Steimles Welt - Buch zur geleichnamigen TV-Serie mit Uwe Steimle

»Steimles Welt« Das Buch zur TV-Serie (MDR) mit Uwe Steimle

Zum guten Schluss

Wenn man mit Uwe arbeitet, weiß man, worauf man sich einlässt. Da kann man nichts halbherzig angehen. Arbeit mit Uwe bedeutet immer volle Pulle. Er fordert sich, aber auch alle in seinem Umfeld. Er will immer das Beste. Und das Beste ist ihm noch lange nicht genug. Dabei begegnet einem in Uwe alles, was einen großen Schauspieler ausmacht: Sensibilität, Ängstlichkeit, Handwerk, Bauchgefühl, Unnachgiebigkeit, Großzügigkeit, Liebe, Neugier, Kontrolle und Nichtkontrolle. Und das zuweilen alles auf einmal. Da braucht man schon eine gewisse Gelassenheit.

Ich erinnere mich zum Beispiel an Zerbst. Der Dreh bei Herrn Sommer und seinen Skulpturen war gerade beendet. Keffi, der Kameramann, machte noch ein paar Schnittbilder im Garten und Uwe und ich waren schon beim Ruhepuls angekommen. Wir wollten uns gerade in den Wartburg setzen. Plötzlich kam auf der Straße ein DKW-Oldtimer angefahren. Und was soll ich sagen … bei alten Autos, da flippt der Uwe aus. Da ist er nicht zu halten. Ich hörte ihn neben mir brüllen: »Drehen, drehen, drehen, warum drehen wir das nicht?« Kurzerhand stellte er sich auf die Straße und hielt das Auto einfach an. Kniete sich neben den Wagen auf den Boden und huldigte dieser alten Automobil-Handwerkskunst. Gerade noch rechtzeitig gelang es mir, Keffi von seiner bisherigen Arbeit abzuziehen und ihn mit schnellen Schritten zum neuen Drehort auf die Straße zu bugsieren.
In solchen Momenten wird Uwe zum Kind. Da will er spielen. Da staunt er mit großen Augen und vergisst die Welt um sich herum. Da kann ihn niemand halten. Das gehört zu ihm wie zu jedem guten Schauspieler, der sein Kind in der Hosentasche mit sich herumträgt. Nicht umsonst hat er sich ja den Beruf des Schauspielers ausgesucht. Obwohl, ich glaube eher, dass es anders herum war, die Schauspielerei hat Uwe auserwählt. Da kann er mir erzählen, was er will. Schließlich hat das Schicksal auch bestimmt, das wir beide nun schon seit einiger Zeit auf den Nebenstraßen dieser Welt unterwegs sind. Und ich wünsche mir einfach, dass unsere gemeinsamen Reisen noch lange nicht zu Ende sind.
Im 312er Wartburg.
Immer der Nase nach.
Du und ich.
Zwee Dresdner.

Bis glei, mei Uwe.

Michael Seidel