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Steimles Welt - Buch zur geleichnamigen TV-Serie mit Uwe Steimle

»Steimles Welt« Das Buch zur TV-Serie (MDR) mit Uwe Steimle

Meine Tiefe ist die Oberfläche


Warum Wieso Weshalb … Eine Pusteblume – das ist für mich die Welt.
Mit acht Jahren hat man bereits zu 30 Prozent all das gelernt, was lebenswichtig für die innere Ausprägung des Gemüts ist, oder anders ausgedrückt: Unser Charakter ist schon zu einem Drittel besetzt – eleganter formuliert: Er ist geprägt.

Das klingt wie ausgestanzt, ich will raus aus der Stanze. Je älter ich werde, und dies geschieht mit jedem Tag aufs Neue, umso mehr puhl, ja suhl ich mich in der Vergangenheit. Was waren das für Zeiten, da auf der Leipziger Straße 226 in Dresden, in unmittelbarer Nähe zu Theodor Rosenhauer, also kurz vor Alttrachau, Sonntag nachmittags Herr und Frau Domaschke aus dem Vorderhaus die beiden Stuben-Fensterflügel öffneten und, mit zwei Sofakissen bewaffnet, sich es im Rahmen gemütlich machten? Sie hatten noch keinen Fernseher, somit war dieses wiederkehrende Ritual allwöchentlich ihr Blick auf die Welt.

Ich wollte das als achtjähriger Junge unbedingt nachmachen, am besten aus Omas Küchenfenster, aber ich sah nichts. Gut, Tante Sigrid lief 1973 mit Lockenwickler und Kittelschürze zum Bäcker, na und …? Dass sie sich vernachlässigte, wie die Erwachsenen sagten – vernachlässigt? Mit so einem Wort konnte ich nichts anfangen. Im Gegenteil, ich fand lässig, wie meine Nichttante durchs Leben ging. Genau genommen sah ich sie fast nur so, und immer dazu dieser süßlich feine Geruch im Treppenhaus, herrührend aus ihrem Friseursalon … geschwängert in Übigauer Luft … vom Haarzerstäuber. Oh ja, so etwas prägt! Wo ist das bestrickte Gummiei mit Kordel? Vorbei, weg. Wo ist die Kittelschürze? Wo der Haarzerstäuber und das Haarnetz und wo die Plaste-
lockenwickler, in blau, grün, rot?

All die kleinen Dinge suche ich heute, wenn ich losfahren darf im Auftrag des MDR. Und Sie, liebe Leser, lade ich nun herzlich ein, mit mir zu reisen auf den Seitenstraßen unserer Welt.

Es ist der kleine große Alltag, der mich fasziniert, beeindruckt und Spuren hinterlässt, begleitend im Lebensrhythmus.
80 Prozent dieser immer wiederkehrenden Dinge bestimmen unser Leben. Berufen dazu fühle ich mich, nicht nur zurufen möchte ich Ihnen von ganzem Herzen: Staunen Sie mit mir.

Über einen Köhler, der sein Handwerk so sehr liebt, dass er nachts nicht schlafen kann, weil er keinen findet, der ihn ersetzt, und derartig von seiner Holzkohle schwärmt, dass ich meine, er entzündet mein Herz auch gleich noch mit.

Staunen Sie über einen Mann aus Pomßen, der erzählt, wie er zu einem Nagetusch-Sammler wurde.
Staunen Sie mit mir gemeinsam über einen Bäcker, der keine Kuchenränder mehr verkauft, weil runde Kuchen keine Kuchenränder haben.

Solange wir staunen können, solange leben wir.


Selbst fürs Kehren vor der eigenen Tür kann ich mich begeistern. Strich für Strich reinigt dieser mechanische Vorgang nicht nur den Dreck, der mir zu Füßen liegt, sondern auch den im Oberstübchen. Ja, Kehren reinigt das Gehirn. Ebenso wie Aufwaschen oder Schuhe putzen und Nähen.

Wenn »Steimles Welt« loszuckelt – wir sind übrigens ein kleines, reines Männerkollektiv –, weiß es oft nicht, wer und was es erwartet.
Alle Menschen, die uns in der Sendung begegnen, eint eines: Sie rühren uns mit Einzigartigem, und so staunen wir über scheinbare Kleinigkeiten.
Für mich fühlt sich auf diesen kleinen Reisen das Medium Fernsehen an wie das richtige Leben. Zukunft, Herzlichkeit, Begeisterung gibt es gratis um die Ecke, wenn ich mich auf den Nächsten einlasse, ihn aufbreche, ihn nicht verletze und selbst neugierig bleibe.
Meine »Steimles« Welt ist eine Mischung aus Ratgebersendung als Reisemagazin getarnt (oder andersherum) mit Entschleunigungsfaktor.

Wir machen das Fernsehen, für das Sie Ihre Gebühren nicht vergeblich zahlen, weil wir nicht mit Kunststückchen angeben, sondern Lebenshilfe anbieten. Für die geldwerten Mittel, die Sie einsetzen, »gebührt« es sich, dass Sie klüger aus dem Fernsehapparat wieder herauskommen, als Sie es beim Eintauchen waren. Und Sie und ich müssen dabei gemeinsam Spaß haben, dann ist es recht.

Und das dürfen Sie erwarten: Eine Kornblume am Wegesrand wird mit der gleichen Achtsamkeit aufgespürt, behandelt und verteidigt wie der Fährmann in Artern, der nicht versteht, dass nur die Bank überleben wird, die in der Lage ist, scheinbares Geld in beliebiger Höhe theoretisch aufzubringen. In einer Folge wird dieses Kuriosum ins Bild gesetzt, doch leider interessierte sich bis heute niemand für die merkwürdigen Ansichten eines Herrn Asmussen, der – glaube ich – die Bundesrepublik in Sachen Geld berät. Dass es in Sachen Geld wirklich nur noch um Glauben geht, verrät Einiges über den Seelenzustand unserer Nation.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch zurufen: Die wichtigen Dinge lernt man nur in Pausen. Bitte machen Sie eine Pause und lesen Sie mich.
Ihr Buch.

Steimles Welt Blick ins Buch

Uwe Steimle

Steimles Welt

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