Jeffrey Archer: Die Clifton Saga, Heyne Verlag

Special zu den Büchern von Jeffrey Archer

»Was in meinem nächsten Buch passieren wird? Ich habe nicht die geringste Ahnung!«

Jeffrey Archer über »Die Clifton Saga« und das Schreiben

Jeffrey Archer
© Broosk Saib
Die Frage, die mir am meisten gestellt wird, lautet: »Wo nehmen Sie bloß Ihre ganzen Ideen her?« Ich wünschte, ich wüsste hierauf eine Antwort, denn dann würde ich ein Buch darüber schreiben, wie man ein großer Erzähler wird. Die Wahrheit ist: Die Ideen sprudeln nur so aus mir heraus, ohne dass ich diesen Vorgang irgendwie beeinflussen könnte. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erläutern.

Als ich mich dazu entschloss, die Clifton-Saga zu schreiben, ein Epos, das einmal 7 Bände umfassen soll, wusste ich nur Folgendes: Die Geschichte sollte kurz nach dem Ersten Weltkrieg beginnen und Harry Clifton folgen, einem Jungen, der sich in den Arbeitervierteln von Bristol durchschlägt und mit 7 Jahren entdeckt, dass er ein Talent besitzt, mit dem er sein Leben von Grund auf ändern kann.

Als ich Spiel der Zeit, den ersten Clifton-Roman, dann 9 Monate später einreichte, sagte mein Verleger: »Jeffrey, du musst mir unbedingt verraten, wie es mit Harry im zweiten Buch weitergeht.« Darauf konnte ich ihm nur ehrlich antworten: »Ich habe nicht die geringste Ahnung – und ich bete, dass ich nächstes Jahr mehr weiß!«

Die zweithäufigste Frage, die mir gestellt wird, lautet: »Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?« Meine Antwort lautet gewöhnlich: »Einen Roman mit einer Länge von über 100.000 Wörtern zu schreiben, ist kein Spaziergang.« Wenn ich schreibe, halte ich meine Arbeitsrhythmen eisern ein: Ich stehe um 5 Uhr 30 auf und sitze um Punkt 6 am Schreibtisch. Ich schreibe 8 Stunden am Tag, wobei ich immer nach zwei Stunden eine Pause einlege. Abends um 8 Uhr höre ich auf zu arbeiten und entspanne mich bei langen Spaziergängen und leichten Mahlzeiten. Später am Abend schaue ich mir Filme oder Serien an; gerade ist Mad Men an der Reihe.

Für den ersten Entwurf von Spiel der Zeit habe ich um die 50 Tage gebraucht. Danach habe ich einen Monat Pause eingelegt und den Roman dann innerhalb von 9 Monaten fertiggestellt (wobei ich den ersten Entwurf noch 14 Mal überarbeiten musste).

Ich weiß, dass viele meiner Leser mit dem Gedanken spielen, selbst einmal ein großes Epos zu schreiben, das die Bestsellerlisten stürmen wird. Oft höre ich von meinen Freunden: »Jeffrey, wenn du mein Leben aufschreiben würdest, würde ein Bestseller daraus!« Dann sage ich immer: »Schreibe es doch selber – denn du kennst deine Geschichte am besten.«

Wenn Sie wirklich festen Willens sind, ein Buch zu schreiben, dann sollten Sie es tun – nur müssen Sie diese Sache auch wirklich ernst nehmen. Notfalls müssen Sie sich eine Auszeit vom Beruf nehmen oder morgens und nachts schreiben, das ist dann neben der regulären Arbeit Ihr zweiter Job. Nur so funktioniert es. Das Schreiben muss Bestandteil Ihres täglichen Lebens werden; so wie bei mir, wenn ich mich an den nächsten Roman der Clifton-Saga mache.

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