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Special zu Max Barry

Worte sind Waffen

Liebe Leserinnen und Leser,

mein fünfter Roman wird in Kürze auf Deutsch erscheinen. Vielleicht fragt ihr euch, wie ich dieses halsbrecherische Tempo durchhalten kann, schließlich stand Maschinenmann doch gerade erst in den Buchhandlungen? Der Trick ist, dass ich eine Weile lang meine Website nicht mehr aktualisiert und weder Twitter noch Facebook benutzt habe. Es ist erstaunlich, wie viel Zeit man dadurch spart. Außerdem habe ich mein übliches Muster durchbrochen, nach dem auf jeden gelungenen Roman einer folgt, den niemand veröffentlichen will. Das ist eine ganz neue Strategie, aber ich bin guter Dinge, dass sie sich bewähren wird.

Das neue Buch heißt Lexicon. Falls ihr zu den Leuten gehört, die sich ohnehin schon entschieden haben, es zu lesen, und die sich den Spaß nicht dadurch verderben lassen wollen, dass sie zu viel über die Geschichte im Voraus erfahren, so möchte ich euch (a) danken, (b) von Herzen recht geben und (c) empfehlen, den nächsten Absatz zu überspringen.

Für alle anderen: Das Buch handelt von einer Geheimorganisation, die spezielle Wörter entwickelt, um sie als Waffen zu nutzen. Die Leute, die diese Wörter einsetzen, werden Dichter genannt. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen eine junge Frau, die von der Organisation rekrutiert wird, und der Mann, in den sie sich verliebt – was einem Dichter streng verboten ist. Ich könnte das jetzt genauer erklären, werde es aber nicht tun. Vertraut mir einfach.

Ich habe vor fünf Jahren mit der Arbeit an diesem Buch begonnen. Allerdings hat es sich seit meinen ersten Entwürfen derart stark verändert, dass ich locker ein zweites, vollkommen anderes Buch mit der gleichen Grundidee schreiben könnte. Für gewöhnlich beginne ich meine Romane mit einer bestimmten Szene im Kopf. Aber diesmal hatte ich ein Konzept, und leider ist ein Konzept keine Geschichte. Ein Konzept ist nur die Umgebung, in der eine Geschichte zum Leben erwacht. Am Ende lief es darauf hinaus, dass ich viele, viele Wörter schreiben musste, um die Geschichte aufzuspüren, die in diesem Konzept steckte. Ich hege immer eine Art perversen Stolz auf die Zahl der Wörter, die es nicht in die letzte Fassung geschafft haben: Notizen, Entwürfe, Versuche, nicht verwendete Szenen und all so was. In der Regel sind das noch mal so viele Wörter, wie am Ende im gedruckten Buch stehen. Dieses Mal sind es weit mehr: 197 788. Schrecklich, eigentlich. Ich habe das vorher nie zusammengezählt. Trotzdem bin ich stolz darauf, dass es mir gelungen ist, die besten herauszupicken.

Max Barry
Aus dem Amerikanischen von Oskar Rauch