arbeitsausrüstung besteht aus Plastikanzug, Schutzbrille und Maske. Ihre Hilfsmittel sind Fotoapparat, Röntgenaufnahmen und weitere Untersuchungsmethoden zur Altersbestimmung von Knochen. Die Funde verpackt Tempe vor Ort in Kartons, Plastiktüten und -gefäße und beschriftet sie. Danach folgt die Untersuchung, meist in einem extra belüfteten Autopsieraum, bezeichnenderweise nur "Stinker" genannt.

Illegaler Knochenhandel?
Hierher wird auch Avram Ferris' Leichnam gebracht. Als Tempe gerade der Witwe des Importeurs und seiner Mutter ihre Anteilnahme bekundet hat, steckt ihr ein Unbekannter, der sich "Mr. Kessler" nennt, auf dem Gang einen Umschlag zu, dessen Inhalt Aufschluss über Ferris' Ableben geben werde. Er enthält ein Schwarzweiß-Foto aus dem Jahr 1963, das ein vollständig erhaltenes Skelett in einer Felslandschaft zeigt. Tempe nimmt Kontakt zu ihrem ehemaligen Kollegen und Freund, dem biblischen Archäologen Jacob "Jake" Drum auf. Dieser gibt ihr einen wertvollen Hinweis: Die Aufnahme stellt einen bisher unveröffentlichten Ausgrabungsfund aus Masada dar. Die berühmte archäologische Grabstätte in Israel galt vor fast 2000 Jahren als uneinnehmbare Festung, die jüdische Freiheitskämpfer bis zuletzt gegen die römischen Besatzer verteidigt haben sollen. War der Importeur womöglich in illegalen Handel mit archäologischen Funden verwickelt?

Mit Hilfe von Ferris' Mutter und Ryans Recherchen findet Tempe das verschwundene Skelett in einem Zisterzienser-Kloster in Quebec, wo es über 30 Jahre versteckt gehalten wurde. Wem mögen die Knochen gehört haben, deren Alter sich auf das erste Jahrhundert nach Christi Geburt datieren lässt? Tempe informiert die israelische Altertumsbehörde über ihren Fund. Da meldet sich Jake aus Israel. Er deutet eine sensationelle Entdeckung an und fordert Tempe auf, das Skelett persönlich zu ihm zu bringen, aber niemanden darüber zu informieren. Ryan, der von seinen israelischen Kollegen um Amtshilfe im Fall "Kessler" gebeten wird, beschließt gemeinsam mit Tempe nach Israel zu fliegen. Was Tempe, Jake und Ryan bei der dortigen Untersuchung einer Grabstätte herausfinden, könnte gemeinsam mit dem unterschlagenen Skelett die bisherige jüdische Überzeugung von Masada als Symbol jüdischen Selbstbehauptungswillens und die christlichen Vorstellungen vom Leben und Sterben Jesu Christi grundlegend in Frage stellen ...

Forensik als "Therapie"
In den Fällen, die sie bearbeitet, engagiert sich Tempe häufig emotional. Unerschrocken stellt sie auch eigenmächtige Recherchen an. Der Spiegel beurteilt Tempe so: "Kathy Reichs hat mit ihrer Heldin Tempe Brennan eine sympathische und eigensinnige Figur geschaffen." Dabei scheut die energische Anthropologin sogar nicht davor zurück, ihre berufliche Zukunft zu riskieren und sich - zum Beispiel in "Durch Mark und Bein" - mit den Mächtigen anzulegen. Die Autorin selbst würde nicht so weit gehen: "Tempe macht Sachen, die ich nie machen würde. Sie hat mehr Elan als ich. Sie geht bei der Arbeit viel weiter und spricht mit Zeugen oder sucht allein nach Leichen." Hinsichtlich des Humors und auch zuweilen der Scharfzüngigkeit haben Freunde Kathy Reichs allerdings eine starke Ähnlichkeit mit ihrer Figur bescheinigt.

Wie kommt eine forensische Anthropologin eigentlich dazu, Romane zu verfassen? Kathy Reichs begann 1994 mit dem Schreiben, weil sie einem breiteren Publikum Einblick in die Welt der forensischen Wissenschaft und der modernen Verbrechensaufklärung geben wollte. Doch Schreiben hat für die Autorin auch eine therapeutische Funktion: Sie verarbeitet damit ihre Gefühle, welche die tägliche Konfrontation mit den Opfern von Gewalt in ihr auslösen. Bei ihrem ersten Roman ging Kathy Reichs sehr diszipliniert und systematisch vor. Sie setzte sich regelmäßig dreimal die Woche um sechs Uhr morgens an den Schreibtisch und schrieb vor ihrer regulären Arbeit in der Gerichtsmedizin und auch am Wochenende weiter. Für jedes Kapitel hatte sie zuvor eine genaue Struktur erarbeitet. Ihr Debütroman "Tote lügen nicht" erschien 1996 in den USA unter dem Titel "Déjà dead" und machte die 47-jährige mit einem Schlag berühmt. 1997 wurde sie mit dem Arthur Ellis Award ausgezeichnet, der Erstlingsromane von Kriminalbuchautoren prämiert. Der überwältigende Erfolg hat sie sehr überrascht.

