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Special zu Nickolas Butler »Shotgun Lovesongs«

Nickolas Butler
© Olive Juice Studios

Wie autobiografisch ist dieses Buch?
Nickolas Butler: Die ersten 35 Seiten des Romans habe ich während meines ersten Semesters beim Iowa Writer‘s Workshop geschrieben. Das waren extrem einsame Tage in meinem Leben. Obwohl ich in Iowa viele Freunde und Studienkollegen hatte. Aber meine Frau und mein Sohn lebten 300 km entfernt in Minnesota. Während dieser Zeit in Iowa wohnte ich in einem sehr spärlich eingerichteten Zimmer, das ich von einem Professor gemietet hatte: ein weißer Schreibtisch, ein schwarzer Klappstuhl und eine Hälfte des Kinderstockbettes meines Schwagers. Das Bett war rot. Daher nannte ich mein Zimmer Rotes Bett. Es gab kaum Ablenkung. Ein großer Teil von Lelands Prozess, als er die Shotgun Lovesongs schrieb, ist eigentlich mein eigener Prozess: der Druck, die Angst und dieser Wunsch, es zu schaffen.
In diesem Buch geht es hauptsächlich um Freundschaft, Liebe, Anstand, Ehrgeiz und um Orte. All das sind Begriffe, mit denen ich mich viel auseinandergesetzt habe.

Wer ist ihre Lieblingsfigur in diesem Buch?
Nickolas Butler: Das ist schwer zu beantworten. Ich würde sagen, es ist Kip. Kip spiegelt meine Vorstellung von persönlicher Entwicklung, von Selbstbetrachtung und auch von Reue wider. Der Begriff der „Reue“ ist sehr wichtig für mich. Ein Charakter wie Henry handelt fast immer moralisch und tut „das Richtige“. Aber das macht ihn auch irgendwie berechenbar. Während Kip viel mehr über die Fähigkeit verfügt zu überraschen.

Wer sind ihre literarischen Vorbilder?
Nickolas Butler: Auch eine schwierige Frage. Für mich ist das Wichtigste die Story. Sie ist verankert an einem Ort, in einem Umfeld und wird über die Figuren in Bewegung gesetzt. Wenn man das mit Respekt, Anstand und Ehrlichkeit hinbekommt, dann wird sich alles andere von selbst ergeben. Eine große Gefahr bei Künstlern besteht immer darin, sich zu vielen sprachlichen Ausschmückungen verleiten zu lassen. Aber eigentlich setzen sich die meisten Leser hauptsächlich mit der Geschichte auseinander – und bei mir ist das auch so.
Die Novelle Der alte Mann und das Meer von Ernest Hemingway ist für mich persönlich die bedeutendste literarische Leistung. Sie ist allgemeingültig, sparsam, mitfühlend und wunderschön geschrieben. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie oft ich dieses Buch gelesen habe.

Welche Musik hören sie?
Nickolas Butler: Meistens Jazz: Miles Davis, John Coltrane, Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Duke Ellington, Bill Evans, Cannonball Adderley, Dexter Gordon. Ich höre oft Philipp Glass, der sich wunderbar zum Schreiben eignet – als „Soundtrack“ sozusagen. Weitere Favoriten sind: Tom Waits, Neil Young, Johnny Cash, Beth Orton, Portishead … Wie bei Büchern gibt es auch hier eine große Auswahl.

Spielen Sie ein Instrument oder sind sie in einer Band?
Nickolas Butler: Ganz und gar nicht. Mein Vater pflegte zu scherzen, ich könnte nicht mal ein Radio spielen.

