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Special zu Thea Dorn "Die Unglückseligen"

Ewiges Leiden – ewiges Leben: Hiob, Ahasver, Faust & Co.



»Professor Klaus Sames aus Ulm lässt sich nach seinem Tod einfrieren. Durch die Kühlung auf minus 196 Grad Celsius wird sein Körper für mehrere Jahrtausende tiefgefroren. In der fernen Zukunft will er wieder aufgetaut werden. Ben Goertzel, Wissenschaftler in Hongkong, versucht seinen Verstand, seine Gedanken und seine Träume in einen Roboter zu verpflanzen. Er strebt ein Leben als Maschine an. (…) Ruf der Unsterblichkeit begleitet Menschen auf dem Weg zur Unsterblichkeit. Ein Film über den ältesten Traum der Menschheit, der heute durch neue Techniken zum Greifen nah ist.« (SWR zur Dokumentation von »Ruf der Unsterblichkeit«, 2015)
Die Themen »Unsterblichkeit« und »ewiges Leben« werden, je weiter die sogenannte Bio- und Gentechnologie in unserem Jahrhundert voranschreitet, immer mehr von der philosophisch-literarischen Ebene auf die naturwissenschaftliche verlagert – und damit vom kühnen Gedankenexperiment zum politisch-gesellschaftlich realen Problem. Wer diese Begriffe heute googelt, landet weder bei der Bibel noch bei den großen Unsterblichkeitsnarrativen der Weltliteratur, bei »Ahasver« oder dem »Fliegenden Holländer«, sondern bei Links zu Dokumentarfilmen wie »Ruf der Unsterblichkeit« oder »Ein Gen verleiht Unsterblichkeit«. Er wird zum Begriff »Telomer« weitergeleitet oder zu Angeboten, sich für die Ewigkeit einfrieren zu lassen. Die einschlägigen Instanzen lauten nicht mehr Goethe, Richard Wagner oder Thomas Mann, sondern Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin oder Blackburn Lab der University of California, geleitet von der Telomer-Forscherin und Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn, die überzeugt ist, dass die Menschheit theoretisch unsterblich sein könnte.
In ihrem Roman »Die Unglückseligen« lässt Thea Dorn diese beiden Welten aufeinanderprallen: die Welt der Stammzellen und Biotechnologie und die Welt der großen kulturellen Erzählungen von Leiden und Tod, von Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Uns allen sind diese Mythen und »Plots« vertraut: das Motiv des alttestamentarischen Hiobs, dem alles genommen wird, so wie Thea Dorns Johann Wilhelm Ritter alles genommen wird, die Frau, die Kinder, die wissenschaftliche Anerkennung, die Identität, die Aussicht auf Erlösung durch den Tod. Das Motiv des rastlos über die Weltmeere segelnden »Fliegenden Holländer« oder des »ewig herumirrenden« Ahasver, der nicht sterben darf, weil er – je nach Version – Gott verspottet hat oder ihm begegnet ist. Der Roman weckt Erinnerungen an Prometheus, der den Göttern das Feuer gestohlen hat und nun, im Kaukasus angeschmiedet, für diesen Frevel büßt, indem ihm ein Adler täglich ein Stück aus der Leber herauspickt, die aber ewig nachwächst. Und nicht zuletzt bildet der alte deutsche Volksmythos des Doktor Johann Fausten, der in seinem grenzenlosen Streben nach Erkenntnis seine Seele dem Teufel verschreibt, das Fundament, auf dem Thea Dorns
»Infausti«, »Die Unglückseligen«, errichtet sind.

Die Unglückseligen Blick ins Buch

Thea Dorn

Die Unglückseligen

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