Brisante Themen - intelligent und berührend präsentiert
Kathy Reichs Romane umspannen ein breites Themenspektrum: vom Serienmord und sexueller Perversion ("Tote lügen nicht" und "Totenmontag"), über Sekten ("Knochenarbeit"), Bandenkriege konkurrierender Motorrad-Gangs ("Lasst Knochen sprechen"), mysteriöse Flugzeugabstürze, düstere Machenschaften hochstehender Politiker und Geheimorganisationen ("Durch Mark und Bein"), bis hin zu international Aufsehen erregenden Themen wie Militär-Massaker in Guatemala, Handel mit embryonalen Stammzellen ("Knochenlese") und weltweiten Netzwerken aus Drogenhandel, Wilderei sowie Schmuggel mit artgeschützten Wildtieren und Tierorganen ("Mit Haut und Haar"). Die Autorin packt aktuelle Themen an, die ihr unter den Nägeln brennen, und möchte zum Nachdenken anregen.

Grundlage für ihre Charaktere bilden Facetten von Menschen, denen sie in der Realität begegnet ist. Diese lässt sie in ihre Figuren einfließen und schmückt sie weiter aus. Humoristische Passagen, in denen Tempe über sich und ihre Mitmenschen reflektiert, wechseln mit nüchternem, teilweise telegrammartigen Sprachstil, wenn Reichs Hauptfigur Untersuchungen und Ermittlungen nachgeht. So kommentiert Tempe in "Mit Haut und Haar" ihre Suche nach den einzelnen Teilen eines zersplitterten Schädels mit den knappen Worten: "Zähne. Augenhöhlenknochen. Ein Stück Unterkiefer. Jedes Fragment überzogen mit dem schuppigen schwarzen Belag." Diese Sprache schafft Distanz zu dem geschilderten Grauen, auch wenn wir quasi neben der Anthropologin stehen und uns über ihre Funde beugen.

Akribische Detailarbeit
So gewissenhaft wie Kathy Reichs ihre Leichen untersucht, so genau recherchiert sie Details in ihren Romanen. Wissenschaftliche Untersuchungsmethoden wie beispielsweise die Blutspritzer-Analyse - in "Lasst Knochen sprechen" - beschreibt die Autorin präzise, dennoch unterhaltsam und für den Laien verständlich. Auch Krankheiten wie die Autoimmunerkrankung Sarkoidose sowie eine männliche Gen-Anomalie, das sogenannte Klinefelter-Syndrom, schildert sie anschaulich in "Mit Haut und Haar". Erklärt sie in "Totenmontag", wie sich das Alter und Herkunft von Knochen mittels der Radiokarbonanalyse bzw. der Strontium-Isotopen-Analyse bestimmen lassen, so geht sie in "Totgeglaubte leben länger" differenziert auf die unterschiedlichen Methoden ein, aus zeitgenössischen und alten Knochen DNS herauszufiltern und die Ergebnisse auszuwerten.

Wenn sie sich selbst nicht auskennt, fragt Kathy Reichs Kollegen, die ihr bereitwillig Auskunft geben. So erkundigte sie sich bei einem Ballistiker, mit welcher Waffe man Bären tötet, und bei der Montrealer Polizei, wie diese Telefondaten beschafft und auswertet. Zur Überprüfung technischer Details in ihren Romanen, beispielsweise dazu, wie ein bestimmter Flugzeugtyp konstruiert ist, holte sie sich ebenso fachlichen Rat. Kathy Reichs, die bisher ihre eigenen forensischen Fälle in ihren Romanen verarbeitete, hat sich in "Totgeglaubte leben länger" auf die ausführlichen Nachforschungen ihres Kollegen und biblischen Archäologen Dr. James Tabor zu Masada und den historischen Fakten über die Jesus-Familie gestützt. Die Handlung bezieht offene Fragen und Ungereimtheiten bei archäologischen Funden in Israel sowie Aussagen aus dem Neuen Testament mit ein, die eine alternative Sicht auf das Leben Jesu ermöglichen. Sogar in Wissenschaftlerkreisen hat sie sich als Romanautorin Anerkennung erworben.

Hochbegabtes Multitalent auf internationalem Parkett
Kathy Reichs studierte Anthropologie und Soziologie, promovierte und schloss mit Auszeichnung ab. Als Professorin lehrte sie Anthropologie an der Universität von North Carolina in Charlotte, bis sie sich 2001 des Schreibens wegen für vier Jahre beurlauben ließ. Kathy Reichs arbeitet seit gut 20 Jahren als forensische Anthropologin an den gerichtsmedizinischen Instituten in Charlotte (North Carolina, USA) und Montreal (Quebec, Kanada) und pendelt zwischen diesen beiden Städten hin und her. Kathy Reichs möchte durch ihre Arbeit aus den Fällen wieder Menschen machen und ihnen als Individuen nachträglich ein wenig Würde zurückgeben. Trotz der täglichen emotionalen Belastung macht sie ihre Arbeit unermüdlich weiter mit dem Argument: "Für viele Hinterbliebene ist es wichtig zu wissen, wie, wo und warum so etwas passiert ist, egal ob Mord, Unfall oder Suizid."