Kennen sie Justin Vernon* persönlich?
* (Justin Vernon ist die Hauptfigur des Singer-Songwriter-Projekts Bon Iver. Er nahm sein bekanntestes Album in einer Jagdhütte in Wisconsin auf und inspirierte Nickolas Butler zu der Figur von Lee.)
Nickolas Butler: Ich habe Justin mindestens 15 Jahre nicht mehr gesehen oder mit ihm gesprochen. Aber wir haben viele gemeinsame Freunde – wir sind zur selben High School gegangen, er ist ein Jahr jünger als ich. In Eau Claire, Wisconsin, unserem Heimatort, ist Justin beinahe eine mythische Gestalt. Er ist sehr großzügig, auch – sehr selten unter Berühmtheiten – ausgesprochen freigiebig mit seiner Zeit für andere. Ich habe viele Menschen aus Wisconsin (und dem Mittleren Westen) getroffen, die ähnliche Geschichten über Justin Vernon erzählten, und immer sind sie sehr positiv. Ich kann das gar nicht genug betonen – er ist einfach ein klasse Typ.

Wären Sie gerne berühmt?
Nickolas Butler: Ich möchte ein angesehener Schriftsteller sein. Ich möchte, dass die Menschen meine Bücher lesen. Ich möchte meine Familie ernähren können. Eigentlich stand Ruhm für mich niemals an erster Stelle.

Wie sehen ihre literarischen Pläne für die Zukunft aus? Schreiben sie an einem neuen Buch?
Nickolas Butler: Ich arbeite derzeit an einem neuen Roman, in dem es um Zeit und Zufälle – Kreuzungen sozusagen – geht. Auch um Anstand, Gutmütigkeit, harte Arbeit, Glaube und Verlust. Es spielt in Strum, Wisconsin, aus der die Familie meiner Frau kommt, nicht weit von Eau Claire.
Außerdem habe ich nun mein erstes Theaterstück beendet, worüber ich mich sehr freue. Ich schreibe auch immer wieder Kurzgeschichten und Gedichte. Das sind meine sogenannten Freiübungen.

Wo leben Sie?
Nickolas Butler: Im Moment lebe ich in St. Paul, Minnesota, das etwa eine Stunde von meinem Heimatort Eau Claire, Wisconsin, entfernt liegt.

Leben Sie lieber in der Stadt oder auf dem Land?
Nickolas Butler: Eigentlich würde ich das Land vorziehen. Wir leben derzeit in einem schönen Stadtgebiet und ich liebe es, alles in meinem Leben zu Fuß erreichen zu können. Ich spaziere gern mit meiner Familie zu unserem Lieblingslebensmittelgeschäft oder zum Käseladen oder zum Spielplatz. Aber ich vermisse es sehr, die Sterne zu sehen. Ich wünschte, ich hätte einen großen Garten mit ungefähr einem Dutzend Vogelfutterhäuschen und einen Gemüsegarten.

Ist es ein eher romantisches Bild, das Sie von Wisconsin zeichnen oder ist es real?
Nickolas Butler: Von beidem etwas. Ich liebe den amerikanischen Mittleren Westen und es liegt mir fern, die Landschaft und die Menschen hier zu kritisieren. Doch der Roman handelt davon, wie schwierig die Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe ist, wie kleinstädtische Stadtzentren langsam aussterben und wie verlockend die Stadt mit all ihren Jobs und dem Geld sein kann. Zwei der Hauptfiguren in Shotgun Lovesongs setzen sich irgendwann nach Chicago ab, und eigentlich ist das gut so für die beiden. Wisconsin ist jedoch eine wirklich wunderschöne und freizügige Gegend. Im Westen grenzt es an einen der weltweit größten Flüsse und im Norden und Osten an zwei der größten Frischwasserseen der Welt. Es gibt hier großartigen Käse und sehr gutes Bier und wir feiern gerne. Außerdem wurde Wisconsin von vielen Deutsch-Amerikanern besiedelt.

Wie wichtig ist Ihr Heimatland für Sie selbst?
Nickolas Butler: Sehr wichtig. Die besten Romane sind für mich immer Ausdruck eines Ortes. Ich denke vor allem an Ken Keseys Manchmal ein großes Verlangen oder John Steinbecks Jenseits von Eden oder Chinua Achebes Alles zerfällt oder Annie Proulx’ Schiffsmeldungen.
Ohne meine Verbindung zu Wisconsin und zum amerikanischen Mittleren Westen wäre ich verloren in der Welt.

Shotgun Lovesongs Blick ins Buch

Nickolas Butler

Shotgun Lovesongs

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