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Roope Lipasti, Ausflug mit Urne

SPECIAL zu Roope Lipasti: »Ausflug mit Urne«

»Für mich ist Schreiben eine Art Handwerk«

Roope Lipasti über seine Arbeit als Autor und seinen Roman »Ausflug mit Urne«

Roope Lipasti
© Vera-Matti Väärä

Wann haben Sie angefangen zu schreiben – nicht speziell an »Ausflug mit Urne«, sondern im Allgemeinen?
Roope Lipasti: Meinen ersten »Roman« habe ich im Alter von fünf Jahren auf einer alten Schreibmaschine geschrieben. Es war eine sehr stark von Tarzan inspirierte Geschichte (ich habe sie immer noch). Aber dann habe ich mein Vorhaben, Schriftsteller zu werden, mehrere Jahrzehnte lang nicht weiterverfolgt. Ich wurde Journalist und schrieb viel Tagesaktuelles. Als wir dann Kinder bekamen, kam ich auf die Idee, ein Buch für sie zu schreiben. Und das machte ich. Es erschien 2006. Ich beschloss, zehn Bücher zu schreiben, und falls sich niemand für sie interessieren sollte (ausgenommen meiner Mutter, die alles toll findet, was ich mache), wieder damit aufzuhören. Im Herbst wird bei meinem finnischen Verlag mein elftes Buch erscheinen. »Ausflug mit Urne« ist mein erstes Buch auf Deutsch.

Sie haben sogar schon Opern-Libretti geschrieben. Wie kamen Sie dazu? Sind Sie ein großer Freund klassischer Musik? Und wie musikalisch muss ein Autor sein, um ein Libretto schreiben zu können? Spielen Sie selbst irgendein Instrument?
Roope Lipasti: Ja, ich habe zwei Opern-Libretti geschrieben, und zwar, weil ich gefragt wurde, ob ich nicht Lust dazu hätte. Anfangs hatte ich keine Ahnung, was ich zu tun hatte, aber mir wurde schnell klar, dass eine Oper nichts anderes ist als ein Theaterstück, in dem die Schauspieler singen. Und das ist essentiell für meine Auffassung vom Schreiben: Für mich ist Schreiben eine Art Handwerk. Wenn man bei einem Schreiner einen Tisch bestellt, macht er einen Tisch. Wenn man bei mir eine Oper bestellt, mache ich eine Oper.
Offengestanden ist meine Familie sehr musikalisch – zwei meiner Brüder sind Musiker und der Rest von uns musiziert auch ein bisschen. Ich selbst spiele Gitarre und singe auch ganz gut. Als ich mein erstes Libretto schrieb, kamen mir ein paar Popsongs in den Sinn, und ich dachte mir dazu quasi neue Texte aus. Es machte Spaß und ich glaube schon, dass es hilfreich war, dass ich selber musikalisch bin. In meiner Kindheit hörten wir viel klassische Musik. Mozart, Bach, Liszt, Debussy etc. – was die meisten so hören. Ich persönlich bin ein großer Freund von Mozarts Requiem und Bachs Matthäus-Passion.

Wie sind Sie auf die Idee zu Ausflug mit Urne gekommen und wie lange haben Sie an dem Roman geschrieben?
Roope Lipasti: Ich hatte einen Verwandten, der Jalmari sehr ähnlich war (nun, noch viel verrückter, um ehrlich zu sein). Und damit fing alles an. Eigentlich sollte es in dem Buch nur um Jalmari gehen, doch dann verselbstständigte sich das Ganze und schließlich wurde Jalmari zu einer Nebenfigur.
Als Journalist bin ich es gewohnt, schnell zu schreiben, und deswegen arbeite ich etwa ein halbes Jahr an einem Buch (nebenbei, denn ich habe immer noch eine Festanstellung als Journalist). Dann dauert es etwa noch einmal vier Monate, um Änderungen vorzunehmen, ein paar Sachen umzuschreiben und so weiter. Aber für gewöhnlich ist der Erstentwurf schon in einem sehr guten Zustand, sodass ich anschließend nicht mehr allzu viel tun muss.

In Ihren Romanen geht es viel um Männlichkeit, männliche Identität und Familie im zeitgenössischen gesellschaftlichen Kontext. Glauben Sie, dass es heutzutage schwieriger ist, sich als Mann zu verorten und zu einer bestimmten Rolle zu finden als es zum Beispiel für die Männer aus Jalmaris Generation war?
Roope Lipasti: Ja und nein. Jalmaris Generation hatte es leichter: Nach dem Krieg gingen die Männer in die Arbeit und waren nicht für den Haushalt zuständig. Frauen gingen ebenfalls zur Arbeit, und waren für den Haushalt zuständig.
Heutzutage ist das alles etwas ausgeglichener, und das ist gut so. Aber gleichzeitig haben es die Männer auch schwerer, denn es gibt kaum noch Situationen, in denen sie ein Mann im traditionellen Sinne sein können. Frauen sind besser ausgebildet und in vielerlei Hinsicht viel schlauer und kompetenter als Männer. Sie brauchen uns nicht mehr, um ihnen mit Hammer oder Säge zu helfen, sie erledigen das einfach selbst!
Und trotzdem: Ich glaube nicht, dass das ein wirkliches Problem ist. Die Männer finden sich schon zurecht, finden ihren Platz in der Gesellschaft, das ist ihnen immer gelungen. Und die Frauen wissen auch, dass sie uns ab und zu um unsere Hilfe bitten sollten, sodass wir das Gefühl haben, dass wir noch gebraucht werden …

»Ausflug mit Urne« ist eine Road-Novel, seit »Unterwegs« von Jack Kerouac ein populäres Genre. Gibt es Bücher oder Filme, die den Roman inspiriert haben? Und welche Autoren haben Ihre Arbeit im Allgemeinen beeinflusst?
Roope Lipasti: Ich bewundere sehr viele Schriftsteller, aber ich würde nicht behaupten, dass sie mich beeinflusst haben. Und zwar, weil diese Schriftsteller so großartig sind, dass sie mich unmöglich beeinflusst haben können. Zum Beispiel beneide ich Paul Auster für seine brillanten Geschichten und die Art, wie er es schafft, dass sie so leicht zu lesen sind. Aber immer wenn ich versuche dahinter zu kommen, wie er das macht, gerate ich in eine Sackgasse. Ich verstehe es einfach nicht. Deswegen versuche ich einfach, auf meine Art zu schreiben.

Schreiben Sie bereits an Ihrem nächsten Roman, und wenn ja, wovon handelt er?
Roope Lipasti: Ja. Normalerweise schreibe ich an mehreren Büchern gleichzeitig. Im März 2014 erscheint in Finnland eine Auswahl meiner Kolumnen. Die meisten wurden ursprünglich in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht – aber ich habe sie noch mal überarbeitet, sodass das Buch ein bisschen mehr ist als nur eine Sammlung alter Texte. Hier in Finnland sind sie sehr beliebt. Und im August erscheint mein nächster Roman, eine Schwejk-Geschichte, die die EU parodiert. Er spielt in der Zukunft und erzählt von absurder Bürokratie und allgemeinem Wahnsinn (ein Wahnsinn, der zum Lachen ist: Ich finde, in Brüssel sollte den Roman jeder lesen!).

Katrin Sorko, Februar 2014

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