Die international gefragte Wissenschaftlerin ist eine von nur 50 an Gerichten zugelassenen forensischen Anthropologen in den USA - und eine von drei (!) in Kanada - und tritt häufig als Expertenzeugin bei Kriminalfällen auf. Beim FBI in Quantico, Virginia, lehrt sie die Beamten Spurenerkennung und, wie man erste forensische Untersuchungen vor Ort vornimmt. Als Gutachterin für die Vereinten Nationen befasste sie sich mit der Identifizierung von Leichen an verschiedenen Kriegsschauplätzen. In Ruanda untersuchte sie 27 Gräber und half bei der Identifikation der Leichen. Bei ihrem Einsatz an einem Massengrab in Guatemala aus der Zeit der Militärdiktatur von 1982 wurde eine Kollegin ermordet. Beide Ereignisse flossen in ihren Roman "Knochenlese" ein.

Kathys Welt
Kathy Reichs gehört zudem zur staatlichen Katastrophen-Einsatztruppe. Hier arbeiten Ermittlungsbeamte, Anthropologen, Pathologen, Datenexperten, Geologen und Ballistiker, beispielsweise bei Flugzeug- und Zugunglücken, in Teams zusammen. In dieser Eigenschaft kam die Anthropologin auch am Ground Zero in New York zum Einsatz. Die dortigen Bergungsarbeiten haben sie trotz ihrer langjährigen Berufserfahrung sehr erschüttert. Im Nachwort zu ihrem Roman "Durch Mark und Bein", den sie kurz vor dem Terroranschlag des 11. September 2001 abschloss, schreibt Reichs: "Die Wirklichkeit jenes Tages übertraf alles, was ich mir als Romanschriftstellerin hätte ausdenken können." Ihre Arbeit schärft Kathy Reichs das Bewusstsein dafür, wie zerbrechlich das Leben ist.

Anders als ihre Figur Tempe wurde Kathy Reichs bereits 1950 in Chicago geboren und wuchs mit drei Schwestern auf. Ihr Vater war Geschäftsführer, ihre Mutter Musikerin im städtischen Symphonie-Orchester. Schon als Kind untersuchte sie im Keller des Elternhauses tote Mäuse und experimentierte mit Chemikalien. Mit 19 Jahren heiratete sie den Untersuchungsrichter Paul Reichs und bekam mit ihm drei Kinder. Sie besitzt ebenfalls einen Kater namens Birdie und einen Hund namens Boyd. Ihr Privatleben muss sie vor den Gewaltverbrechern schützen, zu deren Überführung sie beigetragen hat. Der latenten Bedrohung, die ihr Beruf mit sich bringt, begegnet Reichs mit trotzigen Humor: "Das eigentlich Gefährliche an meinem Beruf sind Mikroorganismen im Labor, und gegen die helfen Handschuhe und Mundschutz."

Prickelnder Nervenkitzel
Die beliebte Autorin kann bereits auf zahlreiche Hörfunk- und Fernsehauftritte weltweit zurückblicken. 2001 berichtete ein Dokumentarfilm über ihre beiden "Leben": als forensische Anthropologin und als Romanautorin. Auch auf einigen internationalen Festivals war sie bisher vertreten, u.a. beim Literaturfest in Köln. In den letzten Jahren hat Kathy Reichs Lesereisen durch Kanada, die USA, England, Schottland und Australien unternommen. Kathy Reichs trifft mit ihren Thrillern den Nerv der Zeit. Im September 2005 startete der US-Fernsehsender Fox eine Fernsehserie mit dem Titel "Bones" [dt. Titel "Bones - Die Knochenjägerin"], an der Kathy Reichs als Produzentin, Autorin und Beraterin beteiligt ist. Die Serie greift die Hauptfigur und einige Motive aus ihren Romanen auf.

Wie bereits in ihren sieben vorangegangenen international erfolgreichen Romanen "Tote lügen nicht", "Knochenarbeit", "Lasst Knochen sprechen", "Durch Mark und Bein", "Knochenlese", "Mit Haut und Haar" und "Totenmontag", die teilweise auch als Hörbücher erschienen sind, gelingt es Kathy Reichs in ihrem neuesten Werk "Totgeglaubte leben länger" einmal mehr, durch Fachkompetenz und Sprachwitz zu fesseln. Damit der Leser den Überblick behält, rekapituliert die Hauptfigur Tempe in regelmäßigen Abständen den Ermittlungsstand. Mit immer wieder überraschenden Wendungen sorgt die "Queen der Obduktionsliteratur" - so das Urteil des Stern - dafür, dass die Spannung bis zur letzten Seite erhalten bleibt. Emotionaler Sprengstoff und prickelnder Nervenkitzel garantiert - für Neueinsteiger und eingefleischte Tempe-Brennan-Fans!

Andrea Thumm
München, November 2005