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Special zu Thea Dorn "Die Unglückseligen"

Johanna Mawet – die Molekularbiologin


»Und Adam war hundertunddreißig Jahr alt und zeuget einen Sohn und hieß ihn Seth und lebet darnach achthundert Jahr und zeuget Söhne und Töchter, dass sein ganzes Alter ward neunhundertunddreißig Jahr. Und Seth war hundertundfünf Jahr alt und …« Mit diesem Zitat aus dem Alten Testament präsentiert sich die Molekularbiologin Johanna Mawet, Anfang 40, gern in der Öffentlichkeit, wenn es gilt, ihre Zuhörer darauf einzustimmen, dass Menschen deutlich älter werden können, als wir es heute noch für möglich halten.
Denn die 120 Jahre, die ihre Fachkollegen für das »biologische Maximum« bei der Spezies Mensch halten, sind Johanna Mawet nicht genug. Für sie stellen die natürlichen Alterungsprozesse und der Tod einen Skandal, eine Demütigung dar, die es ein für alle Mal zu überwinden gilt. Und zwar nicht, wie es die Religionen seit Jahrtausenden versuchen, indem sie dem Menschen das ewige Leben im Jenseits oder Wiedergeburten in Aussicht stellen.
Doch Johanna ist keine »Frau Dr. Frankenstein« - ihr Motiv ist das Mitleid mit der hinfälligen menschlichen Kreatur.

Johann Wilhelm Ritter – der romantische Physiker


Johann Wilhelm Ritter wird am 16. Dezember 1776 in Samitz bei Haynau in Schlesien geboren. 1796 schreibt er sich an der Universität Jena als Student ein. Dort betreibt Ritter kein geregeltes Studium, er bleibt lieber in seinem Zimmer und stellt sich wissenschaftliche Aufgaben. Schließlich begeistert er sich für den »Galvanismus« – frühe Elektrizitätsforschung, eine Modeerscheinung der Zeit.
Durch ihn muss selbst Goethe einsehen, dass es unsichtbare Strahlen außerhalb des Farbenspektrums gibt. »Ein wahrer Wissenshimmel auf Erden, dieser Ritter«, schreibt er an Schiller.
Im Herbst 1804 erhält der notorisch bankrotte Ritter endlich offizielle wissenschaftliche Anerkennung durch die Bayerische Akademie der Wissenschaften, die ihn als ordentliches Mitglied aufnimmt. Ab 1806 wendet er sich jedoch der Erforschung der sogenannten »unterirdischen Elektrometrie«, der Wünschelrutengängerei, zu, wodurch sein wissenschaftlicher Ruf erheblich Schaden nimmt.
Mit 33 Jahren, am 23. Januar 1810, schließlich stirbt Ritter einsam, verwahrlost und verarmt in München, vermutlich in Folge der elektrischen Selbstversuche, mit denen er seinen Körper die letzten 15 Jahre strapaziert hat.

So weit die historischen Fakten. Im Roman jedoch lebt Ritter weiter bis in die Gegenwart.

Als »John Knight«, »Jean Chevalier«, »Juan Caballeros«, »Jan Ridder«, »João Cavaleiro« bereist Ritter alle sieben Weltmeere, die großen Wüsten, die Pole der Erde, ihre höchsten Gebirge – immer auf der Suche nach dem Teufel, immer in der Hoffnung, der »altböse Feind«, dessen Hilfe er nie bewusst gesucht hat, möge ihn endlich freigeben und sterben lassen. Umsonst. Als nach 1933 das Gerücht zu ihm dringt, in seiner alten Heimat habe der Teufel die Macht übernommen, kehrt er zweimal kurz nach Deutschland zurück. Im Angesicht des Grauens, das er – als Mitglied der US-Streitkräfte – in Buchenwald erlebt, muss er erkennen, dass sein Teufelsbild, seine Teufelssuche nichts als heillose Romantik gewesen sind.
Er fügt sich endgültig in die Sinnlosigkeit seiner Existenz und kehrt als »John Knight« mit einer amerikanischen Krankenschwester in die Staaten zurück, um fortan abgeschieden in den Wäldern an der Ostküste zu hausen und einer Georgina, einer Sara, einer Ruthie nach der anderen beim Dahinwelken und Sterben zuzuschauen. Bis eines Abends Johanna Mawet auf den Plan tritt ...

Der Teufel – bekannt aus Religion und Kunst?


Wir glauben, ihn bestens zu kennen, den »altbösen Feind«, den »Diabolos«, den großen Durcheinanderbringer, Mephisto, Satan, Luzifer – sein Name ist Legion, wie es im Alten Testament heißt. Aber kennen wir ihn wirklich?
»Vergessen Sie, bitte, alles, was Sie über mich zu wissen glauben – alles!«, so stellt sich eine sonderbar altertümlich anmutende Erzählstimme zu Beginn des Romans selbst vor. »Ich bin nichts als ein armer Teufel, der an der Menschheit einen Narren gefressen hat. [...] der bescheidene Logenplatz ist’s, den die Geschichte mir zugewiesen hat und den ich herzlich gern annehme. Da sitz ich also und schaue und lausche und bezeuge.«

Der Teufel als bloßer Chronist? Warum nicht. Wer braucht in Zeiten von Airbus und Boeing noch Mephistos »Zaubermantel«, wenn er durch die Lüfte fliegen will? Wer muss noch »schwarze Magie« betreiben, wenn er neue Lebewesen aus dem Reagenzglas entstehen lassen kann?
Der Teufel selbst scheint sich mit seiner Rolle als höchst parteiischer Kommentator des Weltgeschehens abgefunden zu haben. Schließlich ändert sich nichts daran, dass er Gottes großer Gegenspieler bleibt.
Der namenlose Erzähler-Teufel ist hier ein echter »Luzifer«, ein »Lichtbringer«, und darin dem griechisch-antiken Gott Prometheus aufs Engste verwandt. Nichts macht diesen Dogmatiker der Aufklärung und des technologischen Fortschritts glücklicher, als den stolzen Menschen zu sehen, der keine Macht mehr über sich anerkennen, der sein Schicksal ganz aus eigener Kraft in den Griff bekommen will. Dafür nimmt er sogar in Kauf, dass dieser Mensch nicht nur Gott, sondern auch ihn auf dem Schrottplatz der Metaphysik entsorgt.

Kein Wunder, dass dieser Teufel nicht nur den einstigen Himmelsstürmer Johann Wilhelm Ritter, sondern auch die Hightech-Wissenschaftlerin Johanna Mawet in sein Herz geschlossen hat. Was jedoch, wenn ausgerechnet Frau Dr. Mawet an ihrer Wissenschaft verzweifelt und beginnt, die dunklen Mächte der Hölle um Beistand anzuflehen ...?

Die Unglückseligen Blick ins Buch

Thea Dorn

Die Unglückseligen

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